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29.10.2013

18:45 Uhr

Was vom Tage bleibt

Kulturwandel nach Art des Hauses

VonOliver Stock

Die Deutsche Bank macht nicht, was die niederländische Rabobank macht. Anleger haben Lust auf Dax-Firmen. Die Rentenbeiträge könnten sinken. Und Bischof Tebartz-van Elst winkt ein Ablasshandel. Der Tagesbericht.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Ein Problem, zwei Lösungen

Wegen des Libor-Skandals tritt Rabobank-Chef Piet Moerland zurück. Der Co-Chef der Deutschen Bank Anshu Jain hingegen bleibt. Moerland findet eindeutige Worte: Er wolle ein Zeichen setzen, ließ er die Öffentlichkeit  wissen. Zwar habe die Chefetage inklusive ihm selbst nichts von den Machenschaften rund um die Manipulation des Zinssatzes Libor gewusst. Trotzdem übernehme er die Verantwortung und räume seinen Posten: „Im Namen der Bank und des Vorstandes will ich ein glasklares Signal abgeben: das aufrechte Bedauern und die scharfe Missbilligung des unangebrachten Verhaltens“, erklärte er. Bei Anshu Jain klingt das anders. Gemeinsam mit Jürgen Fitschen leitet er die Deutsche Bank. Die beiden Nachfolger von Josef Ackermann an der Spitze reden gerne von Kulturwandel, von Werten wie Integrität. Zum Thema Libor sagen sie: „Die laufenden Untersuchungen könnten die Verhängung hoher Geldstrafen und andere Auswirkungen für die Bank nach sich ziehen.“ Auswirkungen für sich selber sehen sie offenbar nicht.

Wellen-Surfer

Die Anleger sehen das offenbar kritisch. Die Aktien der Deutschen Bank ließen sie heute jedenfalls links liegen. Ansonsten aber hieß ihre Devise: Bei Zweifel einfach weiter kaufen. Obwohl die Aktienmärkte kaum mit neuen Impulsen versorgt wurden, eroberte der Dax mit einem Plus von 0,4 Prozent bei 9021 Punkten ein neues Rekordhoch. Ein Großteil der Investoren spekuliert darauf, dass das Anleihekaufprogramm der US-Notenbank statt Anfang kommenden Jahres erst im März seinen Lauf nimmt. Investoren sind wie Wellenreiter: Sie surfen den Kamm ab, so lange wie möglich. Auch wenn hinterher das Wasser über ihnen zusammenschlägt.

Faule Kredite

Noch einmal Bank: Die Branche habe so viele faule Kredite in den Büchern wie noch nie. „2013 fallen in der Euro-Zone 7,8 Prozent der Kreditsumme in diese Kategorie, das entspricht 940 Milliarden Euro – ein neuer Rekordwert“, berichtet eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Angesichts von Konjunkturflaute und Rekordarbeitslosigkeit steige die Zahl der Unternehmen und Bürger im Euro-Raum, die ihre Kredite nicht oder nicht fristgerecht zurückzahlen können gegenüber 2012 um 120 Milliarden Euro oder 15 Prozent. Wirtschaftsprüfer sind sehr sachliche Leute. Vielleicht lohnt es sich für sie nach vorn zu schauen: Aus der Konjunkturflaute ist inzwischen eine leichte Konjunkturbrise geworden. Die Situation bessert sich.

Renten-Irrtümer

„Kinder kriegen die Leute immer“, hatte Konrad Adenauer einst gesagt und wir wissen, dass das einer der Irrtümer des vergangenen Jahrhundert gewesen ist. Dennoch gibt es jetzt eine gute Nachricht: In der Rentenversicherung könnte der Beitragssatz im kommenden Jahr fallen und damit uns Beitragszahler entlasten. Schuld am Glück ist eine Rekordrücklage. Ob der Beitrag aber tatsächlich sinkt, ist fraglich. In den Koalitionsverhandlungen von Union und SPD gibt es nämlich Überlegungen, den gesetzlich vorgegebenen Automatismus für eine Beitragssenkung auszuhebeln. Zudem will die Union Mütterrenten aufstocken, was den Spielraum für eine Beitragssenkung ziemlich genau auffressen würde. Womit klar ist: Nicht nur die Adenauer-CDU, sondern auch die von Merkel sitzt Irrtümern auf.

Ablasshandel

Das Hamburger Amtsgericht will das Verfahren gegen den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst wegen falscher eidesstattlicher Versicherungen gegen eine Geldauflage einstellen. Der Bischof soll im Zusammenhang mit einem Erste-Klasse-Flug nach Indien zwei eidesstattliche Falschaussagen gemacht haben. Die Staatsanwaltschaft müsste dem zustimmen, hält aber noch an ihrem Antrag fest. Manchmal sind eben Staatsanwälte päpstlicher als der Papst.


Einen unbeschwerten Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (1)

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Schwarzweissrot

29.10.2013, 20:50 Uhr

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