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27.05.2014

18:57 Uhr

Was vom Tage bleibt

Kommt die AfDU?

VonOliver Stock

Die CDU will nicht mit der AfD, oder doch? Lebensversicherungen leiden an zunehmender Kurzlebigkeit. Sparkassen leiden unter der Aufsicht. Und Löw leidet unter Führerscheinentzug. Der Tagesbericht.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Schwarz-blaue Farbenlehre

Als die Union nach dem Wahlsonntag zusammenkam, um die Ergebnisse der Europawahl zu besprechen, ließen deutliche Töne der Kanzlerin in Richtung AfD nicht lange auf sich warten. Auch wenn die Partei nun in das Europäische Parlament einrücke, werde es keinerlei Zusammenarbeit geben, gab Angela Merkel die Marschrichtung vor. Dafür erntete sie Beifall. Die, die da applaudierten, sind jedoch nicht die, die die nächsten Wahlen bestehen müssen: Sachsen, Brandenburg und Thüringen wählen noch im Sommer, und die AfD wird dort laut Umfragen den Sprung in die Länderparlamente schaffen. Oft zu Lasten der CDU. Und genau die Lastenträger sind es, die sich jetzt beim Beifall-Spenden für Angela raushalten. Rot-rot-grün lässt sich mit schwarz allein kaum aufhalten. Ein bisschen blau dazu, könnte deutlich mehr der neuen, noch inoffiziellen Farbenlehre der Union entsprechen. Das hat dann sowas Schillerndes.

Der Postenzauber

Wenn Juncker Chef der Europäischen Kommission wird, darf Schulz nicht mit leeren Händen da stehen. Wenn aber kein Deutscher Präsident wird, darf der deutsche Kommissar Oettinger bleiben. Schon daran sehen wir: Es geht um Parteibuch, Herkunft, Religion und Geschlecht, wenn es darum geht, wer welchen Posten in Europa übernimmt. Und es geht auch hier darum, was Merkel will. War das jemals anders? Bei der sagenumwobenen Tafelrunde von König Artus bewirkte angeblich Merlins Zauber, dass man über den noch unbesetzten Plätzen die Namen künftiger Ritter lesen konnte. Wir müssen an sich nur die „Tafelrunde“ durch „Kommission“ und „Merlin“ durch „Merkel“ ersetzen. Viel Spaß beim Rätseln.

Wenn die Regierung zum Risiko wird

Langlebigkeitsrisiko bedeutete einmal die Gefahr, dass ein Versicherter lange lebt. Für die Versicherung kommen solche Fälle teuer. Weil das immer häufiger eintritt, sind manche Versicherer und möglicherweise das ganze Produkt Lebensversicherung inzwischen einem gewissen Kurzlebigkeitsrisiko unterworfen. Damit es mit allen nicht ganz plötzlich zu Ende geht, greift die Bundesregierung nun ein mit dem Ziel, die Branche zu stabilisieren. Schließlich springen die Versicherer dort ein, wo die staatliche Rente schon lange nicht mehr ausreicht. Stabilisieren heißt in diesem Fall, dass die Kunden mit weniger rechnen müssen. Wie das alles zusammenpasst mit einer Lebensarbeitszeit, die die Bundesregierung nun auch gerade verkürzt hat, weiß höchstwahrscheinlich nicht einmal die Regierung selbst.

Wer zahlt für die Aufsicht?

Eine „gute Bankenaufsicht kostet gutes Geld“, sagt Michael Kemmer, seines Zeichens Geschäftsführer des Bankenverbands. Er findet es deswegen okay, wenn alle, wie heute von der Europäischen Zentralbank verordnet, dafür zahlten. Auch die, die der neuen EZB-Aufsicht gar nicht unterliegen. Eine Rechnung, die auch diejenigen begleichen sollen, die von der EZB-Aufsicht gar nicht betroffen sind, sei ein weiterer Schritt hin zur „Vollkasko-Mentalität für international tätige Großbanken“, meint dagegen Georg Fahrenschon, seines Zeichens Sparkassenpräsident. Haben die beiden eigentlich gemerkt, dass ihre Zuhörer ihre Kunden sind? Sie führen sich auf, als hätten sie es mit Wählern zu tun.

Trainer ohne Führerschein

Joachim Löw hat keinen Führerschein mehr. Er war zu schnell unterwegs. Glück im Pech: Der Mann ist bis nach der WM Fußballtrainer, Taxifahrer ist allenfalls für den Frühherbst eine Option.

Einen stillvergnügten Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (3)

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27.05.2014, 19:21 Uhr

AfDU wäre das Ende der AfD. Wir wollen uns von Mutti doch nicht totdrücken lassen. Wenn wir mal 25% haben, dann kann man ja noch einmal darüber nachdenken, mit einer erneuerten CDU als Juniorpartner. Die haben ja auch ein paar vernünftige Leute, die sich aber heute unter Todesgefahr nicht zeigen dürfen.
Was da mit den Kandidaten in der EU abläuft ist ein echtes Schauermärchen. Haben die denn immer noch nicht verstanden? Die Menschne wollen keinen Juncker und auch keinen Schulz und schon gar keinen Oettinger und keinen Stoiber. Die haben uns doch alle reingeritten und sind verantwortlich für die Krise der EU. Und jetzt sollen die wieder ans Steuer gelassen werden. Wir wollen neue Leute, neue Ideen und neue Konzepte. Juncker war der MP eines parasitären Staates, eines Steuerparadieses, der ist für Eurobonds, der will dass Deutschland zahlt. Geht's noch?

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27.05.2014, 20:30 Uhr

Lieber Herr Stock,

heute sind 100 Menschen - die Hälfte Zivilisten - in der Ukraine getötet worden. Die Pro-EU-Regierung führt Krieg gegen die eigene Bevölkerung. Die Pro-EU-Regierung in Kiev sagt: Wir hören nur auf, wenn alle tot sind.

Denken Sie nicht, Herr Stock, dass dieser Mord zumindest im "Was vom Tage bleibt" nennenswert war? Denken Sie der Führerschein vom Herrn Löw sei wichtiger als der Mord an Menschen?

Account gelöscht!

28.05.2014, 09:44 Uhr

der neue Präsident hat es gesagt: es herrscht Krieg. Terrorbanden haben die Bevölkerung als Geiseln genommen. Der Regierung bleibt ja nichts anderes übrig, als gegen die Terroristen vorzugehen. Wenn diese sog. Separatisten einen Flugplatz erobern (vermutlich friedlich?) und andere Gebäude und Einrichtungen zerstören, Menschen an der Ausübung ihres Wahlrechts hindern, dann finden sie das richtig?

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