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01.06.2012

18:13 Uhr

Was vom Tage bleibt

Ladenschlussverkauf

VonOliver Stock

Schlecker ist Geschichte. Dafür sind die Manager und nicht die Politiker verantwortlich. Der Dax ist ein Drama. Und die Iren sind doch vernünftige Leute. Der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Schlecker macht den Laden dicht

Das Römische Reich zerfiel innerhalb von Jahrzehnten, als es sich zu sehr ausgedehnt hatte. Das Reich des Drogeriekönigs Anton Schlecker ist innerhalb von Wochen zerfallen, als klar wurde, dass die Expansion wie ein Schneeballsystem funktionierte: Jede neue Filiale vergrößerte zwar den Umsatz, aber leider auch den Verlust. Schlechte Lagen, ein abstoßendes Verkaufskonzept, zu hohe Preise – die Liste der Schlecker-Fehler kann jeder Kunde aufsagen wie das kleine Einmaleins. Investoren hätten viel Geld in die Hand nehmen müssen, wenn sie daran etwas ändern wollten. Noch mehr hätten sie Verantwortung auf ihre Schultern laden müssen, wenn sie den Schlecker-Mitarbeitern eine Zukunft anbieten wollten. Davor schreckten sie alle zurück - von Berggruen bis Cerberus. Deswegen gab es für die Gläubiger, die sich heute getroffen haben, nur noch eine Frage: Wie verlieren sie am wenigsten Geld? Indem Schlecker jeden Tag neue Verluste produziert, sicher nicht. Wahrscheinlich eher, indem die Läden geschlossen und die Ware verwertet wird. Dafür jedenfalls haben sie sich heute entschieden. Das ist tragisch für die Betroffenen. Verantwortlich dafür sind die Manager von Schlecker. Niemand sonst.

Analysten können nach Hause gehen

Politische Börsen sind solche, an denen Nachrichten von den Unternehmen, die an der Börse gehandelt werden, keine Rolle spielen. Nur die Weltlage bestimmt die Preise. Das ist ungerecht für die Unternehmen, die sich wacker schlagen. Und es ist eine Stimmung, die jeden Unternehmensanalysten an seinem Job zweifeln lässt. Hat er es doch mit einer Art Börsenkommunismus zu tun: Der einzelne ist nichts, die Masse aber macht's. Der Erfolg sah heute so aus: In den USA legte die Zahl der Beschäftigten nicht so zu wie gedacht. In Spanien schossen die Renditen für Anleihen auf einen Wert, der es für das Land fast unmöglich macht, sich Geld zu leihen. Und in den 17 Ländern der europäischen Währungsunion sind niemals mehr Arbeitslose gezählt worden als jetzt. Den Dax drückten diese Zahlen fast auf die 6000er-Marke. Egal, ob es den Unternehmen dabei gar nicht so schlecht geht.

Griechen, schaut auf dieses Land!

Die Iren haben für eine Beteiligung ihres Landes am europäischen Fiskalpakt gestimmt. Pessimisten sagen heute, der Fiskalpakt ist sowieso das Papier nicht wert, auf dem er geschrieben steht, und weisen mit dem Finger Richtung Frankreich, wo Francois Hollande das Abkommen mit gezielten Tritten ins Wanken bringt. Ich schließe mich dagegen den Optimisten an, die den Iren applaudieren und hoffen, dass sich das griechische Volk ganz im Osten der Währungsunion von den europäischen Nachbarn ganz im Westen etwas abschauen wird. In zwei Wochen ist wieder Wahl in Athen und dabei geht es um die Zukunft des Euro - zumindest für Griechenland.

Wenn Fehler fehlen

Ein Unglück, das zwischen meinem PC und mir seit 16 Jahren wie ein Ehekrach steht, verschwindet: Microsoft lässt durchblicken, dass im neuen Windows 8-Programm der Start-Knopf abgeschafft wird. Mir ist bis heute unbegreiflich, wieso ich diesen Knopf anklicken muss, um den Computer auszuschalten. Früher habe ich Bill Gates persönlich für diese Idee haftbar gemacht. Es hat ihn nie gestört. Jetzt, wo ich diese Marotte fast lieb gewonnen habe, schaffen die Microsoft-Programmierer sie ab. Ich glaube, mir wird sie fehlen.

Ein frohes Wochenende wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (2)

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spion

01.06.2012, 18:39 Uhr

Ja, die Masse macht's, die Masse der Selbstgerechten, Hofschranzen und EU-Apologeten. Mit Ihrem lauwarmen Gesülze wären sie bei diversen Despoten besser aufgehoben. Aber jetzt haben Sie ja die Trantüte Merkel - und die spricht wie Sie.
Finanzblätter und Journalisten sind wie Chamäleons, passen sich stets der Farbe der Umwelt an. Wo ist überhaupt der Unterschied zwischen Ihnen und Anton Schlecker? Der nämlich hat genauso bräsig seinen Untergang verschlafen wie Sie ihn verschlafen werden.
Mit Leuten wie Ihnen ist kein Blumentopf zu gewinnen. Wenn es Sie überhaupt gibt, denn längst gibt es Software, die Texte verfaßt. Leicht zu erkennen an der inhaltlichen Dürftigkeit.
Und sollte es, drehen Sie noch ein bißchen am Windowsknopf, scheint ja ein echt wichtiges Problem zu sein.

nordmichel

01.06.2012, 21:52 Uhr

Vernunft und Fiskalpakt - geht das zusammen? Ich bin zwar kein Freund der Linken, doch was Gregor Gyse zu Recht am 29.03.2012 im Bundestag dazu sagte kann ich nur unterstreichen.
Das ist bei uns ein vorsätzlicher Verfassungsbruch und für alle ein Schlag gegen die Demokratie. Genau wie beim ESM geht es doch nur vordergründig ums Geld.
Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=hwO3XYkyYhw

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