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31.07.2014

18:35 Uhr

Was vom Tage bleibt

Es geht doch niemand von alleine pleite

VonOliver Stock

Frau Kirchner und Herr Singer, die argentinische Präsidentin und der US-Hedgefonds-Manager: Sie sind sich spinnefeind, doch in Wahrheit untrennbar miteinander verbunden. Wie auch Russland und Europa. Der Tagesbericht.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Der falsche Viehdieb

Der Pleitegeier hat ein Gesicht: Graues Haar, grauer Vollbart, runde Brille, strenger Blick. Es ist das Gesicht von Paul Singer, Hedgefonds-Manager und Milliardär. Seit heute gilt er als der Mann, der Argentinien in die Pleite getrieben hat. Singer ist Wortführer einer Gruppe von Investoren, die das südamerikanische Land auf Rückzahlung von Schulden in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar verklagt hatten. Argentiniens Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner geißelt ihn als Anführer eines „Geierfonds“ und schaltete ganzseitige Zeitungsanzeigen die Singer wie einst einen Viehdieb im Wilden Westen zur Fahndung ausschreiben. Im Gegensatz zum Viehdieb hat Singer allerdings nichts geklaut, sondern Argentinien hat ihn nicht ausbezahlt. Falls sich Kirchner und Singer jemals unter vier Augen und abhörsicher treffen, könnten sie sich eingestehen: Zu einer krachenden Pleite gehören immer zwei.

Sanktionen leeren uns die Taschen

Als die deutsche Nationalelf das Tor zum WM-Sieg schoss, jubelten Adidas-Fans. Doch im Gegensatz zu den Fußball-Fans, die immernoch Weltmeister sind, schauen Adidas-Anleger in die Röhre Der Grund: Adidas' größter Wachstumsmarkt, Russland, bröckelt. Das Unternehmen kassiert seine Ziele. Die Aktie rast prompt in den Keller – um rund 16 Prozent. Die Spirale der Sanktionen, in die sich Russland und der Westen begeben haben, hat damit den ersten deutschen Anlegern die Taschen geleert.

Gloom und Doom

Marc Faber galt schon immer als Dr. Doom. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir in den nächsten zwölf Monaten einen Crash wie 1987 erleben. Und ich befürchte, es wird sogar noch schlimmer“, prophezeit er. Auf den promovierten Wirtschaftswissenschaftler zu hören, war in der Vergangenheit oft richtig. Er sagte den Crash 2009 ein Jahr zuvor voraus. Ein anderer nicht weniger bekannte Crash-Prophet ist Max Otte. Bei ihm klingt es derzeit so: „Es brennt in der Welt an vielen Stellen und ich sehe nicht, dass jemand die Feuer löscht.“ Wer diesen Schwarzsehern glauben will, mag das tun. Ich empfehle aber mein persönliches Lieblingsmotto dazu zu denken. Es heißt: „In jeder Pfütze spiegelt sich der Himmel.“

Größe ist teuer

Einen Weltmarktführer zu schmieden kostet Geld. Die Aktionäre von VW können das bestätigen, weil es zur Zeit auch ihr Geld kostet. Die Aktie schwächelt in diesem Jahr beträchtlich, was angesichts eines Halbjahresergebnisses, das um ein Drittel gesunken ist, niemanden wirklich erstaunen muss. Jetzt soll ein Sparprogramm helfen. Vielleicht lohnt ein neuer Denkansatz: Es muss nicht das Ziel sein, der größte Hersteller der Welt zu sein, sondern lieber der, der die besten Autos baut. Dann klappt der Rest von ganz allein.

Neuauflage eines Agentenkrimis

Ein russischer Ex-Agent trinkt in einem Londoner Luxushotel mit zwei ehemaligen Kollegen Tee. Wenig später fühlt der Mann sich nicht gut, drei Wochen darauf ist er tot. Ärzte entdecken, was den 43-Jährigen quälend langsam sterben ließ: Er ist mit radioaktivem Polonium 210 vergiftet worden. Das ist die Kurzfassung des Giftmords aus dem Jahr 2006 an dem Kreml-Kritiker Alexander Litwinenko. Zwischen Großbritannien und Moskau brach darauf eine diplomatische Eiszeit an: Die Briten hielten einen der beiden teetrinkenden ehemaligen KGB-Männer, Andrej Lugowoi, für den Hauptverdächtigen, aber der Kreml lieferte ihn nicht aus. Jetzt wird der Fall in einer öffentlichen Untersuchung neu aufgerollt. Die Witwe des Ermordeten hatte lange dafür gekämpft und war bis vor das höchste britische Gericht gezogen. Vergangene Woche, fünf Tage nach dem Abschuss von Flug MH17, gab die britische Innenministerin Theresa May bekannt, dass die Untersuchung tatsächlich stattfindet. Es ist eben von London bis Berlin angesagt, Russland an den Pranger zu stellen. Mit welchem Ziel?

Einen nachdenklichen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

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