Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.06.2012

18:39 Uhr

Was vom Tage bleibt

Hoffnung vor den Kulissen

VonOliver Stock

Griechenland hat den Euro gewählt. Die Spanier zieren sich. Und deutsche Unternehmen können ihren Börsengang abschreiben, so gut sie auch laufen. Der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Nächster Akt

im Theater um Griechenland ist wieder ein Akt vorbei. Vor den Kulissen ist es einer, der Hoffnung macht: allen Unkenrufen zum Trotz erhielten jene Parteien den Regierungsauftrag, die dem Land eine Chance lassen wollen, im Euro zu bleiben. Und das ist es, was am Tag eins nach der Wahl zählt. Und morgen? Wenn es hinter den Kulissen weitergeht wie gestern, wird es für Griechenland ein Übermorgen im Euro nicht geben.

Lösbare Aufgabe

Schneller als dieses vage gemeinte Übermorgen wird sich die Zukunft des Verhältnisses zwischen Deutschen und Griechen nicht im, sondern in der Euro entscheiden. Freitag treffen beide Fußballmannschaften aufeinander. Die Aufgabe könnte für die deutsche Mannschaft weniger verzwickt sein, als die der deutschen Politiker, was daran liegt, dass ein Verlassen der Euro nur ein Heimgang der Betroffenen, ein Verlassen des Euro aber ein Niedergang für alle Beteiligten bedeutet. Frau Merkel jedenfalls wird in Danzig nicht dabei sein. Ihr Treffen mit dem italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti, dem französischen Präsidenten Fancois Hollande und Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy in Rom endet erst, wenn die Partie angepfiffen werde, teilte das Kanzleramt heute mit.

Spanische Dünkel

Ohne Zweifel ist Merkel im Kreis dieser drei Nationen gut aufgehoben. Sorgen darüber, wie lange Spanien seine Schulden bezahlen kann, trieben nämlich heute die Zinsen für spanische Staatsanleihen auf den höchste Wert seit der Euro-Einführung. Spanien will unter den Rettungsschirm flüchten, hat aber noch Dünkel, das auch so zu nennen. Derzeit verhandeln die Spanier mit dem Rest der EU darüber, ob sie bereits in diesem Monat unter den EFSF oder erst im nächsten Monat unter den ESM genannten Schirm treten wollen. Der Unterschied besteht darin, das letzterer direkte Bankenhilfe erlaubt - und das möchten die Spanier. Sie sind peinlichst darauf bedacht festzustellen, dass nicht der Staat, sondern die Banken schiefliegen. Was das am Ende ausmacht, interessiert außer den Spanien aber niemanden. Schon gar nicht die, die die Zeche zahlen.

Schlechte Zeiten für Analysten

Die Besitzer des Chemiekonzerns Evonik sagen den milliardenschweren Börsengang des Konzerns wegen zu niedriger Gebote der Investoren ab. Geldgeber hätten wegen der unsicheren Lage der Euro-Zone Abschläge von 25 Prozent und mehr verlangt. Ein Viertel des Wertes - das war nicht drin. Evonik könnte jetzt das Signal für alle Firmenanalysten sein, ihren Job an den Nagel zu hängen und beispielsweise besser in Griechenland Wein anzubauen. Das dürfte brauchbarere Ergebnisse erzielen, als der Versuch, Unternehmen einzuschätzen, deren Wert nicht mehr vom Knowhow der Firma abhängt, sondern einzig und allein von politisch gesteuerten Börsen.

Einen lauen Sommerabend nach diesem langen Tag wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

18.06.2012, 19:21 Uhr

Was Börsengänge angeht, habe ich auch den Eindruck, dass Facebook hier Megatonnen von Porzellan zerschlagen hat ...
Da darf man sich auch mal bei Facebook bedanken.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×