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03.02.2014

19:07 Uhr

Was vom Tage bleibt

Im Dickicht der Steuer

VonStefan Menzel

Alice Schwarzer hat sich verkalkuliert, Ryanair geht es schlechter. Beim ADAC bleibt alles unverändert, VW erlebt einen Rückschlag in den USA und in Deutschland gibt es weniger neue Solaranlagen. Der Tag im Rückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Moral im Absturz

Das hat sie sich so bestimmt nicht vorgestellt: Alice Schwarzer ist in aller Munde. Nicht etwa, weil sie die Rechte der Frauen noch einmal entscheidend vorangebracht hätte. Nein, weil sie schlicht und ergreifend Steuern hinterzogen hat. Frau Schwarzer hat sich in den vergangenen Jahrzehnten hierzulande als moralische Instanz emporgearbeitet. Ohne die Mithilfe der Medien wäre ihr das niemals gelungen. Deshalb darf sie sich nicht beschweren, dass die Medien jetzt über ihren moralischen Absturz als Steuersünderin berichten. Steuerhinterziehung ist kein Kavaliersdelikt, das man auf die leichte Schulter nehmen könnte. Schade, dass Frau Schwarzer nicht daran gedacht hat, als sie ihr Konto in der Schweiz eröffnete. Ihr Ruf ist jetzt irreparabel beschädigt.

Tiefflieger

Michael O’Leary hat die Luftfahrtbranche mit seiner Ryanair revolutioniert. Zum Glück gibt es solche Unternehmer wie den umtriebigen Iren, der die Konkurrenz und damit also die früheren Staatsairlines aus dem Dornröschenschlaf geholt hat. Nun hat aber Ryanair dasselbe Schicksal eingeholt, die bekannte Billig-Airline schreibt rote Zahlen. Jetzt braucht das Unternehmen neuen Schub, um aus der eigenen Krise so schnell wie möglich herauszukommen. Hilfe kommt wohl am besten von außen. Denn die Verluste gehen auf das Konto von O’Leary, der offensichtlich doch einiges von seinem Gründerelan verloren hat.

Apathische Mitglieder

15.000 Mitglieder hat der ADAC in den vergangenen Wochen durch seine diversen Skandale verloren. 15.000, das ist ein Hauch von nichts bei einer Gesamtzahl von 18 Millionen Mitgliedern. Die große schweigende Mehrheit der ADAC-Mitglieder wird die aktuelle Krise weiterhin gelangweilt begleiten und überhaupt nicht reagieren. Das sieht natürlich auch die ADAC-Führung, die derzeit noch unter schwerem Beschuss steht. Aber bald dürfte es wieder ruhiger werden, und darauf setzt natürlich die Spitze des Autoklubs. Die ADAC-Oberen werden an ihrer eigenen Organisation überhaupt nichts ändern (müssen) – weil sie auf die Apathie ihrer Mitglieder setzen können.

Danebengegriffen

VW-Betriebsratschef Osterloh hat den großen Einbruch schon vor ein paar Wochen gesehen und das US-Geschäft von Europas größtem Autohersteller als „Katastrophe“ bezeichnet. Jetzt ist der Denkzettel tatsächlich da. Im Januar brach der VW-Absatz in den USA um sage und schreibe 19 Prozent ein. Nichts von der großen US-Offensive mit neuem Werk und neuen Modellen hat gefruchtet. VW ist vielmehr auf dem besten Weg, in Amerika wieder einmal eine glatte Bauchlandung hinzulegen. VW wird zurecht für seine großen Erfolge gelobt. Das stimmt und ist auch richtig so. Doch es gibt noch eine andere Seite des Konzerns: Volkswagen kann auch wunderbar danebengreifen, wie das US-Beispiel zeigt.

Energetische Wende

Die beste Nachricht des Tages kommt von der Bundesnetzagentur. Im vergangenen Jahr ist der Neubau von Solaranlagen nach Angaben der Agentur dramatisch eingebrochen, und zwar um atemberaubende 57 Prozent. Das zeigt, dass die Wende von der Energiewende endlich begonnen hat. Sonnen- und Windstrom können einfach nicht mehr grenzenlos gefördert werden, der Staat hat diese Branche gnadenlos überzüchtet. Deutschland braucht ein Stückweit Normalisierung in Sachen erneuerbare Energien. Die ersten Schritte in diese Richtung sind zum Glück eingeleitet worden, eine ganze Menge mehr muss allerdings noch passieren.

Einen angenehmen Abend wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Kommentare (1)

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leser

03.02.2014, 20:43 Uhr

verkalkuliert: nicht der/die erste.

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