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28.02.2012

18:16 Uhr

Was vom Tage bleibt

Elvis Presley lebt in der EZB

VonFlorian Kolf

Privatanleger spekulieren auf vierstellige Renditen, Spaziergänger treiben ein Luxushotel in die Pleite und die Quelle-Erbin muss vielleicht doch nicht bei Aldi einkaufen. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Elvis lebt in der EZB

Elvis Presley hat den Song bekannt gemacht, der wunderbar die aktuelle Situation an den Märkten beschreibt: „Love me tender.“ Die EZB hat mit ihrem Drei-Jahres-Tender, bei dem sich die Banken praktisch unbegrenzt Geld leihen können, die Märkte offenbar so betäubt, dass sie keinen Schmerz mehr spüren. Selbst die Herabstufung Griechenlands auf den Status SD („partieller Zahlungsausfall“) war da heute morgen nur ein Achselzucken wert, der Dax hat bis mittags sogar leicht zugelegt. Im Dezember hatte die EZB die Märkte über diesen Tender bereits mit fast 500 Milliarden Euro geflutet, morgen wird beim nächsten Tender eine noch höhere Summe erwartet. Elvis lebt!

Rüge für die Kanzlerin

Erneut bekommt Angela Merkel für ihre Euro-Politik eins auf die Finger. Verfehlte sie gestern bereits die Kanzlermehrheit bei der Bundestagsabstimmung über das zweite Griechenland-Rettungspaket, rügte heute das Bundesverfassungsgericht das kleine Geheimgremium des Bundestages, das Eilentscheidungen zur Rettung von Euro-Staaten treffen soll, als „überwiegend verfassungswidrig“. Bundestagsabgeordnete müssten an Entscheidungen zur Euro-Rettung stärker beteiligt werden. Nun muss die Regierung nachbessern.

Pokerspiel mit Staatsanleihen

Für Privatanleger hielt der Schreck nur kurz an. Gestern waren griechische Staatsanleihen ohne Vorwarnung in Deutschland nicht mehr handelbar. Heute wurde der Handelsstopp wieder aufgehoben. Nun müssen auch Kleinanleger entscheiden, ob sie dem Schuldenschnitt zustimmen oder nicht. Ein Hinweis für Pokerspieler: Stimmen weniger als 75 Prozent dem Umtauschangebot zu, wird die griechische Regierung den Schuldenschnitt zwangsweise durchführen. Machen mehr mit, könnte der Rest ungeschoren davonkommen. In diesem Fall kann ein Anleger, der jetzt Griechenland-Bonds mit ganz kurzer Restlaufzeit kauft, eine vierstellige Rendite erzielen.

Spaziergänger treiben Heiligendamm in die Pleite

Das schöne Bild der Harmonie haben sicherlich noch viele vor Augen: Acht Staatschefs saßen beim G8-Gipfel 2007 einträchtig in einem überdimensionalen Strandkorb vor dem Grandhotel Heiligendamm. Die Idylle ist nicht nur für die Staatschefs längst Geschichte. Auch das Grandhotel Heiligendamm musste jetzt Insolvenz anmelden. Der Betreiber kann die Kreditzinsen nicht mehr zahlen. Getroffen sind auch in diesem Fall Privatanleger: 1900 Investoren sind an dem geschlossenen Immobilienfonds der Jagdfeld-Gruppe beteiligt, dem das Hotel gehört. Aber zum Glück hat Geschäftsführer Anno August Jagdfeld den Schuldigen schon ausgemacht: Die Gemeinde habe jahrelang Spaziergängern erlaubt, über das Grundstück des Hotels zu laufen und damit das exklusive Image des Hauses ruiniert.

Was fehlt? Der Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz fehlen offenbar 1,9 Milliarden Euro. Diese Summe fordert sie jetzt von ihren Finanzberatern zurück, weil sie sie angeblich gegen ihren erklärte Willen in riskante Anlagen gedrängt hatten. Sie erinnern sich? Frau Schickedanz hatte doch nach der Arcandor-Pleite gejammert, sie sei nun so arm, dass sie bei Aldi einkaufen müsse. Noch hat sie niemand beim Discounter gesehen.

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Abend,

Florian Kolf

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Kommentare (1)

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Account gelöscht!

29.02.2012, 01:33 Uhr

"Die EZB hat mit ihrem Drei-Jahres-Tender, bei dem sich die Banken praktisch unbegrenzt Geld leihen können, die Märkte offenbar so betäubt, dass sie keinen Schmerz mehr spüren."

Und von sich gegenseitig auf die Schulter klopfenden Vollidioten wird es als Erfolg gewertet, dass das rote Lämpchen im Cockpit nicht mehr blinkt und das nervige STALL!, STALL! (signalisiert in der Fliegerei den bevorstehenden Abriss Luftströmung an den Tragflächen, was zu unkontrollierbaren Fallen des Fluggerätes führen kann) nicht mehr ertönt.

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