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12.04.2012

18:38 Uhr

Was vom Tage bleibt

Kinder kriegen lohnt sich wieder

VonOliver Stock

Großeltern sollen eine staatlich finanzierte Auszeit nehmen dürfen, meint die CDU. Dass an der Außentür die Eurokrise wieder anklopft, schert sie nicht. Der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Vier minus für Italien

Die Schuldenkrise ist alles - nur nicht vorbei. Wie sehr sich die Lage zuspitzt, haben heute die Italiener erfahren. Sie begaben eine Anleihe. Das Ergebnis wäre in Schulnoten eine vier minus gewesen, gerade noch so durch also. In harten Fakten sieht es so aus: Die Italiener wollten mit neuen Anleihen fünf bis sechs Milliarden Euro einnehmen – das haben sie gerade so geschafft, allerdings zu deutlich höheren Zinsen. Die durchschnittliche Rendite für Papiere mit Laufzeit bis März 2015 lag bei 3,89 Prozent, nach zuletzt 2,76 Prozent. Das ist kein Debakel, aber es ist der höchste Wert seit Mitte Januar. Von diesem Bond setzte Italien rund 2,9 Milliarden Euro ab. Zudem wurden mehrere Anleihen mit Laufzeiten über drei, acht und elf Jahre im geplanten Volumen von zwei Milliarden Euro aufgestockt. Insgesamt nahm das hoch verschuldete Land knapp 4,9 Milliarden Euro ein. Italien war zuletzt wie Spanien wieder stärker in den Fokus der Finanzmärkte gerückt. Jetzt wissen wir: Regierungschef Mario Monti ist zwar kein Zauderer, was das Sparen anbelangt. Ein Zauberer ist er aber auch nicht. Es wird dauern, bis die Römer wieder in Form sind.

Rettungsklage

Der Euro steht deswegen weiter unter Rettungsverdacht. Den Widerstand dagegen gab es schon immer. Bisher kam er meistens von ziemlich weit rechts und ziemlich weit links. Jetzt kommt er auch aus der Mitte: Die ehemalige SPD-Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin kündigt an, den geplanten Euro-Rettungsschirm ESM und den Fiskalpakt vor das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe zu bringen. Sie ist überzeugt, dass beides gegen das Grundgesetz verstößt, weil die Maßnahmen das Haushalts- und Kontrollrecht des Bundestags beschneiden. Sie beruft sich auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Griechenland-Hilfe. Darin hätten die Richter festgelegt, dass der Bundestag sein Budgetrecht nicht in der Substanz aufgeben dürfe. Die Dame soll Recht bekommen. Voraussetzung: Sie will nicht das Projekt Euro verteufeln, wie die Herren und Damen vom rechts und links, sondern sie will wirklich, was sie vorgibt - nämlich bei aller Euro-Rettung die Demokratie hochhalten.

Welcher Unternehmergeist?

„Sony wird sich verändern“, sagte der neue Konzern-Chef Kazuo Hirai heute. Mit einem Sparplan, neuen Geschäftsfeldern und einer Aufholjagd im Handygeschäft will er den schwankenden Elektronikriesen zurück zu alter Größe führen. Seit vier Jahren schreibt Sony Verluste, zuletzt erreichte der Fehlbetrag fast fünf Milliarden Euro. Die neuen Sonys heißen Apple oder Samsung. Hirai soll gerne allen Erfolg haben, den er braucht. Das wird er allerdings nicht, wenn er den zweiten Satz, den er heute sagte, auch verfolgt: „Sony war immer eine Firma mit Unternehmergeist, daran wird sich nichts ändern“, erklärte er. Gerade vom Unternehmergeist haben wir im alten Europa bei Sony in den vergangenen fünf Jahren aber wenig verspürt.

Seufzer in München

Der Deutschlandkenner Giuseppe Vita könnte mit 76 Jahren neuer Verwaltungsratspräsident der italienischen Großbank Unicredit werden und damit den Österreicher Dieter Rampl beerben. Der studierte Arzt und Radiologie-Experte Vita war unter anderem Vorstands- und Aufsichtsratschef bei Schering in Berlin. Seit etwa zehn Jahren ist Vita Aufsichtsratsvorsitzender der Axel Springer AG. Er leitet auch den Verwaltungsrat der italienischen Allianz-Tochter. Seine Wahl wäre ein Bekenntnis der Italiener zu Deutschland. Bei der Münchner Hypo-Vereinsbank, wo einige immer weniger wussten, wie fest sie zur Unicredit gehören, wird das zu einem Erleichterungsseufzer führen.

Kinder, wird das schön!

Jungfamilien aufgepasst! Wenn die Eltern darauf drängen, dass endlich die nächste Generation an Nachwuchs kommt, dann haben sie demnächst für ihren nachdrücklichen Wunsch einen guten Grund - die Genehmigung zur Auszeit vom Beruf. Nach dem Vorbild der Elternzeit will die CDU eine Großelternzeit einführen. Der Parteivorstand legt dazu einen Entwurf vor, in dem es heißt: „Analog zur dreijährigen Elternzeit werden wir eine Großelternzeit einführen, damit Großeltern leichter eine Auszeit vom Beruf nehmen können, wenn sie sich um ihre Enkel kümmern.“ Kinder, was wird das schön! Wir freuen uns schon auf die Diskussion um jene Großeltern, die dank medizinischem Fortschritt und später Geburtsfähigkeit Eltern- und Großelternzeit unmittelbar nacheinander nehmen wollen.

Denken Sie ans Elterngeld oder an sonst etwas heute Abend

Oliver Stock

Kommentare (4)

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watsolles

12.04.2012, 19:55 Uhr

Passt geanu zu meinem heutigen Bankerbesuch. Auf seinem Schreibtisch stand ein Plakat mit der Aufschrift -- Kinder haften für ihre pflegebedürftigen Eltern--. Na dann macht mal viele Kinder, dami eure Heim-Pflege gesichert ist. Was für eine saublöde Überschrift. Verhüten ist besser als haftende Kinder in die Welt setzen.

Account gelöscht!

12.04.2012, 22:32 Uhr

Der Witz ist doch, dass die Geburtenrate a, höchsten war (19. Jh.) als die Familienförderung am niedrigsten war. Könnte man ja mal drüber nachdenken...

Account gelöscht!

12.04.2012, 22:35 Uhr

Die Geburtenrate war am höchsten, als die Förderung am niedrigsten war. Könnte man mal drüber nachdenken, oder? Noch mehr Förderung ist blanker Unfug und eine Beleidigung für uns erfolgreich arbeitende Deutsche, ein billiger Manipulationsversuch.

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