Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.07.2012

18:36 Uhr

Was vom Tage bleibt

Enttäuschte Retter

VonOliver Stock

Den spanischen Banken wird geholfen, aber die Banker benehmen sich weiter schlecht. Wer kann diesen Teufelskreis durchbrechen? Der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Einfache Fragen

Der britische Unterhaus-Abgeordnete John Mann nahm Anfang dieses Monats Barclays-Chef Bob Diamond ins Kreuzverhör: „Können Sie mir drei Prinzipien der Barclays-Gründer nennen?“, fragte er. „Nein“, war die Antwort. „Da kann ich aushelfen“, sagte Mann. „Die Prinzipien lauteten: Ehrlichkeit, Integrität und offenes Handeln.“ Dann fragte er, ob Diamond etwas von den Zinsmanipulationen in seiner Bank gewusst habe. Auch das verneinte Diamond. Mann darauf: „Entweder waren sie mitbeteiligt an all den Dingen, die da vor sich gingen. Oder sie haben sich grob fahrlässig verhalten, oder sie waren enorm inkompetent.“ Diamond ist inzwischen nicht mehr Chef von Barclays. Anshu Jain allerdings ist Co-Chef der Deutschen Bank, die auch mitmanipuliert haben soll. Wann werden ihm diese Fragen gestellt?

Unwürdige Gerettete

Es sind solche Vorgänge, die die andere Seite der Medaille so schwer erträglich machen: Die Euro-Zone hat heute die milliardenschweren Hilfen für die spanische Bankenbranche gebilligt. Die Deutschen sehen das Paket skeptisch: In einer Umfrage sprachen sich 52 Prozent dagegen aus. 38 Prozent halten den Schritt für richtig. Warum? Weil die Mehrheit bei Banken an die Banker nach dem Schema Diamond denken. Sie wagen einen heißen Ritt und wenn er schief geht, nehmen sie Anspruch, von uns aufgefangen zu werden.

Frühlingserwachen im Norden?

„Wenn's Dir hier nicht passt, geh doch rüber“, ließ sich vor einem Vierteljahrhundert in der Bundesrepublik sagen, wobei der Sprecher dann mit dem Zeigefinger nach Osten deutete. Seither hat sich die Welt verändert. Wem es heute hier nicht passt, der müsste schon bis Nordkorea. Doch möglicherweise stimmt auch dieser Spruch eines Tages nicht mehr. Die spärlichen Nachrichten, die aus dem Land dringen, klingen heute so: Der junge Herrscher Kim Jong Un will der Armee das Kommando über die daniederliegenden Betriebe nehmen und sie einer zivilen Führung unterstellen. Es ist schön, wenn sich alte Sprüche irgendwann überholt haben.

Amok

In der Nähe von Denver hat ein Amokschütze ein dutzend Kinozuschauer erschossen und doppelt so viele verletzt. Wie gehen wir damit um? Alle Welt schreibt: „Amoklauf bei Batman-Premiere“. Wir Journalisten haben wirklich eine spezielle Art zu denken: Die schreckliche Tat erzählt sich noch besser, wenn Batman dabei ist.

Gewulfft und geröttgert

Langenscheidt sucht das Jugendunwort des Jahres. Und siehe da: Die Jugend wird politisch. „Wulffen“ ist im Rennen, für die, die auf Kosten anderer leben. Wer „geröttgert“ wird, darf nicht mehr mitspielen.

In diesem Sinne ein schönes Wochenende. Merkeln Sie sich durch!

Ihr Oliver Stock

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

20.07.2012, 18:55 Uhr

Diese Schweine haben das Geld aber noch. Warum holt sich der Staat das nicht zurück ?

DieBlender

20.07.2012, 19:05 Uhr

Entweder sind die deutschen Politiker verblödet oder gekauft.
Etwas anderes (zum Wohle des Deutschen Volkes?) kann ich mir nicht mehr vorstellen.

Account gelöscht!

20.07.2012, 19:25 Uhr

Ich würde mal sagen, die deutschen Politiker meinen es tatsächlich gut, sie wollen 'das Richtige' machen. Richtig ist gemäß ihrer Erziehung 'nett, lieb und brav' zu sein. Also primär den ANFORDERUNGEN DER ANDEREN zu entsprechen. Und natürlich das sakrosante Europa mit seinem sakrosankten Euro retten.

Es bräuchte mehr MUT, wirklich UNBEQUEM sein zu wollen, notfalls auch ANZUECKEN um mittels KRITISCHER DISKUSSION die besten Lösungen FÜR ALLE herauszuarbeiten - nicht nur für die anderen. Lösungen, die ICH SELBER auch als solche EMPFINDEN & VERSTEHEN kann - und die nicht nur von 'Experten' als 'die Richtigen' benannt werden und ich das halt so glauben muss.

Und bei aller panisch inszenierten Hektik: Soviel Zeit muss sein. Zum Wohle von uns, zum Wohle von allen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×