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26.06.2012

17:58 Uhr

Was vom Tage bleibt

Griechen machen den Bock zum Gärtner

VonFlorian Kolf

Die Griechenland-Unterhändler der EU treffen auf einen alten Bekannten, immer mehr Unternehmen leiden unter den Folgen der Finanzkrise und Daimler droht ein Imageschaden in der Formel 1. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Vertrauensgefährdende Maßnahmen

Es hat schon eine gewisse Chuzpe: Ausgerechnet den ehemaligen Notenbank-Chef, der den Beitritt zur EU damals verhandelt und dabei die desolate Lage des Landes geflissentlich verschwiegen hat, macht die griechische Regierung zum neuen Finanzminister. Zynisch könnte man auch sagen, er ist der perfekte Kandidat, weil er genau weiß, was an den griechischen Staatsbilanzen gefälscht - und was belastbar ist. Vertrauen an den Märkten dürften solche Personalmaßnahmen jedoch nicht schaffen. Dabei ist das so nötig, wie die heutige Anleiheauktion von Spanien zeigt: Die Renditen haben sich verdreifacht, dem Land geht die Luft aus.

Schwierige Finanzierung

Die große Vertrauenskrise an den Märkte trifft immer öfter auch Unschuldige: Jetzt hat auch der Rüstungskonzern Rheinmetall den geplanten Börsengang seiner Autosparte KSPG AG auf unbestimmte Zeit verschoben. Der Konzern begründete die Entscheidung mit der Entwicklung der Kapitalmärkte sowie der wirtschaftlichen und politischen Situation in der Eurozone. Rheinmetall ist nicht der erste, der angesichts der unsicheren Märkte den Gang aufs Parkett scheut, zuvor hatten auch Evonik und Osram gescheut. Damit werden die Finanzierungsalternativen für Unternehmen rar. Denn Firmenanleihen sind ja auch schon in Sippenhaft genommen worden.

Störende Schlagzeilen nicht gewünscht

Apropos Haft: Die inhaftierte ukrainische Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko kann sich keine Hoffnung auf eine Freilassung noch im Zuge der Fußball-Europameisterschaft machen. Ihre Berufungsverhandlung wurde auf den 12. Juli vertagt, offenbar damit nicht weitere negative Schlagzeilen die EM stören. Auch wenn wir nicht wissen, ob Timoschenko wirklich unschuldig hinter Gittern sitzt, ist eins jedoch offensichtlich: Einen fairen Prozess hat sie nicht bekommen. Dieses Schicksal teilt sie mit zahlreichen Oppositionellen in der Ukraine. Dass Kanzlerin Merkel trotzdem überlegt, zum EM-Finale nach Kiew zu fahren, hinterlässt zumindest einen unangenehmen Geschmack.

Daimler droht Imageschaden

Mehr als ein Geschmäckle hat mittlerweile das Formel-1-Engagement des Autokonzerns Daimler. Schlimm genug für das Image, dass die Fahrer des Teams immer nur hinterher fahren. Aber nun bekommt der Konzern ein viel massiveres Problem: Formel-1-Chef Berni Ecclestone droht eine Verurteilung wegen Korruption. Und spätestens dann müsste Daimler sich nach seinen hauseigenen Regeln aus der Formel 1 zurückziehen. Darauf sollte es der Konzern nicht ankommen lassen und rechtzeitig die Konsequenz ziehen. Das eingesparte Geld könnten sie dann in die Entwicklung von umweltfreundlichen Antrieben stecken. Wäre auch zeitgemäßer als sinnloses Im-Kreis-fahren.

Alter schützt vor Torheit nicht

Die älteste Bank der Welt, die italienische Banca Monte dei Paschi, muss erneut mit einer Finanzhilfe von zwei Milliarden Euro der Regierung gestützt werden. Unter anderem ein zu hoher Bestand an italienischen Staatsanleihen hat sie in Schwierigkeiten gebracht. Dass da der italienische Staat als Retter einspringt, verwundert nicht. Eine Hand wäscht eben die andere.

Was fehlt? Zwei Monate hat die nordrhein-westfälischen Lottogesellschaft nach einem Lotto-Spieler gesucht, der den Jackpot von 3,5 Millionen Euro geknackt hatte. Erst jetzt hat der Mann seinen alten, schon vergessenen Tippschein wieder entdeckt und den Gewinn abgeholt. Wenn doch auch die Euro-Krise mal so ein unerwartetes Happy End nehmen könnte. Aber da gibt es zurzeit nur böse Überraschungen.

Ich wünsche Ihnen nur angenehme Überraschungen am Feierabend,

Florian Kolf

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Kommentare (7)

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Rechner

26.06.2012, 18:11 Uhr

Die inhaftierte ukrainische Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko kann sich keine Hoffnung auf eine Freilassung noch im Zuge der Fußball-Europameisterschaft machen?

Naja - auch der in der BRD zu zwölf Jahren Haft verurteilte Dissident Horst Mahler kann sich keine Hoffnung auf eine Freilassung noch im Zuge der Fußball-Europameisterschaft machen.

Aber das ist natürlich ganz was andres - der hat ja wirklich staatsfeindliche Äußerungen gemacht.

Rastatt

26.06.2012, 18:21 Uhr

Für mich ist eines vollkommen klar - die Euro - Zone wird früher oder später auseinanderfliegen. Den ehemaligen griechischen Notenbankchef und Verhandlungsführer zum Eu -Beitritt jetzt zum Finanzminister zu ernennen, ist doch ein Hohn für die Geldgeber des Pleitestaates Griechenland. Wie lange wollen wir uns denn noch von diesem Balkanstaat an der Nase herumführen lassen?

Goldmund

26.06.2012, 19:02 Uhr

Es ist wirklich ein Hohn. Bilanzen gefälscht um unrechtmässig dem Euro beizutreten. Wieso werden die Verantwortlichen nicht zur Rechenschaft gezogen? Goldmann Sachs hat bei der Fälschung geholfen. Nichts passiert! Nein unsere Steuergelder werden verschwendet! Sind wir doch mal ehrlich. Eigentlich kommen die Finanzhilfen nur den Banken zugute. Mit dem Geld zahlen die Schuldenstaaten ihre Zinsen für die Staatsanleihen. Wer besitzt die meisten Staatsanleihen? Die Zinsen werden für die schwachen Länder weiter ansteigen. Der Druck wird immer weiter erhöht. Wer profitiert davon? Die Besitzer der Staatsanleihen! Die einzige faire Reaktion der Eurozone wäre gewesen Griechenland ein Insolvenzverfahren gegen Griechenland einzuleiten. Doch die Bankster wollten das nicht.Die Milliardenhilfen landen in den Taschen der Bankster. Die Politik ist völlig machtlos gegen diese Blutsauger.

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