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07.10.2013

18:41 Uhr

Was vom Tage bleibt

Europas Verräter

VonOliver Stock

Die Flüchtlingskatastrophe beschämt Europas Grenzwächter. Der Nobelpreis geht haarscharf nicht nach Göttingen. Postenpoker um Schäubles Amt. Die Kirche macht ernst. Der Tagesbericht.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Massengrab im Mittelmeer

Unser Lieblingsbademeer ist ein Massengrab. Das ist die Wahrheit, die wir nach der neuesten Katastrophe vor Lampedusa im Mittelmeer tieftraurig erkennen müssen. Was tun wir? „Europa setzt die Flüchtlingspolitik ganz oben auf die Agenda“, sagen die EU-Innenminister und beraten heute über Konsequenzen. Das beschämt. Wo Rettungsringe gebraucht werden, kommt der Flüchtlingsstrom auf die Agenda. Wer von Menschen wie von einem Strom spricht, der über uns hereinbricht, verrät Europa, indem er es zu schützen vorgibt.

Was macht Herr Südhof in den USA?

Am besten müsste hier stehen: Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr nach Göttingen, nämlich an den Göttinger Forscher Thomas C. Südhof sowie seine amerikanischen Kollegen James Rothman und Randy Schekman. Die Wissenschaftler werden für ihre Erforschung des sogenannten Vesikeltransports ausgezeichnet, ein wichtiges Transportsystem der Zellen im menschlichen Körper. Südhof erforschte vor allem die Kommunikation der Nervenzellen im Gehirn. Seine Arbeit führte zu der Erkenntnis, welche Signale dafür verantwortlich sind, dass Informationen im Körper ihr Ziel erreichen. Das Transportsystem im Menschen gleicht dem Nahverkehr einer Stadt: Sie müssen den richtigen Bus nehmen, um zur Arbeit zu kommen. Ganz so steht es hier aber nicht. Der Nobelpreis geht nämlich nicht nach Göttingen. Nach seiner Nationalität gefragt, weiß Südhof selbst nicht recht die Antwort. Der Göttinger Wissenschaftler ist längst in die USA gezogen und forscht dort. Warum eigentlich?

Postenpoker

Wie ist das mit dem Fell des Bären? Die Chefs des konservativen Seeheimer Kreises der SPD, Johannes Kahrs und Carsten Schneider, machen für ihre Partei schon einmal zur absoluten Bedingung in den Koalitionsverhandlungen, dass das Finanzressort am Ende den Sozialdemokraten zugeschlagen werden muss. Bisher wussten wir: Am Ende geht es immer um Posten. Jetzt wissen wir: am Anfang auch.

Eine Liebesgeschichte

Die Diözese Freiburg hat eine Art Gebrauchsanweisung für ihre Seelsorger veröffentlicht. Darin wird die Situation von Katholiken angesprochen, die geschieden sind und wieder geheiratet haben. Ihnen soll künftig nicht mehr grundsätzlich der Zugang zu kirchlichen Ämtern wie dem Pfarrgemeinderat sowie zu den Sakramenten verwehrt werden. Bislang galt eine Wiederheirat nach katholischer Lehre als Sünde. „Wir wollen beim Scheitern von Ehen offen sein für die Betroffenen, wir wollen ihnen zuhören und begegnen“, sagt der Leiter des Seelsorgeamtes in Freiburg, Domdekan Andreas Möhrle. Der Dekan ist damit der erste deutsche Kirchenmann, der öffentlich macht, dass er den neuen Papst in Rom versteht. Dessen Botschaft lautet: Die Kirche ist eine Liebesgeschichte. Macht was draus!

Machen Sie was aus Ihrem Abend, das wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (16)

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KlausKleinfeld

07.10.2013, 19:13 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Nachwuchs

07.10.2013, 19:22 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Galgenstein

07.10.2013, 19:42 Uhr

Mit dieser Einstellung dürften Sie kaum Punkte für das Jenseits sammeln. Im übrigen ist es sicherlich nicht Ihr Verdienst, dass Sie in der EU aufwachsen durften.
Natürlich ist es ein Dilemma, in dem wir stecken. Aber Schotten zu und dicht, kann ja wohl kaum eine Antwort sein

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