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30.07.2012

18:34 Uhr

Was vom Tage bleibt

Geithner und die dicke Bertha

VonOliver Stock

Auch ein urlaubender Finanzminister bleibt Finanzminister und empfängt Besucher auf Sylt. Die HSBC verschmerzt ein paar Skandale locker. Und einer der dienstältesten CEO's tritt ab. Der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Prominenter Syltbesucher

Für jeden fliegt der US-Finanzminister nicht nach Sylt, und fährt dann bis ins Fährhaus Munkmarsch. Für seinen dort urlaubenden Amtskollegen Wolfgang Schäuble allerdings machte sich Timothy Geithner heute auf den Weg. Nach ihrer gemeinsam verbrachten Urlaubsstunde äußerten sich die Herren optimistisch, was die Zukunft des Euro angeht. Das kann bei dem Gespräch aber nicht alles gewesen sein. Wahrscheinlich ist es wie im richtigen Leben: Das eigentlich Wichtige liegt nicht in dem, was wir sagen, sondern wie wir es sagen und was wir tun. Dass Geithner nach Sylt gekommen ist, zeugt davon, dass die USA Druck auf Deutschland machen. Wir sollen endlich den Weg für die "dicke Bertha" freimachen. Anleihen, Rettungsschirm, IWF - das ganze Arsenal. Es gibt Tage, da schätzen wir uns glücklicher als an anderen, dass Wolfgang Schäuble ein sturer Mann sein kann.

Leesons Lehren

Er war nicht der erste, und es hätte jeden überrascht, wenn er der letzte gewesen wäre: Nick Leeson wurde vor 17 Jahren verhaftet, nachdem er als Händler der britischen Barings Bank seinen Arbeitgeber in den Ruin getrieben hatte. Der ehemalige Zocker ist inzwischen Fußballvereinspräsident, schreibt Bücher und gibt Interviews für das Handelsblatt. Das ist im Umfeld von Libor-Skandal und Finanzkrise interessant. Eine seiner Erkenntnisse lautet: "Die Spitzen der Aufseher sind auf dem gleichen Niveau wie die schlechtesten Händler. Wenn gesagt wird, die Regulierung sei noch nie so gut gewesen wie heute, mag das stimmen. Angesichts der Innovationen an den Finanzmärkten hinken die Aufsichten trotzdem meilenweit hinterher."

Die HSBC und der Fortschritt

Wie weit sie hinterherhinkt, zeigt die britische Großbank HSBC. Sie muss wegen eines Geldwäsche-Skandals und der Fehlberatung von Kunden in der ersten Jahreshälfte zwei Milliarden US-Dollar zur Seite legen. Das tut weh, aber nicht so sehr: Die Rückstellung ließ den Überschuss auf 8,4 Milliarden US-Dollar sinken. Vor rund zwei Wochen hatte das Institut sein Fehlverhalten eingestanden. Ein Untersuchungsbericht des US-Senats hatte zuvor offengelegt, dass die Bank über Jahre Milliarden aus Ländern wie Mexiko, Iran und Saudi-Arabien in die USA geschmuggelt. Die Bankmanager wollten fortan Führungskräfte nicht mehr nur danach bewerten, was sie erreicht haben, sondern auch wie sie es erreichen. Was für ein Fortschritt!

Eingeschränktes Geschäftsmodell

Die Euro-Krise beschert Billigflieger Ryanair sinkende Gewinne. Im Winter will die Firma nun Winter ein knappes Drittel ihrer Flugzeugflotte am Boden lassen. "Je mehr man fliegt, desto mehr verliert man", rechnet der Finanzchef vor. Wenn jedes Unternehmen, das in mal in die Miesen rutscht, die Produktion einstellt und sein Geld lieber aufs Sparbuch überweist, gibt es zwar weniger Pleiten, aber auch keine Arbeit mehr.

Frenzel Adè

Vor 19 Jahren hat ein hoffnungsvoller Tui-Chef Michael Frenzel abends in einem Gespräch beim Bier einmal erzählt: "Reisen wollen die Leute immer." In den zwei Dekaden danach hat er erfahren, dass sie es vielleicht wollen, aber nicht immer können. Und selbst wenn sie können, lässt sich daran nicht immer viel verdienen. Jetzt hört Frenzel auf. Im Februar 2013 wird ihn der frühere Vodafone-Manager Friedrich Joussen ablösen.

Bleiben Sie uns erhalten, wünscht sich

Oliver Stock

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

30.07.2012, 19:31 Uhr

Letztes Mal als Geizthner in Europa war hat er Italien, Spanien und Frankreich gegen Frau Merkel in Stellung gebracht. Das Ergebnis haben wir auf dem letzten EU-Gipfel gesehen.

Die USA möchten daß die EU sich auch an die Geld-Druckerpresse setzt. Der einzige Weg für die USA die Staatsschulden zu senken und den Dollar stabil zu halten.

Aber die USA könnten ja auch den Weg der Konsolidierung gehen, wie wir ihn in Europa beschreiten wollen. Auch wenn es hart ist, mittelfristig bleibt der Wohlstand damit erhalten.

So hoffe ich, daß Herr Schäuble ganz friesisch Stur bleibt.

Account gelöscht!

30.07.2012, 21:32 Uhr

"So hoffe ich, daß Herr Schäuble ganz friesisch Stur bleibt."

Er wird öffentlich sagen, dass da überhaupt nichts geht.
Wie immer.

Und dann passiert alternativlos alles was Goldmann Sachs rät.
Wie immer.

Account gelöscht!

30.07.2012, 21:35 Uhr

Ich glaube noch nicht an die Sturheit von Schäuble. Er hat die neue Marschrichtung erhalten und wird in genau diese Richtung los rollen, koste es, was es wolle.

Grmpf... ein eng begrenzter Tsunami auf Sylt hätte Abhilfe schaffen können.

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