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28.08.2012

18:35 Uhr

Was vom Tage bleibt

Investoren glauben an Draghi

VonOliver Stock

Spanische Anleihen sind zu billig. Der drohende Streik bei Lufthansa ist unsolidarisch. Internet macht süchtig und Mitt Romney setzt auf seine Frau. Der Tagesbericht

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Investoren glauben an die Notenpresse

Die Renditen spanischer Anleihen sind gesunken. Das bedeutet nichts anderes, als dass sich Spanien wieder günstiger Geld beschaffen kann am Kapitalmarkt. Ein gutes Zeichen? Investoren haben die Anleihen der angeschlagenen Südländer vor allem deshalb gekauft, weil sie glauben, dass Super-Mario und seine EZB in den kommenden Monaten in großem Umfange an den Kapitalmärkten tätig wird und ebenfalls Bonds aus Spanien oder Italien kauft. Damit ist klar, dass die Geldgeber auf die Notenpresse setzen. Gute Zeichen sehen anders aus.

Streik in der Kabine

Die freundliche Stewardess, die mich im Flugzeug begrüßt, die das Gepäckfach schließt, mich ans Anschnallen erinnert und mir den Kaffee serviert – diese Dame soll ohne Lächeln aber mit einem Plakat in der Hand an der Gangway stehen und mehr Geld fordern? Bei der Lufthansa stehen die Zeichen auf Streik. Doch dieser Streik kommt zur Unzeit. Der Konzern steckt in einer Krise. Hohe Benzinpreise, scharfe Konkurrenz, nachlassende Konjunktur und eine unverändert hervorragende Bezahlung der Mitarbeiter  machen der Fluglinie zu schaffen. Die Passagiere baden es aus mit weniger Komfort. Einige Angestellten tragen ihren Teil zum Sparen bei, wenn in der Verwaltung wie geplant 3500  Stellen wegfallen. Dass jetzt das Kabinenpersonal streikt, ist gegenüber all denen, die Opfer bringen müssen, unsolidarisch. Der Corpsgeist, der dieses Unternehmen einst auszeichnete, ist Abteilungs-Egoismen gewichen. Die Lufthansa ist auch nur ein Unternehmen wie jedes andere. Also gibt es angesichts des drohenden Streiks nur ein probates Mittel: Umbuchen.

Und noch eine Anzeige

Wegen des Ankaufs von Bankdaten mutmaßlicher deutscher Steuerhinterzieher hat ein Anwalt in der Schweiz Strafanzeige gegen Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norbert Walter-Borjans erstattet. Der SPD-Politiker verstoße durch den Erwerb gestohlener Datensätze nachweislich gegen Schweizer Recht, sagte der Genfer Jurist Pierre Schifferli. Borjans läuft in Düsseldorf frei herum. Und das hat seinen Grund. Solange Schweizer Banken nachweislich Handreicher deutscher Steuersünder sind, hat der Finanzminister die besseren Karten.

Vorsicht: Internet macht süchtig

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung schlägt Internet-Alarm: Bundesweit sind nach Angaben von Mechthild Dyckmans 560 000 Menschen zwischen 14 und 64 Jahren internetabhängig. Au weia. Hoffentlich müssen wir demnächst nicht titeln: „Achtung! Das Lesen dieses Artikels kann süchtig machen.“

Projekt Menschwerdung

Mitt Romney ist der Kandidat der Reichen. Er ist der Kandidat der Wall Street, aber er ist bisher nicht der Mann, der dem US-Präsidenten das politische Leben schwer machen kann. Dem ehemaligen Banker fehlt es an Wärme, um sich in die Herzen der Amerikaner zu brennen. Auf dem Parteitag der Republikaner soll heute Nacht Ann Romney dieses Problem lösen. Ihre Rede soll ihrem Mann die fehlenden Sympathiepunkte einbringen. Mit was sie aufwarten wird, um ihren Mann menscheln zu lassen, könnte ein Foto zeigen, das ein Fotograf von ihrem Notizblock schoss. Darauf steht ein Vers aus dem 5. Buch Mose: „Darum gebiete ich dir und sage, dass du deine Hand auftust deinem Bruder, der bedrängt und arm ist in deinem Lande.“

Seien Sie gnädig heute Abend

Oliver Stock

Kommentare (4)

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Orlando2101

28.08.2012, 19:05 Uhr

...Abteilungs-Egoismen... Stimmt! Ganz schlimm!

Account gelöscht!

28.08.2012, 21:29 Uhr

...gibts wirklich noch Zocker, die diesmal mit Spaniern hebeln? MF-Global hatte sich mit den Italienern überhoben.
Oder hat da Einer ganz schnell auf dieses Urteil reagiert:

http://www.wirtschaftsfacts.de/?p=23986

Dann kann man nur einstimmen: Jetzt geht´s los!

Hier sieht man, wie weit die Realität unseren Verantwortlichen voraus ist.
Wenn man sich schon paralmentaristische Macht anmasst, sollte man sicherstellen können, dass diese i m m e r zum Gemeinwohl einsetzbar ist. Da man das o f f e n b a r nicht kann, müsste man die Macht an das Volk zurückgeben.
Tut man das nicht, werden Blut und Tränen fliessen, die Gesellschaft zerstört. Da hilft auch eine executive Macht, frisch vom Verfassungsgericht freigezeichnet, nicht den Frieden zu bewahren: Unterdrückung bis zum Tod. Mann, wie blöde muss eine Gesellschfaft sein, die nichts aus der Geschichte lernt.

Account gelöscht!

28.08.2012, 21:32 Uhr

Sorry, falscher Link, hier der richtige:
http://www.wirtschaftsfacts.de/?p=23926

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