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16.04.2013

19:43 Uhr

Was vom Tage bleibt

Geldanlagetipps vom Finanzminister

VonOliver Stock

Rheinland-Pfalz kauft sich eine CD mit Daten möglicher Steuersünder. Boston ist erschüttert. Frankreich wartet auf sein „Allons enfants!“. Bsirske geht zur Deutschen Bank. Der Tagesbericht.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Anlagetipps - Fehlanzeige

Mit dem SPD-geführten Rheinland-Pfalz hat wieder ein Bundesland eine Steuerdaten-CD angekauft. Der Landes-Finanzminister strahlt und berichtet, es handle sich um 40.000 Datensätze, die für vier Millionen Euro erworben worden seien. Wie immer rechnen die Behörden mit Einnahmen von einer halben Milliarde Euro aufgrund der neuen Datensammlung. Ein gutes Geschäft. Ein besserer Deal wäre es allerdings, wenn wir ein gutes Gefühl bei der Geldanlage hierzulande hätten. Tipps, wohin mit dem Geld, sind gefragt wie nie. Auch Finanzminister könnten Fingerzeige geben, wenn sie nicht so mit einer Politik beschäftigt wären, die jede hergebrachte Form der Geldanlage zu einem schlechten Geschäft für Anleger macht.

Die Kraft der Bürgerreporter

Sie konnte den Start beim Boston-Marathon gar nicht abwarten. Als die Leichtathletin Sabrina Mockenhaupt dann endlich ins Ziel kam, postete sie ihre Freude über den zehnten Platz. Ein Traum war in Erfüllung gegangen. Doch dann kam der Schock. Und die Erkenntnis über das, was da in Boston passierte. Mockenhaupt bat per Twitter um Gebete für die Toten und Verletzten. Ein anderes Beispiel: Eine Helferin, die sich selbst „99Trumpets“ nennt, schreibt: „Es gab einen lauten Knall und alle begannen zu rennen. Das war so surreal, dort, wo die Menschen eigentlich aufhören zu laufen, rannten plötzlich wieder alle los. Läufer, die zuvor noch total erschöpft waren, sprangen wieder auf.“ Der Anschlag von Boston – er erschüttert. Und er zeigt uns Journalisten, wann Bürgerreporter tatsächlich erschütternde Berichterstatter sind.

Immer wieder Frankreich

Die Schuldenkrise im Euro-Raum bereitet dem Internationalen Währungsfonds Sorgen. Italien, Spanien, Griechenland - klar. Aber neuerdings ist es immer wieder Frankreich. Dem Eurozonen-Schwergewicht sagt der Fonds eine schrumpfende Wirtschaftsleistung voraus. Und nun? Wieweit können Kernländer die Eurozone über Wasser halten, wenn Frankreich nicht mehr kann? Und wann, Monsieur Hollande, machen Sie Schluss mit Spielchen, wie der Veröffentlichung von Ministervermögen? Die Frage ist, um es mit meinem bruchstückhaften Französisch zu sagen: Endlich „Allons enfants“ oder weiter „Libertè, egalité - beaujolais“?

Nachhaltige Quote

Die CDU wird am Donnerstag geschlossen gegen den SPD-Antrag zur Einführung einer Frauenquote stimmen. Bei einer Probeabstimmung heute hat es schon mal geklappt. Damit ist das Kalkül der CDU-Spitze, die Quoten-Befürworter in den eigenen Reihen mit einem Kompromiss rechts zu überholen, aufgegangen: Eine gesetzliche Quote von 30 Prozent soll ins Wahlprogramm. Kleingedruckt steht da: Sie gilt erst ab ab 2020. Die Frauen, die jetzt dafür stimmen, haben also nicht allzu viele Chancen, die Früchte ihrer politischen Arbeit noch in Amt und Würden einzufahren. Das gilt für die Arbeitsministerin wie die Kanzlerin. So selbstlos zu sein – ich nenne das echte nachhaltige Denkweise.

Genosse der Bosse

Die Gewerkschaft Verdi hat im Aufsichtsrat der Deutschen Bank künftig mehr zu sagen. Sechs der zehn gewählten Arbeitnehmervertreter kommen von ihr. In das Kontrollgremium des größten deutschen Geldhauses zieht auch Verdi-Chef Frank Bsirske ein. Postbank, Lufthansa, RWE, KfW – Bsirske kennt die Kontrollarbeit aus dem effeff. Er ist eben ein prima Genosse für die Bosse.

Einen prima Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (6)

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Mazi

16.04.2013, 20:09 Uhr

Rheinland-Pfalz kauft Steuer-CD an.

Das kann man positiv oder negativ sehen. Eindeutig negativ ist es dann, wenn andererseits in den Behörden selbst das Geld verschwendet oder gar ohne Beleg zu Lasten der Staatskasse verfügt wird.

Ich halte den Ankauf von Hehlerware für nicht vereinbar mit unserer Rechtsordnung und lehne dies aus Prinzip ab.

Aber was ist in diesen Tagen noch auf Basis der Rechtsordnung in Deutschland?

Wenn hier Steuerbetrüger gejagt werden, dann sollte dies nicht vor den Straftaten in den Amtsstuben halt machen.

Zustimmung

16.04.2013, 20:39 Uhr

Das ist soooooo richtig! Steuerverschwendung ist unser großes Problem, aber Medien und Bevölkerung sind anders konditioniert und merken es nicht - die Bürger zahlen, zahlen, zahlen. Das Ganze wird dann schön "gequatscht" mit Hinweisen auf Bildungsausgaben, Polizei und anderen wirklich nötigen Staatsauf- und - ausgaben. Aber das von Ihnen angesprochene Problem bleibt ausgeblendet, leider ...

Sklave

16.04.2013, 21:34 Uhr

Richtig, selbst in den Reihen unserer Politiker ist das Gefühl für Recht und Unrecht abhanden gekommen. Steuerbetrüger nehmen sich daran ein Beispiel und leben nach dem Motto: Man kann und darf alles solange man sich nicht erwischen lässt. Im Gegensatz zu den letzteren gehen Politiker und Breamte meist auch nach Entdeckung der Veruntreuung von Steuergeldern straffrei aus.

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