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23.04.2013

18:42 Uhr

Was vom Tage bleibt

Es geht noch tiefer

VonOliver Stock

Wie Hoeneß es schafft, immer tiefer zu fallen. Wie Barroso es schafft, Schulden zu verklären. Und wie die AfD es schaffen will, mehr Spendengelder einzutreiben. Der Tagesbericht.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Hoeneß und das Gesetz der Schwerkraft

Deutschland liebt seine Helden, aber noch mehr liebt es Deutschland, seinen Helden beim Sturz zuzuschauen. So haben unsere Nachbarn, die Schweizer, heute den Fall Ulli Hoeneß kommentiert. Haben wir tatsächlich eine Neigung zur Selbstzerfleischung? Nein. Es sind die Mechanismen der PR, die hier zuschlagen. Und die gelten wie das Gesetz der Schwerkraft: weltweit und für jeden. Der erste Paragraph lautet: Wer sich in lichten Höhen befindet, kann umso tiefer fallen. Hoeneß fiel so tief, dass der Staatsanwalt schon mit dem Haftbefehl in der Hand geklingelt hatte. Regel Nummer zwei: Der eigene Aufstieg verhindert ein realistisches Bild von sich selbst. Der Eindruck, den jemand hinterlässt, besteht aus dem, was andere von einem denken. Das einzuschätzen, fällt Prominenten besonders schwer. Paragraph Nummer drei: Bereite Dich auf den Sturz vor - er kommt garantiert. Wer keinen Helm aufgesetzt hat, dem ergeht es so wie Gerhard Cromme, Josef Ackermann, Christian Wulff oder eben Uli Hoeneß - er erleidet Blessuren beim Absturz. Ulli Hoeneß weiß das. Er hat deswegen heute die Stollen angezogen und den Konter eingeleitet: Der spektakuläre Wechsel von Dortmunds Mario Götze zu Bayern München ist ein Entlastungsangriff für den gescholtenen Ulli.

Barroso und die Schulden

José Manuel Barroso spricht vielen aus der Seele - uns nicht. Er glaube zwar grundsätzlich, dass die Sparpolitik in der EU richtig sei, erklärte der EU-Kommissionspräsident. „Doch sie hat ihre Grenze erreicht.“ Erfolgreiche Politik müsse nicht nur richtig sein, sondern brauche auch "ein Minimum an politischer und sozialer Unterstützung". Die Staaten müssten ihre Defizite zwar weiter reduzieren. "Wir können aber darüber reden, wie schnell dies geschieht." Im Kern reiht sich Barroso damit in die Riege derjenigen ein, die zu hohe Schulden mit noch mehr Schulden bekämpfen wollen. Es ist ein größenwahnsinniges Projekt. Wie sagte Ludwig Erhard: Es sei ein ehernes Gesetz, "das uns verbietet, mehr zu verbrauchen als wir erzeugen." Für Barroso zumindest ist Erhard ein Unbekannter.

Die Stiftung Warentest und ihre Unabhängigkeit

Die Stiftung Warentest genießt den Ruf der Unbestechlichkeit. Was sie dafür hält, ist wirklich niet- und nagelfest. Das liegt daran, dass sie für uns Kunden und nicht wie manch andere Lordsiegelvergeber im Auftrag der Getesteten unterwegs ist. Um das so durchzuziehen, ist sie eine Stiftung mit einem Stiftungskapital, von dessen Zinsen sie lebt. Damit ist jetzt Schluss. Die Warentester haben eine Preisliste entworfen: Ihr wertvollstes Siegel kostet künftig bis zu 10.000 Euro. Unabhängigkeit sieht anders aus. Aber die Unabhängigkeit muss man sich auch leisten können. Und das ist bei einer Stiftung, die ihr Geld auch nicht mehr zu fünf Prozent anlegen kann, eben schwierig. Insofern ist nun die ehrwürdige Stiftung Warentest auch ein spätes Opfer unserer Schuldenkrise geworden.

Die AfD und das liebe Geld

Die Alternative für Deutschland, jene AfD genannte Euro-kritische Partei, die sich hoher Aufmerksamkeit erfreut, kann das Interesse an ihr bislang nicht in klingende Münze umsetzen. Es gebe noch keine Großspender, erklärt uns Parteichef Lucke. In der Politik ist es wie im richtigen Leben: Bei Geld hört die Freundschaft auf. Und zwischen Sympathisanten und Freunden ist es eben ein himmelweiter Unterschied.

Einen Abend unter Freunden wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

23.04.2013, 19:45 Uhr

Zu AfD : Immer mehr sehen ein, dass der Euro gegen die Wand fahren wird, nur die Politik sieht das noch nicht ein,bzw.
will es nicht wahr haben. Auch die Tagespresse schreib heute:
"EURO-Zone driftet auseinander !" Barroso sagt, dass des Sparens genug sei ! Wer glaubt dann, dass wir je das geliehene Geld aus Spanien / Zypern zurückbekommen.
Die AfD verdient bessere Kommentare als sie in den Medien bisher erfährt!

anacondafucker

23.04.2013, 23:26 Uhr

Hoeneß und Barroso. Fazit: Schimpansen sind intelligenter und geben sich trotz dieser Tatsache mit einer Banane zufrieden.

Doppelmoral-DE

24.04.2013, 07:37 Uhr

@dago138161

Eine besondere Schwierigkeit besteht darin, dass AfD-Anhänger nicht zwischen Euro, Euro-Zone und EU-Politik differenzieren können und dies ständig in einen Topf werfen.

Der Euro fährt auch gar nicht gegen die Wand. Sie sollten mal das Programm der AfD etwas sorgfältiger studieren und anfangen zwischen den Zeilen zu lesen. Die Herren Professoren sind da viel gewiefter, als ihr neues Stimmvieh!

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