Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.05.2013

18:27 Uhr

Was vom Tage bleibt

Kennt Regulierungswut denn keine Grenzen?

VonFlorian Kolf

Die EU-Kommission meint, sie könnte Unternehmen Preise und Service vorschreiben, das Bundeskabinett entscheidet über fremde Gehälter und der Adidas-Chef gerät in Erklärungsnot. Der letzte Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Bevormundung ohne Grenzen

Gut gemeint ist leider noch lange nicht gut gemacht. Als Beweis für diesen Satz muss leider immer mal wieder die EU-Kommission herhalten. Jüngstes Beispiel: Per Gesetz soll künftig jeder Bürger mit Wohnsitz in der EU das Recht auf ein eigenes Girokonto haben. So weit so gut, wird doch Millionen von Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen ein Konto verwehrt, was ihr tägliches Leben extrem erschwert. Doch in ihrer Regulierungswut wollen die Brüsseler Bürokraten den Banken gleich dutzende weitere Pflichten auferlegen - von der Gebührenvergleichswebsite bis zum Full-Service beim Bankwechsel. Kennt denn die Bevormundung keine Grenzen?

Rückfall in finstere Zeiten

Nein, kennt sie nicht. Die EU glaubt jetzt auch zu wissen, was der angemessene Preis für Solarzellen aus China ist. Deshalb greift sie mal eben in den internationalen Handel ein und plant Schutzzölle von bis zu 68 Prozent gegen die chinesischen Hersteller. Natürlich ist auch dieser Rückfall in die finstersten Zeiten der Handelskriege nur gut gemeint und soll europäische Unternehmen vor unfairer, weil staatlich subventionierter Konkurrenz bewahren. Das Problem nur: Solche staatlichen Eingriffe in den Freihandel schaden auf lange Sicht allen Beteiligten. Man denke nur an die vielen deutschen Zulieferer für chinesische Solarunternehmen, bei denen diese Maßnahme Arbeitsplätze vernichten wird. Aber vielleicht hilft denen dann der nächste Eingriff der EU.

Symbolpolitik, die keinem hilft

Aber nicht nur die EU will ständig Dinge regulieren, die die direkt Beteiligten besser selber regeln könnten. So hat das Bundeskabinett jetzt strengere Regeln für die Vergütung von Top-Managern in deutschen Aktiengesellschaften beschlossen. Demnach soll die Hauptversammlung einmal jährlich über die komplette Vergütung des Vorstands entscheiden und nicht mehr wie bisher der Aufsichtsrat. Auch das klingt nur auf den ersten Blick gut und wird in der Praxis scheitern. Warum sollte eine Hauptversammlung, auf der in der Regel de facto wenige große Investoren das Sagen haben, eher die Vorstandsgehälter beschneiden als ein zur Hälfte mit Belegschaftsvertretern besetzter Aufsichtsrat? Das ist mal wieder Symbolpolitik, die keinem hilft.

Reputationsschaden

Dass Hauptversammlungen auch ganz ohne staatliche Vorschriften unangenehm für den Vorstandschef werden können, zeigte sich heute bei Adidas. So musste sich Adidas-Chef Herbert Hainer dafür rechtfertigen, dass er in seiner Funktion als Aufsichtsrat von Bayern München nicht dafür gesorgt hat, dass Uli Hoeneß wegen der Steuerbetrugsermittlungen seine Ämter im Verein ruhen lässt. Aktionärsvertreter sorgen sich, dass ein Reputationsschaden für den Sportartikelkonzern entstehen kann, der immerhin mit rund neun Prozent an dem Fußballklub beteiligt ist. Zurecht. Wer seinen eigenen Mitarbeitern das Einhalten von Regeln und Gesetzen vorschreibt, darf beim Geschäftspartner da kein Auge zudrücken. Denn sonst wird er unglaubwürdig.

Was fehlt? Dies ist mein letzter Beitrag für die Kolumne "Was vom Tage bleibt". An meiner Stelle wird ab nächster Woche Stefan Menzel den Tag für Sie zusammenfassen. Ich werde künftig für das "Handelsblog" auf Handelsblatt Online schreiben. Dort betrachten wir die Wirtschafts- und Finanzwelt aus einem anderen Blickwinkel, spießen Unwahrheiten und überraschende Fakten auf und hinterfragen alte Glaubenssätze. Wenn Sie Ideen für Geschichten haben, schreiben Sie mir unter kolf@handelsblatt.com. Ich freue mich über jede Anregung.

Ich wünsche Ihnen einen erlebnisreichen Feiertag und weiterhin viel Spaß mit "Was vom Tage bleibt".

Florian Kolf

Diskutieren Sie mit dem Autor auf Facebook

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

10.05.2013, 14:04 Uhr

Herr Kolf,
Sie müssen endlich eines begreifen:
Wir haen längst auf ganzer Linie eine 2. DDR das ght hin bis nach Brüssel.
Und wenn dies nicht endlich beenden, haben wir bals eine Diktaur in Gänze
Sie, die Journalisten, wären dazu in der Lage, diese Zustände täglich zu kritisieren, anstatt ständig staatskonform zu berichten

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×