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17.11.2014

19:05 Uhr

Was vom Tage bleibt

In aller Munde

VonStefan Menzel

Putin verkündet seine Botschaften, Thomas Middelhoff bleibt in Haft. Rumänien hat einen neuen Präsidenten, die BayernLB schreibt tiefrote Zahlen und der WDR muss Kunstwerke verkaufen. Der Tagesrückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Unser aller Wladimir

Wladimir Putin hat es geschafft: Sein Interview in der ARD sorgt dafür, dass am Montag ganz Deutschland nur noch über ihn redet. Eine geschickte PR-Strategie darf man dem russischen Präsidenten also durchaus zugestehen. Mit seinen Antworten gibt es allerdings Probleme. Putin gibt sich als der kalte Krieger, der dem Westen und der ukrainischen Regierung in Kiew ziemlich feindselig gegenübersteht. Bemerkenswert war, dass Putin die Annexion der Krim eingestand. Nichts anderes dürfte er mit der Ostukraine vorhaben – wenn er denn gelassen wird.

Warten auf die Richter

Thomas Middelhoff muss noch etwas länger warten. Das Landgericht in Essen tut sich vergleichsweise schwer mit der Entscheidung, ob der Haftbefehl ausgesetzt wird und Middelhoff das Untersuchungsgefängnis verlassen darf. Warum eigentlich? Die Strafe gegen den früheren Arcandor-Chef ist mit drei Jahren Haft extrem hart ausgefallen. Der frühere Top-Manager wird also auf jeden Fall in die Revision vor den Bundesgerichtshof gehen. Die Richter haben immer die Möglichkeit, von ihrem Ermessensspielraum Gebrauch zu machen. Sie sollten es auch im Fall Middelhoff tun.

Fortschritte

Vor dem Fall der Mauer taten sich die Deutschen schwer in Osteuropa. Die Narben des Zweiten Weltkriegs waren nicht verheilt, Deutsch war als Fremdsprache nicht sonderlich beliebt. Doch ein Ereignis aus Rumänien zeigt, was sich während der vergangenen 25 Jahre alles verändert hat. Mit Klaus Johannis ist in Rumänien erstmals ein Vertreter der deutschstämmigen Minderheit zum Staatspräsidenten gewählt worden. Eine Entscheidung der rumänischen Bevölkerung, die vor 30 Jahren noch unvorstellbar gewesen wäre. Deutschland muss sich zum Glück in Osteuropa nicht mehr verstecken. Danke.

Österreich-Ungarn

Die BayernLB ist für ihren zügellosen Expansionsdrang bitterböse bestraft worden. Nach der Übergabe ihrer ungarischen Tochter MKB an die Regierung in Budapest muss die Landesbank nun noch einmal 700 Millionen Euro als Verlust in ihrer Bilanz verbuchen. Leider ist es nicht das erste Mal, dass die Bayern ihre Bücher wegen der MKB korrigieren mussten. Der Verlust geht inzwischen in die Milliarden. Eigentlich könnten die Münchener jetzt zufrieden sein, ist doch der teure Ausflug nach Ungarn beendet. Doch zum Leidwesen der BayernLB gibt es da noch ein Problem: Der Streit um die Hypo Alpe Adria mit der österreichischen Regierung ist noch lange nicht beendet. Österreich könnte noch deutlich teurer als Ungarn werden.

Eigenverantwortung

Den WDR plagen Geldsorgen, trotz der Gebühren und der damit garantierten Einnahmen. Die Kosten laufen dem öffentlich-rechtlichen Sender davon, vor allem die Alterssicherung der Mitarbeiter schlägt gehörig zu Buche. Zwei Möglichkeiten hat der Kölner Sender jetzt: Er kann sparen oder irgendwie zusätzliches Geld verdienen. Deshalb ist es eine vernünftige Idee, wenn der WDR jetzt einen Teil seines Kunstschatzes verkaufen will. Der WDR ist selbst dafür verantwortlich, dass er seinen Haushalt in Ordnung bringt. Die Gebühren zu erhöhen wäre aus WDR-Sicht sicherlich der einfachere Weg. Die Verantwortung für das Budget dadurch auf den Gebührenzahler abzuwälzen, das wäre allerdings die unfairste aller möglichen Lösungen. Vernünftig haushalten muss schließlich jeder, warum also nicht auch der WDR?

Eine spannende Woche wünscht Ihnen

Stefan Menzel

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