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29.06.2012

18:00 Uhr

Was vom Tage bleibt

Europa überholt sich selbst

VonMartin Dowideit

Wenn Merkel Termine hat, wartet Europa. Doch vor Widerspruch schützt das die Kanzlerin keinesfalls. Derweil endet im Saarland eine Ära. Der Tagesrückblick.

Martin Dowideit leitet das Ressort Unternehmen & Märkte bei Handelsblatt Online.

Martin Dowideit leitet das Ressort Unternehmen & Märkte bei Handelsblatt Online.

Guten Abend,

Das war der Gipfel

Wer nach dem EU-Gipfel denkt, Kanzlerin Angela Merkel habe in Europa nichts mehr zu sagen, kann sich beruhigt zurücklehnen. Denn weil Merkel nach Berlin reisen musste, haben die Staats- und Regierungschefs wichtige Personalentscheidungen verschoben – immerhin. In der Heimat steht am Abend die Verabschiedung des Rettungsfonds ESM auf dem Programm, dem Merkel auf einem der vorherigen Gipfel zugestimmt hatte. Die neuen Beschlüsse drohten im Tagesverlauf, die Verabschiedung der alten zu torpedieren. Europa ist manchmal zu schnell für seine komplexen Strukturen und droht, sich selbst zu überholen.

Merkelwürdig

Diese Tendenz zeigt sich auch daran, dass niemand die Deutungshoheit über die Gipfelergebnisse erlangen konnte. Der italienische Premierminister Mario Monti bewertete die zwei Tage als Etappe auf dem Weg zu Euro-Bonds und sein französischer Kollege hielt seine Position – er ist ebenfalls für gemeinschaftlich begebene Euro-Anleihen – für erfolgreich vertreten. Und auch Merkel wähnte ihre Linie als durchgehalten. Doch diese Lesart ist ein wenig „merkelwürdig“. Schließlich sollen Italien und Spanien künftig Geld aus den Rettungsfonds erhalten können, ohne zu ähnlich strikten Sparprogrammen verpflichtet zu werden wie Griechenland. Das klingt nicht nach der Nein-Sagerin, als die Merkel in Europa bekannt ist.

Anleger voller Euphorie

Eine üppige Rendite konnten heute Anleger auf den Aktienmärkten verbuchen. Denn die Gipfelbeschlüsse – allen voran die vereinfachte Rettung von kriselnden Banken – lösten ein Kursfeuerwerk aus. Die Euphorie ist in der Vergangenheit nach Gipfeltreffen rasch verflogen. Das gleiche Schicksal könnten die Börsen auch diesmal erleiden.

Keine Kohle mehr

Im Saarland ist eine Ära zuende gegangen. Das letzte Mal förderten dort heute Kumpel Steinkohle. Bis zu 16 Millionen Tonnen holten die Bergleute von der Saar jährlich aus den Gruben, zu Hochzeiten arbeiteten dort 70.000 Menschen im Bergbau. Die finanzielle Förderung der Steinkohle ist aber so stark geschrumpft, dass sich der Abbau aus großen Tiefen nicht mehr lohnt. Die letzten Maschinen werden per Online-Auktion verkauft. Vielleicht muss sich die von Förderkürzungen betroffene Solarindustrie bald ein Beispiel nehmen. Ein Kundenkonto auf der Handelsplattform Apex lässt sich jedenfalls rasch anlegen.

Auf ein anderes Pferd gesetzt

BMW wechselt den Partner. Statt mit dem US-Konzern General Motors und dessen Partner, der Peugeot/Citroën-Mutter PSA, entwickeln die Bayern künftig moderne Antriebe gemeinsam mit Toyota. Ein Sportwagen soll aus der Kooperation entstehen, aber mit wirklich konkreten Aussagen hielten sich die beiden Konzerne zurück. Zumindest muss man nicht bereits beim Start an einen Flop der Kooperation glauben. Renault und Nissan zeigen, dass eine europäisch-asiatische Allianz funktionieren kann.

Ein schönes Wochenende wünscht,

Martin Dowideit

Der Autor auf Twitter: @MDowideit

Kommentare (2)

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Ben-Wa

29.06.2012, 18:51 Uhr

Genau: Europa überholt, ohne einzuholen.
Ulbricht hat auch schon so abgrundtief dämlich schwadroniert.
Es lebe die EUSSR.
Und: Niemand hat die Absicht, die Demokratie abzuschaffen.

Account gelöscht!

29.06.2012, 21:36 Uhr

@Martin Dowideit
Ihre Kritik an Merkel kann ich nicht nachvollziehen.
"Eingeknickt, verzockt, nationale Interessen preisgegeben: Wenn sich jemand diese Vorwürfe nach seiner Heimkehr vom EU-Gipfel zurecht gefallen lassen muss, dann ist es der französische Präsident, nicht die deutsche Kanzlerin"

Lesen mal diesen Link:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/kommentar-zu-merkels-rolle-auf-dem-eu-gipfel-a-841672.html

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