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15.10.2014

19:02 Uhr

Was vom Tage bleibt

Im freien Fall

VonStefan Menzel

Der Dax stürzt ins Bodenlose, der nächste Lufthansa-Streik steht an. Vattenfall will Geld für den Atomausstieg, in den USA gibt es den nächsten Ebola-Fall und der Siemens-Konzern muss sparen. Der Tagesrückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Absturz

Der Dax steht heute Abend bei 8550 Punkten. Noch vor ein paar Wochen hat sich das wahrscheinlich kaum jemand vorstellen können. An den Finanzmärkten herrschte eitel Sonnenschein, der Trend nach oben schien unaufhaltsam. Doch nun bekommen die Skeptiker am Ende doch Recht, es konnte einfach nicht mehr weiter aufwärts gehen. Anleger sollten sich vielmehr darauf einstellen, dass die Korrektur noch nicht vorüber ist und dass es weiter nach unten gehen wird. Der Dax unter 8000 Punkten? Das dürfte nicht mehr allzu lange dauern.

Aufgeholt

Streikrepublik Deutschland? Unser Land könnte sich wirklich bald umbenennen lassen. Wenn die Lokführer morgen früh mit ihrer Arbeitsniederlegung fertig sind, folgen im weiteren Verlauf des Tages wieder die Piloten aus dem Lufthansa-Konzern mit dem nächsten Streik. In Deutschland verschärft sich unzweideutig das soziale Klima. Im internationalen Vergleich lag unser Land eigentlich immer auf den hinteren Rängen, was die Anzahl der Streiks betraf. Internationalisierung und Globalisierung haben nun also auch die deutschen Gewerkschaften erreicht.

Atomlos

Vattenfall will fast fünf Milliarden Euro Entschädigung dafür, dass sich die Bundesregierung nach dem schweren Unfall im japanischen Kraftwerke Fukushima für den Ausstieg aus der Atomkraft entschieden hat. Es ist das gute Recht des skandinavischen Konzerns, dass er deshalb den Rechtsweg beschreitet und Entschädigung verlangt. Und im Zweifel wird Deutschland auch für diesen Beschluss zahlen müssen. Das ändert allerdings nichts daran, dass die Entscheidung der Berliner Regierung richtig war. Es gibt keine einhundertprozentige Sicherheit bei der Atomkraft. Deshalb ist der Rückzug die einzig konsequente Entscheidung.

Bedrohlich

In den USA hat sich eine zweite Krankenschwester bei der Pflege eines Ebola-Kranken mit diesem lebensbedrohlichen Virus infiziert. Die US-Gesundheitsbehörden sind völlig ratlos und können überhaupt nicht erklären, wie es trotz aller großen Sicherheitsvorkehrungen zu diesem neuen Ebola-Fall kommen konnte. Das Beispiel USA macht mit aller Klarheit deutlich, dass auch die besser ausgestatteten Kliniken in den westlichen Industrieländern keinen vollständigen Schutz bieten können. Uns bleibt nur die Hoffnung, dass die deutschen Krankenhäuser am Ende doch besser als die amerikanischen sind.

Die Macht der Konjunktur

Siemens muss noch einmal zusätzlich Personal abbauen. 1200 weitere Stellen sollen jetzt gestrichen werden, besonders betroffen sind die Kraftwerkstechnik und das damit verbundene Wartungsgeschäft. Siemens-Chef Joe Kaeser hat keine Alternative. Die schleppende Weltkonjunktur zwingt ihn zu diesem Schritt, die Zeit des großen Aufschwungs ist erst einmal vorüber. Wir sollten uns tendenziell eher darauf einstellen, dass Siemens kein Einzelfall bleiben wird. Das deutsche Jobwunder hat seinen Zenit schon überschritten.

Einen geruhsamen Abend wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Kommentare (2)

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Herr Thomas Albers

15.10.2014, 19:28 Uhr

"Anleger sollten sich vielmehr darauf einstellen, dass die Korrektur noch nicht vorüber ist und dass es weiter nach unten gehen wird. Der Dax unter 8000 Punkten? Das dürfte nicht mehr allzu lange dauern."

Klar, wenn man schon fast bei 8500 ist dann sieht man auch schnell noch die nächsten 500 Punkten sich in Rauch auflösen. Die Skepsis wird angesichts der Geschwindigkeit der letzten Tage natürlich nicht kleiner und die Erfahrung zeigt auch, dass bei Panik nach unten alle Sicherungen reißen können.

Bei DAX unter 8000 Punkten in den nächsten Oktober-Wochen würde ich wirklich zugeben, dass mich das überraschen würde. Aber so ist Börse wie man sie liebt - animal spirits sind eben unberechenbar.

Frau Ich Kritisch

15.10.2014, 20:22 Uhr

Zitat: " Im internationalen Vergleich lag unser Land eigentlich immer auf den hinteren Rängen, was die Anzahl der Streiks betraf."
Läge es auch heute noch - wenn wir noch soviel Beamte wie früher hättwen

Es geht nicht beides - den Menschen die verbeamtung wegnehmen und trotzdem fordern, dass sie nicht streiken

Zitat: "Es gibt keine einhundertprozentige Sicherheit bei der Atomkraft."

die 100%ige Sicherheit gibt es auch bei anderen Arten der Energiegewinnung nicht - schon mal erlebt was passiert wenn ein Damm von einem Stausee (Wasserkraft) bricht? Schon mal zugesehen wie jemand von einem herabfliegenden Windrad geköpft wurde? Beim Kohlekraftwerk entstehen giftige Stoffe - unter anderem Quecksilber und Arsen - allein in Bremen sterben daran knapp 40 Menschen pro Jahr.

Zitat:"... trotz aller großen Sicherheitsvorkehrungen zu diesem neuen Ebola-Fall kommen konnte"
Sicher wäre eine Quarantäne von mind. 3 Wochen aller mit Ebolakranken in Kontakt gekommenen.

Ich würde mir wünschen, dass das HB journalistisch mehr raus holen würde und nicht nur Pressemitteilungen abdruckt.

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