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17.06.2015

19:37 Uhr

Was vom Tage bleibt

Ist es gut, Putin zu ächten?

VonOliver Stock

Europa sanktioniert Russland, Draghi grübelt über Notkredite, und bei Goldman müssen Praktikanten schon um Mitternacht gehen. Was heute geschehen ist, lesen Sie hier.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Die Leiter rauf

Europa verlängert die Wirtschaftssanktionen gegen Russland bis nächstes Jahr. Die Entscheidung fiel heute in Brüssel einen Tag bevor in St. Petersburg ein Wirtschaftsforum beginnt, das angesichts der Sanktionen weniger international ausfällt als in vergangenen Zeiten. Und einen Tag nachdem Putin angekündigt hat, den Nato-Truppen im Baltikum Raketen in Russland gegenüberzustellen. Das alles ist die Sprache der Eskalation. Oder um es mit Hans-Dietrich Genscher zu sagen: Wer die Leiter immer weiter hinauf klettert, kann irgendwann nur noch springen.

Draghis Zwickmühle

Mario Draghi steckt in heikler Lage: Seit Monaten hängen Griechenlands Banken am Tropf der Europäischen Zentralbank. Würde Draghi den Geldhahn zudrehen, bevor sich Griechenland mit dem Rest der Welt auf ein Reformpaket geeinigt hat, säßen die Banken auf dem Trockenen. Griechenland wäre pleite und Draghi wäre schuld. Das will er nicht. Und deswegen fließt Geld in Form von Notkrediten. Heute sind es wohl wieder ein paar Milliarden. Er mache dies, sagte Draghi, solange die griechischen Banken solvent seien und im Gegenzug für seine Kredite Sicherheiten vorweisen könnten. Sicherheiten sind unter anderem griechische Staatsanleihen. Damit beißt sich die Katze in den Schwanz: Die Staatsanleihen taugen nur solange etwas, wie die griechischen Banken noch funktionieren. Brechen sie zusammen, wanken auch die Staatspapiere. Sie als Sicherheit zu akzeptieren, ist schon gewagt. Draghi und die EZB finanzieren mit ihren in Wahrheit ungedeckten Notkrediten indirekt einen Staat – und das ist verboten. Als Mann, der sich an Regeln hält, müsste der EZB-Präsident aussteigen aus diesem Spiel. Als Pragmatiker, der nicht der Erste sein will, der den Stein wirft, macht er jedoch lieber mit. Je länger das Spiel dauert, desto höher ist der Einsatz. Es wird Zeit, dass Draghi das Spiel beendet.

Westfälischer Frieden

Die westfälischen Sparkassen braten sich lieber doch keine Extrawurst: Im Streit um den Haftungsverbund, der die gegenseitige Stützung von Sparkassen und Landesbanken sichert, geben sie nach und machen eine Rettung auch von Landesbanken grundsätzlich möglich. Warum die Westfalen allerdings erst drohen und dann einknicken, bleibt ihr Geheimnis. Vermutlich sollten sich die Verbandsfürsten an einem stillen Ort darüber unterhalten. Wenn der ein Boxring ist, würde die Kulisse passen.

Frankreichs Waterloo

Wenn sich morgen zum 200. Mal der Untergang der napoleonischen Armee im Morast unweit des Städtchens Waterloo vor den Toren Brüssels jährt, nehmen das die Belgier zum Anlass für ein spielerisches Schlachtenspektakel im Beisein ihres Königs – und für eine Euro-Münze, die die Nachbarnation bei der Ehre packt. Das Geldstück zeigt den „Löwenhügel“, jene Erderhebung samt Denkmal, die für den Sieg der alliierten Truppen unter dem britischen Heerführer Wellington und dem preußischen General Blücher über den verhassten französischen Kaiser steht. Doch dürfen Brüder im europäischen Geiste einander so etwas antun? Nein, befand die Regierung in Paris: „Münzen mit einem Symbol, das für einen Teil der europäischen Bevölkerung negativ ist, erscheinen uns schädlich.“ Ich frage mich nur, ob nicht jede Euro-Münze, die eine Athener Eule auf der Rückseite trägt, noch schädlicher sein könnte.

Bei Goldman müssen Praktikanten früher heim

Bei der US-Investmentbank Goldman wird eine neue Regel eingeführt. Sie heißt: Praktikanten müssen um Mitternacht nach Hause geschickt werden und dürfen nicht vor sieben Uhr morgens wiederkommen. Wir atmen auf. Von Ausbeutung kann jetzt wirklich keine Rede mehr sein.

Ü21

Heute Abend hat die U21-Mannschaft ihren ersten Auftritt bei der Fußball-Europameisterschaft. Es gibt zwei bemerkenswerte Umstände: Das Durchschnittsalter der U21-Mannschaften liegt in der Regel Ü21. Und der Durchschnittswert der Spieler ist so hoch, dass im Fall Deutschlands insgesamt 164 Millionen Euro herauskommen. Damit ist die Weisheit bestätigt: Je oller, je doller. Dass das so früh schon losgeht, wusste ich bisher nicht.

Einen dollen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

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