Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.11.2014

19:05 Uhr

Was vom Tage bleibt

Keine Angst mehr vor der Opec

VonStefan Menzel

Die Opec entscheidet über die Kürzung ihrer Fördermengen, Uber wird zum Milliarden-Renner. Der Tolino fordert den Kindle heraus, Coca-Cola verkauft Milch und der Dax schnellt nach oben. Der Tagesrückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Billiger Treibstoff

Öl ist nicht nur der Schmierstoff der Weltwirtschaft, sondern auch der große Gesprächsstoff dieser Woche. Die Opec entscheidet am Donnerstag in Wien über ihre Förderquoten. Und es wird ein Treffen in größter Not: Weltweit gibt es im Moment einfach zu viel Öl, die Preise sind seit dem Sommer um ein Viertel gefallen. Saudi-Arabien, das wichtigste Mitgliedsland des Öl-Kartells, hat bereits im Vorfeld des Treffens durchsickern lassen, dass die Fördermengen nicht verändert werden sollen. Die Saudis nehmen die niedrigen Preise in Kauf, damit sie ihre Marktanteile halten können. Freuen wir uns doch darüber – der Stopp an der Tankstelle wird von Tag zu Tag günstiger.

Geldspirale

Die Zahlen lassen jeden schwindelig werden. Der amerikanische Taxi-Anbieter Uber würde an der Börse mit 40 Milliarden US-Dollar bewertet werden, sollte das Unternehmen eines Tages tatsächlich den Gang an die Börse wagen. Andererseits vergeht kein Tag, an dem keine Negativmeldungen um die Welt gehen. Keine Genehmigung in Paris, großer Widerstand gegen Uber in Berlin. Natürlich stehen hinter der Börsenbewertung von 40 Milliarden Dollar noch gewaltige Fragezeichen. Aber es geht um das Potenzial, das das Unternehmen wegen seiner Verbindung von Transport und intelligenter IT besitzt. Und dann sind 40 Milliarden durchaus gerechtfertigt. Zumal es heute noch einen ganz großen Unterschied zum ersten Internet-Boom rund um die Jahrtausendwende gibt: Heute hat sich das Internet wirklich durchgesetzt. Niemand zweifelt mehr daran, dass sich rund ums Netz wunderbare Geschäfte machen lassen.

Herausforderer

Deutsche Unternehmen sind schlecht, nur die Amerikaner können richtig was. Das gelte besonders bei IT-Innovationen, wo die Deutschen kaum etwas zu bieten hätten. Das ist eigentlich die Standardmeinung in der Bundesrepublik. Doch ein genaueres Hinsehen lohnt sich. Da gibt es beispielsweise den E-Reader Tolino, den deutsche Buchhändler unter Führung der Thalia-Gruppe auf den Markt gebracht und durchgesetzt haben. Der Tolino muss sich überhaupt nicht hinter dem Kindle des Internetriesen Amazon verstecken. In Deutschland geht also doch etwas. Wer zu früh aufgibt, der verspielt seine großen Chancen.

Kunstmilch

Auch ein riesiger Konzern wie Coca-Cola muss sich immer wieder etwas Neues einfallen lassen. Jetzt versuchen sich die Amerikaner an einer Art Milchgetränk, dem „Fairlife“. Der vermeintliche neue Verkaufsschlager lohnt sich für Coca-Cola allerdings nur, wenn der Preis deutlich über dem vergleichbarer Milchprodukte liegt. Die Rechnung geht dann so: Coca-Cola verspricht 30 Prozent weniger Zucker, mehr Eiweiß und mehr Kalzium, das dann aber bei doppeltem Preis. Darauf kann es eigentlich nur eine Antwort geben – danke, absolut verzichtbar. Die ganz normale Milch tut’s auch.

Am Gipfel

Ein neuer Höhenrausch zeichnet sich ab. Am Mittwoch hat der Dax schon die Marke von 9900 Punkten genommen. Es dürfte nicht mehr lange dauern, dann klettert Deutschlands wichtigster Aktienindex auch über die psychologisch wichtige 10.000er-Marke. Natürlich ist für diese Entwicklung auch die lockere Geldpolitik der Notenbank verantwortlich. Aber es gibt noch eine andere Erklärung: Den deutschen Unternehmen geht es immer noch sehr gut. Die Ukraine-Russland-Delle haben sie einigermaßen verdaut, für 2015 verbessern sich die Perspektiven wieder. Beim Dax dürfte es also noch länger aufwärts gehen.

Genießen Sie diese Perspektiven und freuen Sie sich über einen erholsamen Abend. Es grüßt Sie herzlich

Stefan Menzel

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×