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24.02.2012

17:42 Uhr

Was vom Tage bleibt

Extrawurst für Kleinanleger

VonOliver Stock

Die Privatanleger wollen vom griechischen Schuldenschnitt verschont bleiben. Der Ölpreis springt an die Decke, und die Gewinne deutscher Konzerne auch. Die Themen des Tages.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Nehmt Anleger ernst, aber richtig

Die großen saßen am Verhandlungstisch, und für sie ist klar, dass sie mehr als die Hälfte des Werts ihrer Griechenlandengagements abschreiben können. Athen hat heute die Details zum Schuldenschnitt vorgestellt. Was aber passiert mit den Kleinen, den Privatanlegern? Müssen Sie mitmachen bei dem, was über ihre Köpfe hinweg entschieden wurde? Die deutschen Anlegerschützer sagen "Nein" und fordern Ausnahmen für die Betroffenen. Ich sage: Verkehrt. Wer als Anleger ernst genommen werden will, muss auch für Verluste gerade stehen. Die Gewinnversprechen waren schließlich meistens vorher nicht zu knapp. Und wer sich davon abhalten lässt, rechtzeitig auszusteigen, nimmt das Risiko eines Verlusts bewusst in Kauf. Die griechischen Kleinanleger haben es übrigens geschickter gemacht: Sie horten nach Erkenntnissen des Finanzministeriums in Athen Milliarden unter ihren Matratzen. Damit haben sie zwar auf Zinsgewinne verzichtet, aber dafür immerhin die Sicherheit eingetauscht, nicht plötzlich mit einer wertlosen Drachme zwangsbeglückt zu werden. Offenbar schläft es sich in diesem Bewusstsein besser als wenn das Geld auf der Bank liegt.

Das liebe Öl

Der Ölpreis hatte heute Morgen sein Allzeithoch in Euro erreicht. Das liegt am steigenden Verbrauch in den USA, wo die Konjunktur wieder anzieht. Es liegt an politischen Querelen mit dem Iran, dessen Öl die westliche Welt boykottieren will, solange der Iran nicht seine Finger vom Bau einer Atombombe lässt. Es liegt aber auch an jenen Händlern, denen heftige Ausschläge beim Ölpreis immer willkommen sind, weil sich dann der Handel kräftig lohnt. Mit dem Öl ist es wie mit dem Geld: Wir haben leider bisher nicht wirklich einen Weg gefunden, ohne auszukommen.

Glänzende Vergangenheit

Von den Unternehmen gab es heute durchaus erfreuliches zu berichten. Jedenfalls von den deutschen. Bei VW war ein Rekordgewinn von 16 Milliarden Euro schon vorher durchgesickert, weswegen VW seine Bilanz heute schon präsentierte. Ergebnis: Es läuft Klasse. Allerdings im jüngsten Quartal ein ganz bisschen weniger klasse mit dem Autoverkauf. Die Anleger schickten die Aktie deswegen auf Talfahrt. Bei BASF, die ebenfalls Bilanztag hatten, kamen am Ende ein paar Milliarden weniger bei heraus, aber auch da lief es nicht schlecht. Unterm Strich ist das allerdings Vergangenheitsbewältigung. In diesem Jahr dürfte es schwerer werden: China, wo sowohl der Autobauer wie der Chemieriese unterwegs sind, wächst gemächlicher. Die Eurozone stagniert und die Amerikaner allein werden das mit ihren bescheidenen Wachstumsraten nicht ausgleichen können.

Erkennen Sie die Melodie?

Zum Schluss noch etwas musikalisches. Der zurückgetretene Bundespräsident Wulff wird, wie es Brauch ist, mit einem großen Zapfenstreich verabschiedet. Die Melodie darf er sich wünschen. Irgendwelche Vorschläge? „Money for nothing, tax for free“ wäre nicht gerecht. „My way“ wäre aber auch wieder zu optimistisch. Egal. Hauptsache es wird nicht „Niemals geht man so ganz“.

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Oliver Stock

Kommentare (11)

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economy

24.02.2012, 18:46 Uhr

Leider zu viel inhaltsloses Geplapper.

Account gelöscht!

24.02.2012, 18:55 Uhr

Zu "Nehmt Anleger ernst, aber richtig": Hier die Moralkeule zu schwingen ist schon recht dreist. Es geht doch nur um den Finanzmarkt. Natürlich kann da jeder auf den höchstmöglichen Gewinn pochen, die Frage ist nur, welches Druckmittel zur Verfügung steht.

Und das (indirekte) Druckmittel der Kleinanleger ist gar nicht so übel, denn die Frage ist eher, ob die Eurozone ernst genommen werden will. Das kann man daran erkennen, dass die Zwangsumschuldung nach der Staatspleite zurecht als das zweitgrößte mögliche Übel gesehen wird.

anonym

24.02.2012, 18:59 Uhr

Guten Tag Herr Storck,
Ihren Kommentar finde ich "zu kurz gesprungen". Persönlich habe ich einiges an Anleihen der Griechischen Republik nach einer Analyse aller mir verfügbaren Daten erworben, die Werbeaktion im Handelsblatt (Eichel und Co.) gehörte nicht dazu. In 2011 waren die bewilligten Mittel und die Laufzeit des ersten Rettungspaketes bekannt, weiters sagte Mr. Schäuble auf Gerüchte bzgl. einer "Pleite" Griechenlands, dass diese bis 2013 nicht möglich sei. Von diesen Mitteln sind aktuell noch 35 Mrd übrig, was für die komplette Tilgung der von mir erworbenen Kurzläufer völlig ausreichen würde.
Allerdings hat die Eurogruppe die Spielregeln einseitig geändert, indem sie die Un-gleichbehandlung von Schuldnern einseitig bestimmt bzw. bestimmen will und Verträge (CAC-Bedingungen) rückwirkend ändern will. Dass die Entscheidungsträger selbst Bedenken haben, lässt sich am Lavieren mit "freiwillig" erkennen: ein Bruch aller bisherigen Regeln. Ich hätte keine Bedenken, mich einem Schuldenschnitt unter der Beteiligung aller Schuldner nach einem Kassensturz in Griechenland zu unterwerfen. Dieser offene Umgang mit der Krise ist aber nicht gewünscht. Es sollen sogar Überprüfungen dieser Aktionen über unabhängige Gerichte unterbunden werden, indem man sich auf einen "Staatsnotstand" beruft. Anders als Banken können sich Kleinanlegern auch nicht gegen einen Zahlungsausfall versichern und haben immer einen Wissensnachteil, da sie nur nach den Informationen aus Zeitungen (Handelsblatt erstmal nicht mehr) handeln.
Diese Fakten sprechen zusätzlich für eine Schonung der Kleinanleger, zumal die Verluste ja auch nicht einfach so von der Steuer abgeschrieben werden können wie bei den Banken.

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