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09.03.2012

17:42 Uhr

Was vom Tage bleibt

Erst leisten, dann kassieren

VonFlorian Kolf

Griechenland bekommt jetzt seinen rettenden Geldsegen, der Citigroup-Chef hat sein Gehalt sogar verfünfzehnmillionenfacht. Da wollen sich auch die Gewerkschaften nicht mit Brosamen abspeisen lassen. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Bankrott ist keine Lösung

Es war ein Kraftakt und die Griechen haben das Zwischenziel geschafft. Der Schuldenschnitt ist gelungen, die Euro-Gruppe hat das neue Rettungspaket bewilligt. Doch nun müssen alle Anstrengungen darauf gerichtet sein, dass gar nicht erst das Gefühl aufkommt, ein Schuldenschnitt sei ein legitimer Ausweg aus einer miserablen Staatsführung und einem leichtfertigen Umgang mit fremdem Geld. Denn bei aller Erleichterung darüber, dass der Schuldenschnitt nicht noch in letzter Minute gescheitert ist, was völlig unkontrollierbare Folgen hätte haben können, muss man festhalten: Wir haben hier die Bankrotterklärung eines Staates erlebt und es sind private Anleger enteignet worden. Das sollte nicht zur Regel werden.

Der Ex-One-Dollar-Man
Als es der Citigroup richtig schlecht ging, da sprang erst der Staat als Retter ein und anschließend wurde in allen Ecken nach Sparpotenzial gesucht. Und der Chef ging mit gutem Beispiel voran: Citigroup-Chef Vikram Pandit begnügte sich für 2010 mit einem symbolischen Gehalt von einem Dollar. Nun hat er das Institut wieder in die Gewinnzone geführt - und lässt sich dafür fürstlich belohnen: Fast 15 Millionen Dollar strich er im vergangenen Jahr ein. Manch einer stimmt jetzt gleich das Lied vom Gier-Banker an. Aber mir sind Menschen wie Pandit, die erst leisten und dann kassieren lieber, als Versager, die zum Abschied noch einen goldenen Handschlag bekommen.

Bsirskes geschickte Kampagne

Die Choreografie von Verdi ist schon beachtlich: Mit dem Ausstand von Staatsbediensteten in Baden-Württemberg und Niedersachsen ist heute eine Woche von Warnstreiks im öffentlichen Dienst zu Ende gegangen. Rund 130.000 Beschäftigte legten jeweils für einen Tag die Arbeit nieder. Am Montag nun startet die zweite Verhandlungsrunde und die öffentlichen Arbeitgeber haben sich bedenklich in die Ecke manövrieren lassen. Einerseits haben sie angesichts leerer Kassen nun wirklich nichts zu verteilen. Andererseits aber werden sie aus der Debatte, die Verdi-Chef Bsirske mit dem "Ehrensold für Müllwerker" angezettelt hat, nicht unbeschadet herauskommen.

Zurückhaltung war gestern

Allgemein scheint nach der Lohnzurückhaltung der vergangenen Jahre das Pendel wieder in die andere Richtung zu schwingen. So sind die Arbeitskosten in Deutschland 2011 so stark angestiegen wie seit eineinhalb Jahrzehnten nicht. Die Kosten je geleisteter Arbeitsstunde hätten sich im Vergleich zu 2010 um 3,2 Prozent erhöht, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit - der höchste Anstieg seit 1997. Als Grund nennen die Experten hohe Tarifabschlüsse. Dabei ist die Gerechtigkeitsdebatte erst gerade richtig los gegangen.

Ich wünsche ihnen ein ereignisreiches und anregendes Wochenende,

Florian Kolf

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Kommentare (4)

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Account gelöscht!

09.03.2012, 17:49 Uhr

zitat: Wir haben hier die Bankrotterklärung eines Staates erlebt und es sind private Anleger enteignet worden. Das sollte nicht zur Regel werden.

das sollte nicht mal die ausnahme sein.

fondsberater

09.03.2012, 19:15 Uhr

was sich die Griechen leisten, sollten wir uns auch leisten - willkommen im Zeitalter der absoluten Hemmungslosigkeiten; Geld spielt doch eh keine Rolle. Also rauf mit den Gehältern und Einkommen - aber richtig!

fondsberater

09.03.2012, 19:23 Uhr

Keine selbstkritischen Schamhaftigkeiten! Rausholen aus dem Topf was drin ist! Was die Griechen können, können wir schon lange. Draufsatteln, draufhebeln, ein bischen bestechen und die Kreditsause richtig ausnutzen. Meine lieben Michels - nur so geht´s

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