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04.04.2013

18:30 Uhr

Was vom Tage bleibt

Heuchler in Hochform

VonFlorian Kolf

Geheime Dokumente enthüllen Details über Milliardenvermögen in Steueroasen, in den Banken wird offenbar gezockt, getäuscht und verschleiert und deutsche Provinzfürsten mutieren zu Kannibalen. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Mächtige Interessen

Jetzt ist die Aufregung groß. Hatte doch offenbar bis heute kein Politiker geahnt, dass reiche Anleger Milliarden und Abermilliarden von Schwarzgeld in den sogenannten Steueroasen verstecken. Nach den jüngsten Enthüllungen einer anonymen Quelle fordern sie nun, den Kampf gegen diese Paradiese für Steuerhinterzieher ganz oben auf die Tagesordnung zu setzen. Zugegeben: Die Details, die die 2,5 Millionen Dokumente ans Licht bringen, sind pikant. Aber die schiere Dimension der hinterzogenen Gelder war auch vorher kein Geheimnis, auch die verwickelten Staaten nicht. Aber offenbar gab es mächtige Interessen, gleich mehrere Augen zuzudrücken. Oder würden Sie darauf wetten, dass nur in Frankreich prominente Politiker einen Trust in Übersee unterhielten?

Ungebremst jongliert

Bei Goldman Sachs ist man schwer betroffen, dass der ehemalige Händler Matthew M. Taylor mal so eben 120 Millionen Dollar verzockt hat. „Wir sind sehr enttäuscht, dass er das Vertrauen des Unternehmens so missbraucht hat“, klagte eine Sprecherin. Doch verdächtig ist das schon, dass Taylor zunächst ungebremst mit mehr als acht Milliarden Dollar jonglieren konnte – und dass er 2007 kurz nach dem missglückten Megadeal still und heimlich gefeuert wurde. Da fällt es schwer zu glauben, dass die Bank wirklich so ahnungslos war, wie sie jetzt tut.

Schwerwiegender Verdacht

Für die Deutsche Bank wird es langsam ernst. Die Bundesbank und die Finanzaufsicht Bafin planen jetzt eine Sonderprüfung bei dem Institut. Der Verdacht ist schwerwiegend: Die Bank soll Verluste in Milliardenhöhe verschleiert haben, angeblich um die Annahme von Staatshilfe zu vermeiden. Hatte doch der damalige Chef Josef Ackermann gesagt, er würde sich schämen, Staatshilfe in Anspruch zu nehmen. Und beim Tricksen erwischt zu werden ist keine Schande? Angesicht der zahlreichen Skandale, in die die Deutsche Bank verwickelt ist, kann man da nur noch Wilhelm Busch zitieren: „Ist der Ruf erst ruiniert...“

Kannibalen der Luftfahrt

Nicht zu verschleiern sind die Verluste, die die zahlreichen Regionalflughäfen in Deutschland produzieren. Fast jeder Provinzfürst möchte sich mit einem eigenen Tor zu Welt schmücken – koste es, was es wolle. Heute ist in Kassel ein weiteres potenzielles Millionengrab eröffnet worden. Tapfer schwärmte Ministerpräsident Volker Bouffier dies sei ein „herausragender Tag für Hessen, ein Tag an dem wir die Weichen stellen für den wirtschaftlichen Erfolg einer ganzen Region“. In der Praxis werden sich eher die über ganz Deutschland verstreuten Miniflughäfen gegenseitig kannibalisieren. Von Kassel bis zum benachbarten Airport Paderborn sind es gerade mal 71 Kilometer. Noch Fragen?

Was fehlt? Was haben der Monty-Python-Song „Always look on the bright side of life“, „My Way“ von Frank Sinatra und die Titelmusik der Muppet Show gemeinsam? Nach einer Umfrage unter britischen Bestattern werden diese Lieder besonders gerne auf Beerdigungen gespielt. Wie sagte mir mal eine ältere Dame: „Spaß muss sein, sonst geht keiner zur Beerdigung.“

Ich wünsche Ihnen einen fröhlichen Feierabend.

Florian Kolf

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Kommentare (6)

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sowhat

04.04.2013, 18:49 Uhr

Niemand hatte getäuscht und verschleiert: nur Träumer konnten träumen, was Realität war und ist.
Und nun sind die Fakten dran: und die sehen nun einmal anders aus als man sich selbst und anderen vorzumachen resp. zu träumen gesucht hat.

so_long

04.04.2013, 19:20 Uhr

Bank of Cyprus: Beweise um Bankenkrise vernichtet




Nikosia (BoerseGo.de) - Medienberichten zufolge sollen Verantwortliche wichtige Beweise über die taumelnde Bank of Cyprus unterschlagen haben. Wie das staatliche Fernsehen RIK am Mittwochabend unter Berufung auf "zuverlässige Quellen" mitteilte, soll wichtiges Beweismaterial unterschlagen und teilweise auch bereits vernichtet worden sein.
Die Vorwürfe stützen sich auf ein Gutachten der Beraterfirma Alvarez & Marsal. Petros Klerides, Generalstaatsanwalt Zyperns, machte daraufhin deutlich, dass sich jeder, der Beweismaterial unterschlagen oder sich in der Bankenkrise strafbar gemacht habe, zur Rechenschaft gezogen werde.

Unabhängig davon wurden auch die Kapitalverkehrskontrollen bei den Banken des Landes verlängert. Dies beschloss das zyprische Finanzministerium am Mittwochabend. Demnach sollen die Beschränkungen für den Geldtransit und für Auslandsüberweisungen noch für weitere drei Tage bestehen bleiben. Das Ministerium begründet den Schritt mit der weiterhin knappen Liquidität vieler Banken und der hohen Gefahr großer Kapitalabflüsse aus dem Land.

kubitzki

04.04.2013, 19:59 Uhr

Es sind doch die Banken und viele Politiker, die die Steueroasen nutzen. Wer kehrt da mit eisernem Besen? Keiner. Es werden noch sehr prominente Politiker bekannt werden. Zypern ist das beste Beispiel der illegalen Kapitalflucht vor den Kontosperrungen. Die Chance haben die kleinen Leute nicht, nein, sie werden einfach von solchen Politikern enteignet, sprich beraubt. Das ist die Wahrheit des grenzenlosen Schäuble-Kapitalismus.

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