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10.01.2013

18:59 Uhr

Was vom Tage bleibt

Euroretter im kommunistischen Schwarzgeldparadies

VonFlorian Kolf

Das Ringen um Zypern illustriert den Wahnsinn der EU, die EZB kann nichts mehr tun, Google beschädigt seinen Ruf und falsche Fuffziger sind nicht mehr gefragt. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Nichts illustriert die Absurditäten der Euro-Rettung besser als der Streit um die Hilfen für Zypern. Die EU hat sich ein Mitglied angelacht, dessen Geschäftsmodell sich darauf stützt, Schwarzgeld von reichen Russen zu waschen. Sollte die EU einspringen, dürfte ein großer Teil der europäischen Unterstützung für das hochverschuldete Land direkt in den Taschen dubioser russischer Geschäftsleute landen. Und wer hat diesen Wahnsinn angerichtet? Eine kommunistische Regierung in Nikosia. Und wo wurde der Beitrittsvertrag zwischen der EU und Zypern unterzeichnet? In Athen. Noch Fragen?

Hilflose Helfer

Ähnlich hilflos wie die EU ist zurzeit auch die EZB. Mit ihrem niedrigen Zinssatz von 0,75 Prozent und dem Versprechen, alles zu tun um den Euro zu retten, hat sie ihr Pulver verschossen – und muss warten, ob es hilft. Heute hat der EZB-Rat mal wieder beschlossen, nichts zu tun. Selbst die unkonventionellen Maßnahmen können kaum mehr gesteigert werden – nimmt die EZB doch schon Kreditpapiere an, die mit Transferrechten von Fußballern besichert sind. Noch Fragen?

Nähe zum Diktator

Das war ein peinlicher Auftritt. Viele werden sich gefragt haben, was Google-Manager Eric Schmidt in Nordkorea will, einem Land, das vom World-Wide-Web weitgehend abgeschlossen ist und dessen Bevölkerung Suchmaschinen so dringend braucht wie einen Kropf. Nach seiner Rückkehr wissen wir es: Er hat dem Diktator Kim Jong-Un zu einem Propagandaerfolg verholfen und seinen eigenen Ruf beschädigt. Denn die Nähe zu totalitären Regimen bekommt einem Unternehmen, das immer betont, dass es für die Freiheit kämpft, gar nicht gut.

Sichere Fünfer

Der falsche Fuffziger hat nicht mehr Konjunktur, Fälscher setzen zunehmend auf den 20-Euro-Schein. Das erklärt, warum zwar die Zahl der gefälschten Euronoten im vergangenen Jahr deutlich gestiegen ist, die Gesamtschadenssumme aber auf dem fast niedrigsten Niveau seit Einführung des Euro liegt. Die EZB will das weiter senken, und stellte heute noch fälschungssichere Scheine vor. Warum sie dabei aber ausgerechnet mit dem bei Fälschern völlig unbeliebten Fünf-Euro-Schein anfängt, bleibt ihr Geheimnis.

Was fehlt? Der argentinische Staat feiert einen denkwürdigen Sieg: Ein Hedge-Fonds hatte ein Segelschulschiff beschlagnahmen lassen, weil er den Schuldenschnitt von 2001 nicht akzeptieren wollte, ein Richter hat es nun wieder freigegeben. Wäre auch noch schöner, wenn Hedge-Fonds einfach so zu Freibeutern werden dürften.

Ich wünsche Ihnen einen spannenden Feierabend.

Florian Kolf

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Kommentare (3)

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Staatsverbrechen

10.01.2013, 19:55 Uhr

Wenn es nicht so traurig wäre und unser aller Geld kosten würde, wäre es eine echte Lachnummer. Welcher Satiriker wäre jemals auf die Idee gekommen, dass eine der größten Notenbanken der Welt Transferrechte von Fußballspielern beleiht? Die Wirklichkeit holt jemanden wie einen Dieter Hildebrand hier erbarmungslos ein. Deswegen gibt es vermutlich keine gute Politsatire mehr: Keiner könnte mehr lachen, weil alle glauben würden, es handele sicht nicht um eine Satiresendung, sondern um die neuesten Nachrichten vom Tage.

Frage an das Handelsblatt: Aus welcher Quelle kommt das mit den Transferrechten eigentlich?

Florian_Kolf

11.01.2013, 09:29 Uhr

Aufgedeckt hat das die spanische Tageszeitung "El Pais". Es handelt sich um Kredite mit denen Real Madrid unter anderem den Transfer des Fußballers Christiano Ronaldo finanziert hat und die die spanische Bank Bankia bei der EZB eingereicht hat. In der Tat spottet heute die Wirklichkeit jeder Satire. Viele Grüße, Florian Kolf

Account gelöscht!

13.01.2013, 16:40 Uhr

Neues aus Absurdistn (EUdSSR)
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"Nichts illustriert die Absurditäten der Euro-Rettung besser als der Streit um die Hilfen für Zypern. Die EU hat sich ein Mitglied angelacht, dessen Geschäftsmodell sich darauf stützt, Schwarzgeld von reichen Russen zu waschen."
Das ist doch normal für unsere unfähigen Eurokraten.
In ihrem Erweiterungswahn kennen sie kene Grenzen.

"Und wer hat diesen Wahnsinn angerichtet? Eine kommunistische Regierung in Nikosia. Und wo wurde der Beitrittsvertrag zwischen der EU und Zypern unterzeichnet? In Athen. Noch Fragen?"
Ich frage mich - NICHTS!

"Selbst die unkonventionellen Maßnahmen können kaum mehr gesteigert werden – nimmt die EZB doch schon Kreditpapiere an, die mit Transferrechten von Fußballern besichert sind. Noch Fragen?"
Dazu fällt einem nichts mehr ein! Demnächst nimmt die EZB auch bedrucktes Toilettenpapier als Sicherheit an.

"Fälscher setzen zunehmend auf den 20-Euro-Schein. (...)
Die EZB will das weiter senken, und stellte heute noch fälschungssichere Scheine vor. Warum sie dabei aber ausgerechnet mit dem bei Fälschern völlig unbeliebten Fünf-Euro-Schein anfängt, bleibt ihr Geheimnis."
Die EZB wil eben den Fälschern nicht ihr "Geschäftsmodell" verderben.
manus manum lavat!

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