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28.04.2014

18:47 Uhr

Was vom Tage bleibt

Entscheidung im Elysée

VonOliver Stock

Das Schaulaufen um Alstom bringt die Siemens-Aktionäre in Rage. Air Berlin wurschtelt weiter. Bayer will den Schmerz lindern und Gauck redet Tacheles. Der Tagesbericht.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Vater Hollande

Stellen Sie sich vor, jemand möchte ein deutsches Unternehmen – sagen wir BMW – kaufen und geht mit diesem Ansinnen nicht zur Familie Klatten, sondern zu Angela Merkel. Genauso läuft es gerade in Paris, wo derzeit erst der Chef von General Electric Jeffrey Immelt und anschließend sein Konkurrent von Siemens Joe Kaeser im Elysée-Palast eintrafen, um um die Hand von Alstom zu werben. Wie Vater Hollande entscheidet, wissen wir noch nicht. Wie die Investoren das im Fall Siemens sehen, dagegen schon: An der Börse fiel die Siemens-Aktie um fast drei Prozent. Ein teurer Bieterkampf ist jedenfalls das letzte, was sich Aktionäre wünschen.

Geschäftsmodell gesucht

Wir brauchen Air Berlin, weil es immer besser ist, zwei konkurrierenden Fluggesellschaften zu haben als eine, die das Monopol besitzt. Und Air Berlin braucht Geld, weil das Fluggeschäft eine ziemlich kostspielige Angelegenheit ist. 300 Millionen Euro schießt nun Air Berlin-Haupteigner Etihad nach und mindestens 150 Millionen Euro soll eine Unternehmensanleihe einbringen. Das reicht zwei Jahre. Wenn Air Berlin so weitermacht wie bisher, dann ist auch dieses Sümmchen dahin. Was Air Berlin wirklich braucht, ist kein Geld, sondern ein Geschäftsmodell.

Weniger Schmerz

Bayer könnte sein Kunststoffgeschäft verkaufen, um sich künftig noch stärker auf Medikamente zu konzentrieren. Der größte deutsche Pharmakonzern erwäge sich von seiner Sparte Material Science zu trennen, nachdem Evonik sein Interesse daran bekundet habe, heißt es unter Eingeweihten. Der Verkauf könnte an die acht Milliarden Euro einbringen. „Etwas weniger Schmerz auf dieser Welt“ hieß einst der Werbespruch für Aspirin. Bayer Chef Marijn Dekkers müsste das Geld gut investieren, der mit die Werbebotschaft hält, was sie verspricht.

Gauck wird deutlich

Joachim Gaucks Worte wirken im Ausland deutlicher als hier drinnen. In Ankara hat der in einer Diktatur aufgewachsene deutsche Bundespräsident heute gezeigt, wo er empfindlich ist: Die Versuche, mit der Versetzung unliebsamer Staatsanwälte die Justiz daran zu hindern, Missstände aufzudecken oder das Bestreben einer Regierung, Urteile in ihrem Sinne zu beeinflussen, erschrecke ihn. „Als Demokrat werde ich dann meine Stimme erheben, wenn ich den Rechtsstaat in Gefahr sehe – auch wenn es nicht der Rechtsstaat des eigenen Landes ist.“ Wer die Wahrheit sagt, muss schnelle Beine haben. Gauck wird das nicht brauchen, aber an der Abreise hindern wird ihn in der Türkei von offizieller Seite niemand.

Windows ohne TÜV

Dass es zum Ernstfall kommen würde, war klar. Dass es so schnell ging, überrascht: Vor einigen Wochen hat Microsoft die Unterstützung für das Betriebssystem Windows XP eingestellt, seitdem schließt der Software-Konzern keine Sicherheitslücken mehr – nun ist der erste Fall publik geworden, in dem kriminelle Hacker eine Hintertür ausnutzen können. Spätestens jetzt sind die Millionen Nutzer, die die 14 Jahre alte Software noch verwenden, in Gefahr. Das betrifft auch viele Unternehmen und Behörden, vom Mittelständler mit Hightech bis zum Bundestag. Windows XP ist wie ein Auto ohne TÜV: Reinsetzen und losfahren geht. Aber in der ersten Kurve wird es heikel.

Fahren oder surfen Sie vorsichtig, wünscht sich

Oliver Stock

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