Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.05.2012

18:34 Uhr

Was vom Tage bleibt

Kraft und Verschwendung

VonOliver Stock

Griechenland ist überall. Dimon opfert seine besten Leute. Loewe freut sich aufs jüngste Gerücht. Und wer eine Meinung hat, muss leiden. Der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Ziemlich beste Freunde

Das Griechenland-Virus ist überall. Auch in Nordrhein-Westfalen. Dort hat sich mit Rot-Grün jene Regierung in den Wahlen durchgesetzt, die fürs Schuldenmachen steht. Eine Truppe unter Führung von Hannelore Kraft, der in der vergangenen Legislaturperiode der Haushalt um die Ohren geflogen ist, weil er jenseits von allem lag, was die Landesverfassung noch so eben her gab. Um die Sparkanzlerin Merkel wird es damit immer einsamer. Wie allein sie steht, kann sie morgen testen, wenn der neue Präsident von nebenan, François Hollande, vorbeischaut. Mehr als ziemlich beste Freunde werden die beiden niemals sein.

Was Schäuble über Juncker denkt

Griechenland ist überall. Auch in Madrid. Dort rechnete der Finanzminister heute nach und stellte fest, dass er für zehnjährige Anleihen mehr als sechs Prozent Rendite versprechen musste, damit die Dinger überhaupt noch jemand kauft. Für diesen Preis aber kann sich kein Land Geld leihen, das verhindern möchte, nicht durch neue Schulden tiefer in den Sumpf zu rutschen. Deswegen stehen Spanien und Griechenland heute Abend auch noch auf der Themenliste der EU-Finanzminister. Wenn sie dann noch Zeit haben, werden sie sich auch darüber verständigen, ob Wolfgang Schäuble anstelle von Jean-Claude Juncker die Euro-Gruppe anführen soll. Falls er es macht, wird er es anders machen als sein Vorgänger: Juncker durfte vergrößern, Schäuble muss verkleinern. Vielleicht wird er deswegen manchmal sogar über seinen Vorgänger fluchen.


Dimon opfert Topmanager


JP Morgan, die bis letzte Woche untadlige Bank, zieht die Konsequenz daraus, dass der Ruf ruiniert ist: Investmentchefin Ina Drew geht. Mindestens zwei weitere Topmanager sollen folgen. Drew hat die Bank tadellos durch die Finanzkrise gesteuert. Jetzt ist in ihrer Abteilung der Zwei-Milliarden-Verlust entstanden. Bankchef Jamie Dimon präsentiert damit eine Schuldige, bevor er morgen zur Hauptversammlung vor die Aktionäre tritt. Drew ist nicht Danton, den die französischen Revolutionäre auf dem Schafott opferten. Aber auch ihr ist entglitten, was einst hoffnungsvoll begonnen hatte.

Fernsehtaugliches Gerücht

Manche Gerüchte sind ganz angenehm. Zum Beispiel das, dass Apple Appetit auf den fränkischen Luxus-Fernsehhersteller Loewe hat. Alles würde passen: Loewe ist der kleine Besondere im deutschen Markt. Geld können die Franken auch gut brauchen. Und wenn Apple einen Fernseher konstruiert, hätte es mit Loewe einen willigen, aber feinen Partner gefunden. Prompt machte Loewe dem Gerücht auch nur halbherzig ein Ende: Dem Management lägen "aktuell keine Informationen vor, dass sich Apple finanziell an Loewe beteiligen will", sagte ein Sprecher. Wer weiß, was das Management nicht weiß, dachten sich die Aktionäre und schickten die Loewe-Aktie heute auf einen fernsehtauglichen Höhenflug.

Die Rache der Hacker

Die Hacker-Gruppe Anonymus hat sich die 6000 Unterzeichner der Urheberrechts-Kampagne "Wir sind die Urheber!" vorgenommen und persönliche Daten bis hin zur Telefonnummer prominenter Unterzeichner veröffentlicht. Charlotte Roche, Rammstein-Sänger Till Lindemann, Günther Wallraff gehören zu den Opfern. Sie sind sauer. Anonymus lässt mitteilen: "Fuck your Copyright". Fazit: Wer zu seiner Meinung steht, muss leiden können. Das wusste Danton am Ende auch. Er kam dafür ins Pantheon der Geschichte.

Einen meinungsfreudigen, aber leidensfreien Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

leser

14.05.2012, 20:04 Uhr

Sehr geehrter Herr Stock,

Kraft und Verschwendung bedeutete, sowohl Kraft wie auch Verschwendung zu unterschätzen.

Nun gilt: das mag als comme il faut gelten.

Selbstachtung im Umgang von Menschen miteinander wird ein künftig auch börslich als kaum notables Gut gelten.

Gehen wir also voran, ungeachtet der Selbstverachtung vieler Zeitgenossen.

Ob es besser wird?

Schaun mer mal.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×