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02.11.2012

18:03 Uhr

Was vom Tage bleibt

Inflation bei Aldi

VonOliver Stock

Der Milchpreis steigt und damit die - gefühlte - Inflation. Die US-Arbeitslosenrate steigt und damit die Chancen für Romney. Bei Opel gibt es einen Hoffnungsträger und bei Lancia keine Hoffnung mehr. Der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Die Milchpreis-Inflation

Wissen Sie was ein Liter Milch kostet? Nicht? Ich auch nicht so genau. Wenn also Aldi Süd, wie heute angekündigt, nach einer Verhandlungsrunde mit Molkereien den Milchpreis um neun Cent je Liter anhebt, wird es mir morgen beim Einkaufen nicht so sehr auffallen. Bei einem Verbrauch von einem Liter am Tag, werde ich am Jahresende 36 Euro mehr ausgegeben haben – das ist eine Drittel Tankfüllung. Ich glaube ich schaffe es, 300 Kilometer weniger im Jahr zu fahren – dann ist es ein Nullsummenspiel. Was? Energiekosten steigen auch? Und die Abgaben fürs Fernsehgucken? Mein lieber Herr Draghi – dann müssen wir aber doch noch mal über Inflation reden.

Keine Wahl

Für wen sind das nun gute Zahlen? Die Arbeitslosenrate in den USA stieg im Oktober leicht auf 7,9 Prozent – was Herausforderer Mitt Romney zum Angriff nutzt: Noch nie hat ein Präsident, der wiedergewählt werden will, eine solch miserable Quote präsentiert, stellt er fest. In der US-Wirtschaft wurden zugleich mit 171.000 neuen Jobs mehr Arbeitsplätze geschaffen als erwartet, hebt Präsident Barack Obama hervor. Als Amerikaner würde ich mich jetzt fragen: Habe ich überhaupt eine Wahl? Die Arbeitslosigkeit muss runter, was Geld kostet. Das Defizit soll aber auch sinken, was das Geld ausgeben verbietet. Also ist es fast gleichgültig, wer die Wahl gewinnt. Der Sieger steckt in eisernen Zwängen.

Letztes Aufgebot

Karl-Thomas Neumann musste 2009 bei Continental wegen unterschiedlicher Meinungen mit dem Eigentümer den Chefsessel räumen. Er heuerte bei Volkswagen an, wo er nach rund zwei Jahren die Verantwortung für das Chinageschäft verlor. Dennoch hat Neumann einen Ruf wie Donnerhall. Er könne Wir-Gefühl herstellen und er lasse sich nicht von widerspenstigen Eigentümern ins Bockshorn jagen, sagen die, die ihn kennen. Genau so einer könnte bei Opel den richtigen Ton treffen, denkt man sich selbstbewusst in Detroit, wo die Konzernzentrale der Opel-Mutter General Motors steht. Neumann wird hier als Kandidat gehandelt. Er wäre das letzte Aufgebot.

Todesanzeige auf Seite 10

Wenn es mit Neumann nicht klappen sollte, könnte es Opel wie Lancia ergehen. Die Todesanzeige dieser Traditionsmarke verbarg sich heute auf Seite 10 des Fiat-Analystenberichtes zu den aktuellen Quartalszahlen. Unter dem Punkt „Reduce/curtail Lancia exposure“ skizziert der italienische Autobauer nüchtern das Aus der italienischen Automarke Lancia. Die Produktion solle schrittweise reduziert werden, steht dort. Künftig werde nur noch das Modell Ypsilon gefertigt – in Polen. „Wir dürfen uns nicht mehr der Illusion hingeben, dass wir Lancias historisches Image wieder aufbauen können“, erklärte Fiat-Chef Sergio Marchionne. Als einer, der einst einen in die Jahre gekommenen Lancia-Fulvia die Alpenpässe nach oben getrieben hat, stehe ich trauernd am Grab. „Es ist nur ein Auto“, sagt eine Stimme neben mir. Recht hat sie.

Ein geruhsames Wochenende wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (9)

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Inflationaer

02.11.2012, 18:19 Uhr

@ Oliver Stock „Bei einem Verbrauch von einem Liter am Tag, werde ich am Jahresende 36 Euro mehr ausgegeben haben – das ist eine Drittel Tankfüllung.“
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Und was machen ihrer Meinung nach bei diesen Preissteigerungen dann Arbeitslose, Kranke, arme Rentner und Hartz IV Empfänger, Herr Stock?
Am Ende soziale Unruhen und Bürgerkrieg?
Ich glaube nicht, dass die ca. 8 Mio. Menschen sich auf Dauer noch weiter von Bankstern, Wirtschaft und Politik weiter ausziehen lassen.
Irgendwann ist Ende Gelände mit dieser Abzockerei und es knallt mächtig!
Bei Geld hört schließlich die Freundschaft und das Gutmenschentum auf.

hoppala

02.11.2012, 18:33 Uhr

Inflation ist eben Gefühlssache - das muß einem doch klar sein.
Deswegen stehen wir ja auch vor einer ebenso gefühlten Deflation.
Beides zwar nicht gut, aber grad zur Hand im ideologischen Grabenkrieg, wie es aussieht.

lollipop

02.11.2012, 18:38 Uhr

170.000 Arbeitsplätze im vergangenen Monat Zuwachs.
Gehen wir mal von Bretto statt Nutto aus: Sandy war Demokrat.
Schon das ein Grund Romney zu wählen.

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