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01.03.2012

19:01 Uhr

Was vom Tage bleibt

Geldregen - aber nicht für alle

VonFlorian Kolf

Wie gewonnen so zerronnen: Während sich die Mitarbeiter deutscher Autobauer über üppige Prämien freuen können, gehen die Kirch-Erben erst mal leer aus. Und ein Comdirect-Kunde zahlt sogar noch drauf. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Geldregen für Autobauer

Wer bietet mehr? Die Premium-Autohersteller überbieten sich zurzeit mit großzügigen Boni für ihre Mitarbeiter. Gestern hatte bereits Porsche seinen Mitarbeitern nach dem besten Absatzjahr aller Zeiten mit jeweils 7.600 Euro einen Rekordbonus in Aussicht gestellt, was Betriebsratschef Uwe Hück "genial-intergalaktisch" nannte. Jetzt setzt Audi noch einen drauf: Mit einer Prämie von durchschnittlich 8251 Euro beteiligen die Ingolstädter ihre Mitarbeitern am Rekordgewinn des abgelaufenen Geschäftsjahrs. Bei Daimler gibt es immerhin 4100. Das wirft zugleich ein Schlaglicht auf die Zwei-Klassen-Gesellschaft der Branche: Bei Opel wird angesichts riesiger Verluste zurzeit nicht um Prämien, sondern um die Arbeitsplätze gekämpft.

Billiges Kapital für Italien

Vergleichsweise günstig an Geld kam heute auch der italienische Staat. Zum ersten Mal seit August 2011 fiel die Rendite für italienische Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit unter fünf Prozent. Da zeigt sich schon die segensreiche Wirkung des zweiten Megatenders der Europäischen Zentralbank. Die EZB hatte gestern den Markt geflutet und den Banken der Euro-Zone fast 530 Milliarden Euro zu ultra-niedrigen Zinsen zur Verfügung gestellt. Noch nicht klar ist, ob dafür am Ende doch noch jemand anderes die Zeche zahlen muss. Zum Beispiel die Sparer in Form von Geldentwertung.

Schlappe für Ackermann

Zwei Wochen lang sah es so aus, als ob auch die Erben des Medienunternehmers Leo Kirch sich über einen Geldregen freuen könnten. Schon praktisch ausgehandelt war ein Vergleich mit der Deutschen Bank in Höhe von 800 Millionen Euro. Damit wäre der zehnjährige Rechtsstreit beigelegt worden. Die Kirch-Familie macht die Bank für den Zusammenbruch des Medienimperiums verantwortlich. Doch nun macht der Vorstand der Deutschen Bank einen Rückzieher und lehnt den Vergleich ab. Eine Schlappe ist das auch für Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Der hatte den Vergleich ausgehandelt - und konnte ihn jetzt bei seinen Vorstandskollegen nicht durchsetzen. Dabei hätte er doch so gerne noch reinen Tisch gemacht vor seinem Abgang im Mai.

Millionär, aber nur kurz

Was fehlt? Nur wenige Stunden um 200 Millionen Euro reicher war ein Kunde der Onlinebank Comdirect. Seine Bank hatte ihm irrtümlich das Geld überwiesen und kurz danach wieder zurückgebucht. Dreisterweise aber buchte ihm die Bank gleich noch 12.000 Euro an Kreditzinsen ab. Nun muss er klagen, um sein Geld zurückzubekommen. Da klingt der Werbeslogan von Comdirect wie blanker Hohn: "Das Girokonto mit Zufriedenheitsgarantie".

Ich wünsche Ihnen einen ertragreichen Feierabend,

Florian Kolf

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