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30.06.2014

19:30 Uhr

Was vom Tage bleibt

Gier schafft mehr Risiko

VonStefan Menzel

Deutsche Sparer fürchten Bulgarien, der ADAC profitiert von Mitgliedertreue. GM zahlt Entschädigungen, Europas Inflation fällt niedriger aus und die Lufthansa hat Billig-Ideen für die Langstrecke. Der Tagesrückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Achtung, der Osten

Deutsche Anleger interessieren sich in aller Regel selten dafür, was gerade bei bulgarischen Banken passiert. Das hat sich aber nun entscheidend geändert, weil das kleine bulgarische Finanzsystem vor dem Kollaps steht. Da die Zinsen hierzulande im Keller sind, haben sich einige Tausend deutsche Anleger zum Investment in Bulgarien verleiten lassen – wegen der deutlich höheren Renditen. Jetzt ist gleich ihr gesamtes Geld in Gefahr. Die deutschen Anleger verdienen dafür kein Mitleid: Wer sich auf das Spiel mit höheren Zinsversprechen einlässt, der nimmt auch das größere Risiko ganz bewusst in Kauf.

Weniger ist mehr

Es ist schon erstaunlich: Da wird wochenlang im ganzen Land über die Betrugsaffäre beim ADAC berichtet, doch das zieht so gut wie keine Konsequenzen nach sich. Es gibt keinen großen Mitgliederschwund bei Deutschlands wichtigster Autofahrerlobby, die Zahlen sind auch nach dem jüngsten Skandal konstant geblieben. Der Grund ist ziemlich offensichtlich, die ADAC-Mitglieder sind einfach zufrieden mit dem Serviceangebot des Klubs. Die ADAC-Oberen sollten daraus ihre Schlussfolgerungen ziehen und zum Kern des Vereins zurückkehren: Aufwendige Autorankings, bei denen kräftig manipuliert worden ist, brauchen die Mitglieder nicht. Sie wollen den Service, die Dienstleistung, die Abschlepphilfe bei einer Autopanne. Das reicht völlig.

Die Spätzünder

Seit bald einem halben Jahr wird General Motors von der größten Rückrufwelle seiner Konzerngeschichte erschüttert. Kaum eine Woche vergeht, in der nicht irgendwo in der Welt Autos in die Werkstätten gerufen werden. Vor wenigen Tagen war China an der Reihe. 20 Millionen Autos dürften inzwischen von allen Rückrufen betroffen sein. Erst heute und damit viel zu spät kündigt GM an, dass es für die Opfer im spektakulärsten Rückruf-Fall nach heftigen Unfällen durch defekte Zündschlösser Entschädigungen in Millionenhöhe geben soll. Der Konzern hätte damit viel früher kommen müssen. Wer erst mit so viel Verzögerung Geld für Entschädigungen freigibt, der verliert den letzten Rest an Glaubwürdigkeit.

Japanische Grüße

Nur die Älteren unter uns werden sich noch an fünf oder sechs Prozent Inflation erinnern können. Auch schon fast vergessen sind die Jahre ausgeprägter Stabilität seit der Euro-Einführung mit zwei oder drei Prozent Inflation. Dass wir in Europa jetzt bei 0,5 Prozent angekommen sind, ist erst einmal eine sehr erfreuliche Entwicklung. Solch eine Rate signalisiert einen stabilen Geldwert, von dem die meisten Länder in der Welt nur träumen können. 0,5 Prozent symbolisieren aber auch etwas anderes: Noch weiter herunter darf es mit der Inflation nicht gehen. Denn sonst rücken wir gefährlich nahe an eine Deflation heran. Japan lässt grüßen.

Billig für alles

Das Konzept der Billig-Airline nach altem Prinzip hat sich inzwischen überlebt. Wenn sogar schon Billig-Protagonist Ryanair nach neuen Konzepten Ausschau hält, dann unterstreicht das erst recht diesen Trend. Das Billig-Konzept konzentrierte sich bislang auf innereuropäische Flüge mit vergleichsweise kurzen Strecken. Wer mit dem Billig-Konzept noch Erfolg haben will, der muss auch auf die Langstrecke gehen. Insofern sind die ersten Überlegungen der Lufthansa für eine neue Strategie auf der Langstrecke nur logisch und konsequent. Deutschlands größte Airline braucht diese neuen Ideen und Konzepte, um dauerhaft bestehen zu können. Gut gemacht.

Einen schönen Abend mit einem hoffentlich erfolgreichen deutschen Fußball-Team wünscht Ihnen

Stefan Menzel

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