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08.06.2012

18:17 Uhr

Was vom Tage bleibt

Es lebe der deutsche Konsument!

VonOliver Stock

Die Welt kann knirschen, der deutsche Konsument kauft. Selbst bei Schlecker schlägt er heute zu. Nur Dirk Niebel hätte seinen Kaufrausch unterdrücken müssen. Der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Wahre Helden

Wie nun? Das statistische Bundesamt teilt mit: Die Exporte brechen ein. Der Bundesbank-Chef sagt: In Deutschland bleibt die Konjunktur robust. Die Handelsblatt Online Konjunkturexperten erklären das so: Damit die deutsche Konjunktur kippt, müsste in der Euro-Krise mehr schiefgehen als bloß Griechenland. Was bislang unrund läuft, reicht nicht, um positive Effekte der Weltkonjunktur abzuwürgen. China hat mit einer Zinssenkung das Wachstum angekurbelt. In den USA wird die Notenbank nicht ausgerechnet im Wahljahr untätig bleiben. Der deutsche Arbeitsmarkt ist in einem beneidenswerten Zustand. Die Löhne steigen und stärken damit einen ganz besonders, der sich schon bisher resistent gegen die Krise gezeigt hat. Er ist der wahre Held: der deutsche Konsument.

Montis Weg

Ein halbes Jahr hat der nicht gewählte, sondern in der Krise ernannte italienische Premierminister Mario Monti fast alles richtig gemacht. Jetzt holt auch ihn das ein, was Politik heißt und viel mit Demokratie zu tun hat: die Kritik. Der Industrieverband vermisst Wachstumsinitiativen. Ökonomen zeigen sich entsetzt vom mangelnden Reformeifer. Und Monti selbst stellt fest, dass er die Unterstützung von mächtigen Stellen der Gesellschaft verloren habe. Wege entstehen dadurch, dass man sie geht. Als Deutscher drücke ich Monti die Daumen, dass er seinen Weg fortsetzt. Er hat Italien bislang vorm Schicksal Griechenlands und Spaniens bewahrt und uns damit eine Sorge genommen.

Empörung auf spanisch

Die Spanier schaffen es nicht. Offiziell warten sie, was dabei herauskommt, wenn IWF und internationaler Währungsfonds den Finanzbedarf des heimischen Finanzsystems ermitteln. Dann wollen sie entscheiden, ob sie auch unter den EU-Rettungsschirm kriechen. Inoffiziell dürften die Spanier ihre Zahlen besser kennen als der IWF. Ihre Empörung über Gerüchte, wonach sie schon dieses Wochenende unter dem Schirm Platz nehmen, kommt uns deswegen ziemlich spanisch vor.

Letzte Duftnote

Ein Backstein-Eckhaus im Düsseldorfer Stadtteil Pempelfort: Unser Reporter Sebastian Ertinger war heute da und hat den Ausverkauf bei Schlecker mit angesehen. Was er schreibt, beschreibt den Kern des Problems mit duften Worten: verwinkelt, zugestellt, eng, schäbig, abgewetzt sieht die Filiale aus. Die Konkurrenz wie DM oder Rossmann lockt mit breiten Gängen, modernen, gut ausgeleuchteten Warenflächen und Trend-Artikeln wie Bio-Cremes oder fair gehandelten Espressobohnen. Bei Schlecker dagegen gibt’s das WC-Spray, Duftnote „Italian Festival Summer“, für 2,99 Euro.

Fliegender Teppich

Unser Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel kauft während einer Feuerpause in Kabul einen Teppich. Weil der Postweg teuer ist, lässt er das gute Stück mit einer Maschine des Bundesnachrichtendienstes nach Hause fliegen und vergisst es, hier zu verzollen. Prompt hat Niebel eine Teppich-Affäre am Hals. Die Kanzlerin grummelt vernehmbar und die Opposition stellt interessante Fragen zu Teppich-Importen. Ach, hätte Niebel von Anfang an doch ernst gemacht mit seiner Aufgabe! Er war es, der als FDP-Generalsekretär forderte, das Entwicklungshilfeministerium aufzulösen. Hätte sich der Generalsekretär durchgesetzt, hätte es den Minister niemals gegeben. Und den fliegenden Teppich auch nicht.

So - und nun ab zu den Fußball-Helden. Ein EM-taugliches Wochenende wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (3)

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Europhil

08.06.2012, 19:50 Uhr

Mir kommen die Tränen: Niebel hat für seinen Teppich 1000 Euro bezahlt. Wenigstens die Afghanen glauben noch an den Euro. Danke, liebe Freunde Europas.

Europhil

08.06.2012, 19:59 Uhr

Sorry: Richtigstellung: Niebel hat 1400 Dollar gelöhnt. Offensichtlich wollten die Afghanis keine Euro mehr.

forstimmobilien

08.06.2012, 20:43 Uhr

Mein Gott: wie entblödet kan man sein, so etwas zunm thema zu machen?

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