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21.03.2013

19:09 Uhr

Was vom Tage bleibt

Letzte Ausfahrt EZB

VonOliver Stock

Die EZB droht, Zyperns Banken bankrott gehen zu lassen und demonstriert damit verzweifelte Unabhängigkeit. Die Lufthansa wird zur Streikhansa. Und Deutschlands Reiche werden trotz Steuern nicht ärmer. Der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Schluss mit Emergency Liquidity

Heute gab es etwas noch nie Dagewesenes: Aus der Sitzung des Rates der Europäischen Zentralbank heraus, wurden zwei Sätze gereicht. Sie lauteten: „Der Rat der EZB hat entschieden, die Emergency Liquidity Assistance für zyprische Banken, - also den Notfallkredit - nur noch bis Montag aufrecht zu erhalten. Sollte bis dahin kein Hilfsprogramm mit Europäischer Union und dem Internationalem Währungsfonds vereinbart sein, das die Solvenz der betroffenen Banken sicherstellt, wird die Notfall-Liquidität entzogen.“ Auf gut deutsch heißt das: Entweder Zypern einigt sich mit seinen Helfern, oder die Notenbank stoppt den Kredit und zieht damit eine Insolvenz von Banken in Betracht, die sie zuvor selbst als „systemrelevant“ eingestuft hatte. Dahinter steht nicht weniger als ein Ideologiewechsel. Mario Draghi ist eher bereit, eine Pleite zuzulassen, als länger mitanzuschauen, wie die Politik die finanzielle Rettung Zyperns vermurkst. Wenn die EZB zeigt, dass es möglich ist, systemisch relevante Banken abzuwickeln, dann wäre ein Präzedenzfall geschaffen, der weltweit mit Erleichterung verfolgt werden würde. Zypern wird zum Labor. Während sich der Rest der Welt fragt, ob der Versuchsaufbau ihm um die Ohren fliegt, fragen sich allerdings die Zyprer, wie es um das Überleben der Versuchskaninchen bestellt ist.

Die Streikhansa

Nichts geht mehr mal wieder. Bei der Lufthansa sind heute 700 Flüge ausgefallen, weil die Techniker und das Servicepersonal streikten. 5,2 Prozent mehr Lohn und Kündigungsschutz fordert die Gewerkschaft Verdi, Lufthansa bietet so etwa das Gegenteil – nämlich eine Nullrunde und längere Arbeitszeiten. Der Konflikt ist damit weit entfernt von einer Lösung. Einst haben wir auf die Italiener, die Franzosen und was weiß ich welches streikwütige Völker geschaut. Inzwischen sind wir selbst an vorderster Streikfront: Neun Streiks und Warnstreiks in einem Jahr haben Deutschlands Flughäfen seit März 2012 bereits lahmgelegt. Im Durchschnitt wird alle drei Monate nicht gearbeitet. Am Pariser und am Römischen Flughafen spricht das Bodenpersonal inzwischen von „deutschen Verhältnissen“, wenn Kollegen beim Blaumachen erwischt werden.

Die große Umverteilung

Eine Studie der Bundesbank zeigt, dass sich die Vermögensverhältnisse in Deutschland auseinander entwickeln. Demnach besitzen die reichsten zehn Prozent der Menschen 58 Prozent des gesamten deutschen Privatvermögens. Was die Bundesbank nicht sagt: Die wohlhabendere Hälfte zahlt rund 90 Prozent der Steuern. Die große Umverteilung hat also längst begonnen. Wer uns etwas anderes weismachen will, ist einfach nicht auf der Höhe der Zeit.

Die große Baustelle

Wer ein Haus renoviert, kennt das Phänomen: Bis die eigenen vier Wände wirklich wohnlich aussehen, ziehen Monate ins Land und zwischendurch sieht es aus wie auf dem Recyclinghof. Ähnlich geht es dem Management der Baumarktkette Praktiker. Im Schlussquartal konnte das Unternehmen den Umsatzrückgang verringern - mehr auch nicht. Jetzt drückt Finanzvorstand Markus Schürholz auf die Kosten: Fünf Prozent weniger Lohn für Mitarbeiter, günstigere Mieten für Märkte und raus aus dem defizitären Türkei-Geschäft. Finanzvorstände handeln so. Und falls sie mal mehr Phantasie für Neues haben, haben sie sogar das Zeug zum Chef.

Hallo Echo!

Heute wird nicht die „Goldene Kamera“ oder das „Bambi“ verliehen. Nein. Heute geht es um das „Echo“ in Berlin. Betrachten wir das Ereignis aus Anlegersicht und stellen fest: Glückwunsch an alle Preisträger! Aber jetzt ist die Gefahr des Absturzes groß. Auszeichnungen sind nämlich wie Aktienhöchststände: Wenn es alle gemerkt haben, ist der Boom schon überschritten.

Einen unbemerkten Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (2)

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tja

21.03.2013, 19:18 Uhr

the game is the game is the game
wer am Tisch nix zu suchen hat, der weiß das auch.
und wenn nicht wird ihm das beigebracht.

überhitzt: so nannte man früher Hitzköpfe.
Heute wirken sie fast wie eine conditio sine qua non am Spieltisch.

Was tun?

Man wechselt die Liga am Besten.
Und wer das nicht als Option vorbereitet haben sollte bereitet sich besser auf des Pudels Kern in Gerechtigkeitsdebatten vor, wie es der Schleimpeer vorzumachen scheint.

Alles wird primitiver?
Weil es primitiver ist?

Nein, weil die Leute immer blöder und fauler werden und zwar durch alle Schichten der Schimpansentruppe durch, die sich selbst Menschen nennt und sich als Krone der Schöpfung versteht.

Den traurigen Gipfel der Evolution stellt sie indes fraglos schon jetzt dar.

Michael

21.03.2013, 19:25 Uhr

"Eine Studie der Bundesbank zeigt, dass sich die Vermögensverhältnisse in Deutschland auseinander entwickeln."

Wofür, genau, war dann der "Armutsbericht"? Was soll dieses ganze Gedöns mit den Studien und Berichten die aber auch jeder Hanswurst erstellen muss? ABM?

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