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04.09.2012

17:39 Uhr

Was vom Tage bleibt

Keine Gnade für Berliner Bruchpiloten

VonFlorian Kolf

Die Posse um den neuen Berliner Flughafen wird immer peinlicher, die griechische Regierung ringt um Glaubwürdigkeit, die Deutsche Bank zeigt ungewohnte Selbstkritik und Minister Altmaier heizt mit Hüftspeck.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Dilletanten-Stadel in Berlin

Es war heute mal wieder kein guter Tag für Flugreisende. Nicht genug, dass der eskalierende Tarifstreit der Lufthansa mit ihren Flugbegleitern bis mittags schon zum Ausfall von mehr als 200 Flügen geführt hat. Nun kam heute auch noch raus, dass der Start des neuen Hauptstadtflughafens in Berlin erneut verschoben wird - auf voraussichtlich Oktober 2013. Besonders peinlich: Aufsichtsrat Matthias Platzeck, zugleich Brandenburgs Ministerpräsident, plauderte die Verschiebung in der Presse aus, obwohl erst am Freitag der Aufsichtsrat darüber entscheiden soll. Falls diese Posse jemals ein gutes Ende finden sollte, muss jetzt ein klarer Schnitt gemacht werden. Der Rücktritt von Platzeck und auch von Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit aus dem Aufsichtsgremium der Flughafengesellschaft wäre ein guter Anfang.

Hic Rhodus, hic salta

Das Misstrauen von Finanzminister Wolfgang Schäuble gegenüber seinem griechischen Amtskollegen muss riesig sein. Anders ist es nicht zu erklären, dass er anlässlich des Besuchs von Ioannis Stournaras seinen Sprecher verkünden ließ, dass Griechenland seine Verpflichtungen vollständig umsetze müsse. Darauf habe Schäuble Stournaras "nochmals hingewiesen". In der Tat haben die wechselnden griechischen Regierungen bisher immer gern das Geld der Partner genommen, sich mit den Reformen aber Zeit gelassen. Wie heißt es in der Fabel des griechischen Dichters Äsop: "Hic Rhodus, hic salta". Zu deutsch: Nicht mehr reden, handeln!

Fatale Schicksalgemeinschaft

Es war ein denkwürdiger Auftritt für einen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank. Jürgen Fitschen, Co-Chef des Instituts, zeigte sich auf der Handelsblatt-Tagung "Banken im Umbruch" ungewohnt selbstkritisch. Er räumte ein, dass die Bank in der Vergangenheit immer wieder der Versuchung erlegen sei, nur auf Gewinnmaximierung zu achten - und versprach erneut einen Kulturwandel. Und auch die fatale Abhängigkeit zwischen Finanzbranche und Staaten sprach er an: „Ein Kernproblem, was wir haben, ist, diese Schicksalsgemeinschaft ein- für allemal zu lösen.“ Doch auch hier gilt: Den Worten müssen noch Taten folgen.

Akute Ansteckungsgefahr

Viele behaupten, die Schweiz könne sich von den Problemen der Euro-Zone abkoppeln, weil sie den Euro nicht habe - und schließen daraus, Deutschland müsse nur den Euro abschaffen und sei alle Probleme los. Weit gefehlt. Aktuelle Daten zeigen, dass auch die Schweizer Wirtschaft jetzt deutliche Bremsspuren zeigt. Dabei hat ihr sogar noch geholfen, dass sie den Franken mit einer festen Untergrenze an den Euro gebunden hat. Das zeigt: Nationalistische Reflexe helfen nicht, wir müssen in der global verflochtenen Wirtschaft die Probleme gemeinsam lösen - ob wir wollen oder nicht.

Was fehlt? Energiewende absurd: Bundesumweltminister Peter Altmaier kann seinem Übergewicht auch Positives abgewinnen: „Mit meiner Figur kann ich im Winter die Heizung problemlos drei Grad niedriger stellen“, sagte er heute auf einer Konferenz und pries sich selber als "lebendes Beispiel für Nachhaltigkeit". Will der Mann mit seiner Politik nicht mehr ernst genommen werden?

Ich wünsche Ihnen einen Feierabend, an dem Sie hoffentlich nicht in die Luft gehen müssen.

Florian Kolf

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Kommentare (3)

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petersilie

04.09.2012, 18:01 Uhr

Peter-Prinzip: weshalb sollte BER davon verschont sein?

Sarina

04.09.2012, 18:31 Uhr

+++ Beitrag von der Redaktion entfernt +++

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so_what

05.09.2012, 01:12 Uhr

"Und auch die fatale Abhängigkeit zwischen Finanzbranche und Staaten sprach er an: „Ein Kernproblem, was wir haben, ist, diese Schicksalsgemeinschaft ein- für allemal zu lösen.“ Doch auch hier gilt: Den Worten müssen noch Taten folgen."

Es gibt Banken, die diese Abhängigkeit sogar noch bewußt intensivieren und schwappt forciert nach Europa und Brüssel über

siehe:

http://videos.arte.tv/de/videos/goldman-sachs-eine-bank-lenkt-die-welt--6894428.html

eine Sendung letzten Abend auf ARTE


Es wäre da noch eine Lücke zu füllen beim HB, nämlich täglich in einem "Kasten" auf interessante Sendungen aus Politik, Wirtschaft, Finanzen und verwandtes hinzuweisen.


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