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24.06.2015

19:14 Uhr

Was vom Tage bleibt

Her mit der Kohle, weg mit der Kohle

VonOliver Stock

Die Kohleabgabe kostet zu viel Kohle. Griechenland leidet unter dem kleinen Wörtchen „Wenn“. Versicherer verunsichern. Und die Formel des Misserfolgs wird vielleicht verkauft. Was heute geschehen ist, lesen Sie hier.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Der unordentliche Herr Gabriel

In den Bundeswirtschaftsministerien gibt es mehrere Tische. Auf dem einen, an dem Minister Gabriel sitzt, da liegt die Kohleabgabe noch drauf. Genauer gesagt: Der Plan, dass Energieunternehmen für besonders schmutzige Kohlekraftwerke ein paar Millionen extra zahlen müssen. Dann gibt es einen anderen Tisch, da sitzt zum Beispiel Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Garrelt Duin dran. Auf dessen Tisch findet sich der Plan nicht mehr. „Es wird eine Alternative geben“, sagt Duin. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder hat Duin den Plan zur Kohleabgabe verbaselt und Gabriel hat recht. Oder Gabriel hat länger nicht mehr aufgeräumt und Duin hat recht. Wer auch immer recht hat: Kohle wird jeder Plan kosten.

Keine Sterne für Athen

Alexander Kritikos ist Ökonom beim Forschungsinstitut DIW. Und er macht seinem Namen alle Ehre. Für uns hat er einen Kommentar zu Tsipras geschrieben. Soll er oder soll er nicht reformieren? Ergebnis: Die vorgeschlagene Rentenreform sei absolut notwendig – wenn Griechenland nicht gerade wieder in die nächste Rezession abdriften würde. Und wenn das Land nicht 25 Prozent Arbeitslosigkeit hätte. Und wenn das Land nicht der einzige Staat in der Euro-Zone wäre, der keine soziale Grundsicherung hätte. Viel „Wenn“ für ein „Ja“.

Die große Verunsicherung

Die Weltwirtschaftsorganisation OECD ist nicht für Panikmache bekannt. Und dann das: In ihrem jüngsten Unternehmensausblick warnt sie davor, dass das Niedrigzinsumfeld Lebensversicherer in die Insolvenz treiben könnte. Ihnen werden hohe Garantieversprechen zum Verhängnis, die sie Kunden über Jahre gegeben hatten und jetzt nicht mehr erwirtschaften können. Deswegen müssten sie in riskantere Anlagen ausweichen, worin eben genau die Gefahr bestehe. Versicherer bezeichnen sich gern als Fels in der Brandung. Das demonstriert Härte. Kreidefels träfe es eher.

Formel des Erfolgs?

Bei der Formel 1 bahnt sich ein Eigentümerwechsel an. Ein US-Milliardär und das Emirat Katar wollen vom greisen Bernie Ecclestone gut ein Drittel der Anteile an dem Motorsportzirkus für sieben Milliarden Euro kaufen. Ob der Deal zustande kommt, ist offen. Fest steht dagegen, dass die Neuen eine echte Aufgabe bekämen: Die Rennen sind langweilig, die Technik versteht kein Mensch, das Reglement ist ein Buch mit sieben Siegeln und es gewinnen immer die gleichen. Die Formel 1 ist die Formel des Misserfolgs.

Abgehört wird jeder

Gérard Araud, der französische Botschafter in den USA, gab sich heute – als bekannt wurde, dass die NSA auch seine Präsidenten abhörte – fatalistisch. Er twitterte: „Alle Diplomaten leben mit der Sicherheit, dass sie abgehört werden und nicht nur von einem einzigen Land.“ Jeder plaudert offenbar mit jedem über jeden. Als Journalist muss ich hinzufügen: Gott sei Dank, sonst könnten wir unseren Job nicht machen.

Auge in Auge mit der Queen

Der Rentner Herbert Lutz ist heute von Hannover nach Berlin gereist, um die Queen zu sehen: „1965 habe ich sie bei ihrem ersten Staatsbesuch leider nicht ganz gesehen – nur ihr Auto. Heute möchte ich sie endlich richtig sehen.“ Und das war ihm vergönnt. Als ihr Boot, das sie von Schloss Bellevue ins Regierungsviertel brachte, endlich um die Kurve biegt, kann auch Lutz sie sehen. Auf Augenhöhe: Denn als Deutscher ist Lutz ein Souverän, so steht es im Grundgesetz. In Großbritannien dagegen gibt es nur Ihre Majestät, die souverän ist. So ist es dort geregelt, hat unser ehemaliger Kolumnist Peter Littger im „Spiegel“ analysiert. Lutz und die Queen – die beiden könnten sich sozusagen duzen.

Einen souveränen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

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