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24.02.2014

18:51 Uhr

Was vom Tage bleibt

Fingerspitzengefühl für die Balance

VonStefan Menzel

Soros warnt Deutschland vor zu viel Großmannssucht, Nokia kann mit Google. Die SPD will Sebastian Edathy ausschließen, die VW-Aktie verliert kräftig und die Barmer-Kasse muss sparen. Der Tagesrückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Warnung vom Großmeister

Seine Worte zählen und haben großes Gewicht. Wenn sich George Soros Sorgen um die wirtschaftliche Balance in Europa macht, dann trifft er den Nagel auf den Kopf. Allen voran trägt Deutschland große Verantwortung dafür, dass das „Haus Europa“ nicht aus den Fugen gerät, das ist die Verantwortung des Starken. Dazu gehören auch Fingerspitzengefühl und diplomatisches Geschick. Allein mit der ökonomischen Brechstange lässt sich Stabilität in Europa nicht erreichen. Und im Zweifel müssen wir zur Hilfe bereit sein – wie jetzt mit ziemlich großer Sicherheit schon bald in der Ukraine.

Das große Bündnis

Es klingt wie ein Widerspruch sondergleichen: Nokia tut sich mit dem Erzrivalen Google zusammen und bringt sein erstes Android-Handy auf den Markt. Handy-Software, die bislang eigentlich asiatischen Herstellern wie Samsung und HTC vorbehalten war. Sogar die neue Nokia-Mutter Microsoft lässt die Finnen gewähren und gibt grünes Licht für das Handy-Bündnis. Hinter dieser Entscheidung steckt allein ökonomische Vernunft. Auch die großen Spieler auf dem Handy-Markt wissen, dass es ohne Bündnisse nicht mehr geht. Nokia will insbesondere auf dem Markt für Billiggeräte wachsen. Und in diesem Fall gibt es zur Android-Software einfach keine Alternative.

Ohne Basis

Die SPD hat genug von ihrem Mitglied Sebastian Edathy. Deshalb haben die Sozialdemokraten ein Parteiausschlussverfahren gegen ihren früheren Spitzenmann eingeleitet. Völlig zu Recht. Edathy hat vielleicht Glück und kommt ohne Strafverfahren davon. Aber ziemlich unbestritten ist die Tatsache, dass er bei einem kanadischen Internet-Anbieter zweifelhafte Fotos von Kindern geordert hat. Wer nur einigermaßen vernünftige moralische Maßstäbe hat, der kann mit einem Mann wie Edathy nicht mehr zusammenarbeiten. Und deshalb geht die SPD einen völlig richtigen Weg, wenn sie Edathy jetzt am liebsten außerhalb der eigenen Reihen sieht.

Verlorener Glaube

Es ist schon etwas Besonderes, wenn ein Dax-Wert an einem an sich recht guten Börsentag kräftig verliert. Deutschlands wichtigster Börsenindex hat am Montag zugelegt, genauso wie die meisten ausländischen Indizes auch. In Frankfurt ist nur der VW-Wert kräftig ausgeschert, das Minus von fast sieben Prozent sagt eigentlich schon alles. Die Sorge geht um, dass sich VW damit verhebt, auch zu einem ganz großen Spieler im Lkw-Geschäft aufzusteigen. VW hat zuletzt mit seinen strategischen Ansätzen nicht immer richtig gelegen, wie etwa die Misserfolge in Nordamerika zeigen. Der Volkswagen-Konzern muss erst wieder beweisen, dass er seine Pläne wirklich erfolgreich umsetzen kann. Dann kommt auch der Glaube bei den Anlegern zurück.

Endlich Wettbewerb

Gesetzliche Krankenkassen in Deutschland erwecken auch heute noch häufig genug den Anschein, als seien sie so etwas wie eine staatliche Institution. Aber zum Glück ändern sich die Zeiten langsam. Wettbewerb unter den Kassen hat Einzug gehalten, es gibt keinen komplett einheitlichen Leistungskatalog mehr. Folglich setzt dann auch ein Prozess ein, der Gute und Schlechte voneinander trennt. Wenn die Barmer GEK jetzt 3500 Arbeitsplätze streichen will, dann ist das eine Reaktion auf eine schwächere wirtschaftliche Entwicklung. Die Kassen sind damit auf dem besten Weg, zu normalen Unternehmen zu werden. Davon werden wir alle profitieren.

Einen angenehmen Abend wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

24.02.2014, 20:36 Uhr

"Wenn sich George Soros Sorgen um die wirtschaftliche Balance in Europa macht,"... dann sorgt er sich einzigst um den stolpernden Verlauf von seinen eigenen wie auch gleichgearteten Partner Pläne. Der Mann ist ein ZOCKER, ein MANIPULATOR. Wenn er spricht, dann nur mit Funktion - die in seiner Historie bisher aber nicht auffällig Gemeinwohl verfolgt hätte.

"...der kann mit einem Mann wie Edathy nicht mehr zusammenarbeiten." Oh, was sind wir heute aber auch wieder für besonders Gute, erhabene Menschen...

Die Bibel meint hierzu "Es werfe der den ersten Stein, der selber frei von Verfehlung ist" - und den will ich sehen, der dass von sich behaupten will...

Wettbewerb

26.02.2014, 14:59 Uhr

"Gesetzliche Krankenkassen in Deutschland erwecken auch heute noch häufig genug den Anschein, als seien sie so etwas wie eine staatliche Institution. Aber zum Glück ändern sich die Zeiten langsam. Wettbewerb unter den Kassen hat Einzug gehalten, es gibt keinen komplett einheitlichen Leistungskatalog mehr."

Anders sieht es bei den privaten Krankenkassen aus:
Jede bietet einen begrenzten Umfang von Tarifen an, wechseln kann man nicht ohne weiteres zu einer anderen PKV wegen Verlust der Rückstellungen. Das nenne ich mal einen Wettbewerb.

Welches System ist denn nun das bessere!!!!
Das PKV System ohne Wettbewerb, mit einem einheitlichen "Gebührenkatalog" zu 2,3 fachen Gebührensätzen für Kassenleistungen.

Sollte man nicht langsam von GKV und PKV abkommen, und alle über einen Kamm scheren. Da würde sich die Spreu vom Weizen trennen.

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