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09.10.2013

18:49 Uhr

Was vom Tage bleibt

Endlich eine Frau

VonStefan Menzel

Janet Yellen soll in der Fed für frischen Wind sorgen, in Deutschland bleibt erneuerbare Energie teuer. Alitalia fliegt Richtung Insolvenz, Spanien freut sich über Vertrauen. Bei Siemens kriselt es. Der Tagesrückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Bernanke ausbremsen

Nun wird es also doch eine Frau: Anfang nächsten Jahres übernimmt Janet Yellen die Führung der US-Notenbank und steigt damit zur wichtigsten Geldpolitikerin der Welt auf. Dass erstmals eine Frau an die Spitze der Fed rückt, ist zwar schön, aber nicht die entscheidende Frage. Wichtiger ist vielmehr, dass Janet Yellen schnell die richtigen Entscheidungen trifft. Noch-Fed-Boss Ben Bernanke verweigert bislang den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik. Wenn ihr Vorgänger bei dieser Verweigerungshaltung bleibt, dann muss eben Yellen im Januar für den Kurswechsel bei der Fed sorgen. Die Luft aus der amerikanischen Geldblase muss schnell heraus, sonst drohen bald gewaltige Probleme.

Heilige Subvention

Stillstand herrscht in Deutschland bei der Förderung von Solar- und Windstrom. Niemand fragt kritisch nach, ob diese Subventionierung im großen Stil überhaupt noch sinnvoll ist. Die Zeche dafür zahlen wieder einmal die privaten Verbraucher. Die sogenannte Ökostrom-Umlage der privaten Haushalte steigt schon wieder. Für eine Kilowattstunde wird vom kommenden Jahr an ein Cent mehr fällig – damit die vielen Solar- und Windparks überhaupt betrieben werden können. Eigentlich müssten unsere Politiker diesem bunten Treiben ein Ende bereiten und endlich für Vernunft in der Energiepolitik sorgen. Aber in Berlin wird erst einmal mit großer Langsamkeit über mögliche Koalitionsmodelle nachgedacht, Reformen werden unter diesen Vorzeichen auf die lange Bank geschoben. Frei nach dem Motto: Mögen die Verbraucher doch einfach mehr bezahlen.

Römischer Irrglaube

Alitalia mag eine ehrenwerte Fluggesellschaft sein. Aber am Ende zählt doch allein die Wirtschaftlichkeit. Und die sieht seit Jahren extrem miserabel für das Unternehmen aus. Trotz hoher Verluste meint die Regierung in Rom, dass sie unter allen Umständen am Prestige-Objekt einer nationalen Airline festhalten muss. In der Alitalia-Krise wird sich die Regierung sicherlich wieder weichklopfen lassen und das fehlende Geld zum Weiterbetrieb zuschießen. Aber warum eigentlich? Schon vor Jahren hat selbst die reiche Schweiz erkannt, dass eine nationale Fluggesellschaft verzichtbar ist. Was muss eigentlich noch alles passieren, dass Italien diese Lektion lernt?

Lebendiges Spanien

Schon seit einigen Wochen mehren sich die Anzeichen, dass die Euro-Zone das Schlimmste hinter sich haben könnte. Spanien hat am Mittwoch einen wichtigen Vertrauensbeweis der Finanzmärkten erlebt. Für eine Staatsanleihe mit 31 Jahren Laufzeit war die Zahl der Bieter größer als ursprünglich gedacht. Wer solch ein Papier jetzt kauft, der vertraut der Regierung in Madrid wieder – und zugleich dem Euro. Wir könnten noch mehr solcher positiven Nachrichten aus anderen Krisenländern gebrauchen. Dann wüssten wir definitiv, dass die Krise wirklich vorüber ist.

Lockvogel Geld

Es vergeht kaum ein Tag, an dem der Siemens-Konzern nicht für Schlagzeilen sorgt. Jetzt sieht es danach aus, als ob der Betriebsratschef besonders fürsorglich vom früheren Vorstandsvorsitzenden Peter Löscher behandelt wurde. An die 300.000 Euro jährlich soll der oberste Arbeitnehmervertreter von Siemens bekommen. Das ist wahrlich stattlich und mehr als das Gehalt der Bundeskanzlerin. Da wundert es nicht, dass der Betriebsratschef mit 65 Jahren nicht in Rente gehen und noch ein Jahr dranhängen möchte. Der neue Vorstandschef Joe Kaeser sollte sich sehr genau überlegen, ob er dieses Spielchen mitspielen möchte. Wer für einen echten Neuanfang im Konzern sorgen will, der bräuchte auch einen neuen Sparrings-Partner auf Arbeitnehmerseite.

Einen geruhsamen Abend wünscht Ihnen ganz herzlich

Stefan Menzel

Kommentare (5)

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pizza_quattro_staggioni

09.10.2013, 19:27 Uhr

..Ein (auch) wirtschaftspolitisch ganz harter Hund, der Herr Menzel.
Nicht, dass man ihm einmal ein paar Tage an bundesdeutschen Produktionslinien gönnen würde, für die er sich, weit unter dem Handelsblatt-Niveau, ganz gewiß leicht als etwas all zu fein geraten empfinden dürfte.

Schwitzen tun lediglich die Proleten.

Davon weiß der Herr Menzel ja eine ganze Menge zu berichten auf seine ganz unvergleichliche Art und Weise.

Weder Herr Menzel scheint damit ein Problem zu haben, noch andere.

Und das scheint ja auch sehr fein.

AriadneMedea

09.10.2013, 23:19 Uhr

Sie haben nur ein Problem die Wiedervereinigung haben wir in dieser Form nie so gewollt, es sollten andere Reformen her und es wurde uns etwas aufgezwungen. Auch der Euro.
Wenn ich mir die Endlosschulden der Länder angucke dann denke ich habe es mit nur absolut bis in die letzte Hirnhälfte mit Geistesgestörten zu tun, dazu Geldwäsche Drogengeld, da ist ja kaum ein ehrlich verdientes Stück Geld dabei, Unfähige beherrschen den Markt und die Menschen. Diejenigen die an den kriminellen am Nahesten dran sitzen haben das meiste Geld. Kriminelle werde auch in allen Länder belohnt. Gewissen ist international eh ein Fremdwort.

Account gelöscht!

09.10.2013, 23:56 Uhr

Gerne würde ich die Reaktion der Feministinnen lesen, wenn als Überschrift über einem Artikel stehen würde "Endlich ein Mann". Aber das wirds nicht geben, dazu haben die Autoren zu wenig Schneid. Aber die Männer haben eben keine Lobby. Anders als die Frauen haben sie auch kein Bundesministerium, dass ihre Interessen vertritt.

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