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22.08.2012

18:06 Uhr

Was vom Tage bleibt

Gebt Athen etwas Luft zum Atmen

VonFlorian Kolf

Griechenlands Regierungschef zeigt unerwartete Einsicht, deutsche und Schweizer Politiker fördern die Steuerhinterziehung und ein nackter Prinz Harry zeigt seine Kronjuwelen. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Not fördert die Einsicht

So vernünftige Worte hätte man dem Hitzkopf und Scharfmacher Antonis Samaras gar nicht zugetraut, aber wahrscheinlich fördert die Not die Einsicht. "Wir fordern kein zusätzliches Geld. Wir stehen zu unseren Verpflichtungen und zur Erfüllung aller Vorgaben. Alles was wir brauchen, ist etwas Luft zum Atmen", sagte der griechische Regierungschef der Bild-Zeitung. Klar will er Schönwetter machen vor seiner Betteltour durch Europa. Aber Angela Merkel und ihre Amtskollegen aus den anderen Geberländern sollten ihn beim Wort nehmen - und ihm im Gegenzug etwas mehr Zeit geben. Davon dürften letztlich alle profitieren.

Beihilfe zur Steuerhinterziehung

Seit der damalige Finanzminister Peer Steinbrück die Schweiz mit Indianern verglichen hat, denen man mit der Kavallerie drohen müsse, ist der deutsch-schweizerische Steuerstreit begleitet von starken Worten. Nun hat ausgerechnet die sonst eher zurückhaltende schweizerische Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf noch einen draufgesetzt. Sie verglich den Kauf von CDs mit gestohlenen Bankdaten jetzt mit „organisierter Kriminalität“. Bei allem Verständnis für die Schweizer Befindlichkeiten: Kriminell sind da wohl eher die Steuerhinterzieher und zuweilen auch die Methoden der Banken, die ihnen helfen. Und keiner stoppt sie effektiv, wenn Politiker beider Länder sich lieber beschimpfen als sich endlich auf ein vernünftiges Steuerabkommen zu einigen.

Verschwenderischer Größenwahn

Das ist der Fluch der billigen Tickets: Dem Kleinflughafen Hahn im Hunsrück geht langsam das Geld aus. Verdient hat er ohnehin noch nie welches. Ein Wunder ist das nicht. Wurden doch mit staatlichen Subventionen Billigflieger angelockt, die dann auf Kosten des Steuerzahlers Millionen verdient haben. Und die naiven Provinzpolitiker wundern sich. Dabei hat der verschwenderische Größenwahn in Rheinland-Pfalz doch System, wie auch das Desaster am Nürburgring zeigt. Dass Landesvater Kurt Beck trotzdem noch beim Volk beliebt ist, kann man nur noch mit Kopfschütteln quittieren.

Auf der Suche nach der Zukunft

Es ist ein schöner Prestige-Erfolg: Mit dem Volkswagen Eco Up steht erstmals ein Erdgasauto und nach neun Jahren wieder ein deutsches Modell an der Spitze der Umweltliste des Verkehrsclubs Deutschland. Doch die neun Plätze dahinter teilen sich japanische Autos von Toyota, Nissan und Honda, die alle auf die zukunftsträchtigere Elektro- und Hybridtechnik setzen. Das unterstreicht nur erneut, dass die deutsche Autoindustrie den Anschluss an die Zukunft der Mobilität immer noch nicht gefunden hat.

Was fehlt? Wäre Prinz Harry ein normaler B-Promi, hätte er alles richtig gemacht. Nachdem es in letzter Zeit still um ihn geworden war, machte er jetzt mit Nacktfotos wieder Schlagzeilen. Doch da er die Nummer drei in der britischen Thronfolge ist, wird die Queen "not amused" sein. Ob sie noch fürchten muss, dass er demnächst seine "Kronjuwelen" auch im Dschungelcamp zeigt?

Ich wünsche Ihnen einen ganz entspannten Feierabend,

Florian Kolf

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Anm. d. Redaktion: Ein Tippfehler im Namen von Herrn Samaras haben wir nachträglich korrigiert. Danke für die Hinweise an unsere Leser!

Kommentare (12)

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Edelzwicker

22.08.2012, 18:26 Uhr

Aber Angela Merkel und ihre Amtskollegen aus den anderen Geberländern sollten ihn beim Wort nehmen - und ihm im Gegenzug etwas mehr Zeit geben. Davon dürften letztlich alle profitieren.
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Ich klicke heute Ihre Kollumne zum ersten Mal an, und stelle fest, es lohnt nicht - es war das erste und das letzte Mal.
[...]! +++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

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Bengel01

22.08.2012, 18:34 Uhr

Lieber Herr Kolf, ist das nun ein ironischer Kommentar oder wollen Sie den Worten eines griechischen Regierungschefs tatsächlich Glauben schenken? Dann berichten Sie demnächst sicher auch vom Weihnachtsmann oder dem Osterhasen... Ernst nehmen kann ich Ihren Kommentar zu Greichenland beim besten Willen nicht...

jstm

22.08.2012, 18:54 Uhr

Herr Korf, der griechische Ministerpräsident heißt Samaras und hat mit dem 2010 verstorbenen ehemaligen IOC-Präsidenten Samaranch nichts zu tun. Soviel bezüglich Sorgfalt.

Wie Sie selbst wissen, hat Griechenland ein Primädefizit und bekommt kein Geld für annehmbare Zinsen auf den Kapitalmärkten. Deswegen ist es glatter Hohn, "mehr Zeit" zu fordern und gleichzeitig zu behaupten "Wir fordern kein zusätzliches Geld". Selbstverständlich kostet jedes "mehr Zeit geben" die europäischen Steuerzahler Geld. Für dieses Geld soll Samaras "beim Wort genommen werden". Wie naiv kann ein Mensch eigentlich sein, Herr Korf? Kommt Ihnen das "beim Wort nehmen" nicht von Papandreou bekannt vor? Wie oft möchten Sie sich noch veräppeln lassen?

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