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04.09.2015

19:05 Uhr

Was vom Tage bleibt

Es dröhnt in den Ohren, es schmerzt in den Augen

VonOliver Stock

Alle reden über Flüchtlinge. Nur ein paar Ansprechpartner reden nicht mit: Die Länder, aus denen die Menschen stammen. Auch die US-Notenbank spricht nicht so viel. Was heute wichtig ist, lesen Sie hier.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser!

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Das Trommelfeuer der Meldungen über Flüchtlinge dröhnt in den Ohren, die Bilder schmerzen in den Augen. Heute war es das ungarische Auffanglager nahe der Grenze zu Serbien, das die schrillsten Bilder lieferte. Menschen, die aus dem Lager fliehen und nur eine Richtung kennen: nach Westen. Sie werden hier ankommen.

Aylans Vermächtnis
Großbritannien nimmt 4000 syrische Flüchtlinge auf. Premier Cameron will sie direkt aus Syrien abholen. Sein Sinneswandel kommt einen Tag, nachdem das Bild des toten Kurdenjungen Aylan Kurdi um die Welt gegangen ist. Es macht es erträglicher, hier einen Zusammenhang zu sehen. Aylans Tod hat die Mächtigen dieser Welt in Bewegung gebracht.

Germany

Victor Orbán ist das hilfloseste Gesicht in der Tragödie. Kein Land in Europa ist derzeit mehr Durchgangsland für fliehende Menschen als Orbáns Ungarn. Seine Reaktion besteht vor allem im Abriegeln und Einsperren. Heute verschärfte Ungarn seine Gesetze. Dabei müsste er nur warten: Ungarn ist nicht das Ziel. Die Menschen skandieren auf ihrem Zug durch Europa vor allem einen Namen: Germany.

Der falsche Kreis
In Brüssel trafen sich die Außenminister der EU, um festzulegen, wer wieviele Flüchtlinge aufnehmen muss. Ein Ergebnis gibt es noch nicht. Aber eine Frage: Warum sind bei solchen Treffen eigentlich immer die Aufnahmeländer vertreten, aber nie die Potentaten vorgeladen, aus denen die Flüchtlinge kommen?


Fünf-Sterne-Hotel
Geht es nach Nigel Farage ist das Beste, was England passieren konnte, dass der liebe Gott Wasser drumherum geschaffen hat. Der Chef der UK Independence Party sieht in der EU-Freizügigkeit den Auslöser für Völkerwanderungen. Der Mann hat ja so recht: Europa ist aus Sicht der Flüchtlinge ein Fünf-Sterne-Hotel. Aber sollen wir es, um abschreckender zu werden, zum Gefängnis umgestalten?

Das Dilemma der Fed

Wer gehofft hat, dass die Zahlen vom Arbeitsmarkt in den USA ein Signal für oder gegen eine Zinserhöhung der US-Notenbank sein werden, guckt in die Röhre. Es wurden nur wenige Stellen geschaffen, aber die Arbeitslosigkeit sank trotzdem. Was soll die Notenbank also tun? Am besten übers Wochenende noch einmal nachdenken. So wie Sie und ich jetzt.

Ein entspannendes Wochenende wünscht Ihnen

Oliver Stock

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