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03.07.2013

18:57 Uhr

Was vom Tage bleibt

Lokale Höhenflüge

VonStefan Menzel

Die EU setzt den Regionalflughäfen Grenzen und ein Börsengang floppt. Für Commerzbank-Aktionäre gibt es nur noch Mitleid und der Euro leidet wieder. Edward Snowden hat in Deutschland keine Chance. Der Tagesrückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Teurer Flug

Wann fliegen Sie von Kassel-Calden oder Lübeck-Blankensee aus in den Urlaub? Nur die Wenigsten von uns. Landesregierungen wie in Hessen oder Schleswig-Holstein ist das ziemlich egal. Sie pumpen weiterhin große Millionenbeträge in diese unsinnigen Provinzflughäfen und verkaufen das Ganze dann noch als vermeintlich vernünftige regionale Strukturförderung. Wie gut, dass die EU diesem Treiben jetzt ein Ende setzen will. Nicht jede mittelgroße Stadt in Deutschland braucht einen eigenen Flughafen. Wenn trotzdem jemand meint, es müsse ein neuer Airport gebaut werden, dann kann er das gerne machen – aber bitte nicht mehr mit Steuergeldern.

Pech für den Annington-Eigentümer

Die Deutsche Annington hat ihren noch zu Wochenbeginn großspurig angekündigten Börsengang plötzlich abblasen müssen. Das Interesse war am Ende dann doch zu gering, zu wenige Investoren wollten den vergleichsweise hohen Preis für die neuen Annington-Aktien auf den Tisch legen. Müssen wir uns jetzt Sorgen um den Börsenplatz Deutschland machen? Keineswegs. Dass die Investoren gezögert haben, geht völlig in Ordnung. Der Annington-Eigner Terra Firma wollte einfach nur ordentlich Kasse machen. Und dieses Spielchen muss niemand mitmachen.

Arme Commerzbank-Aktionäre

Die Aktionäre der Commerzbank tun mir wirklich Leid. In dieser Woche kennt das Papier des Frankfurter Geldhauses nur noch eine Richtung: Es geht kräftig bergab. Am Mittwoch waren es im Vergleich zum Vortag wieder fünf Prozent weniger. Was soll man einem Aktionär in einer solch miserablen Situation noch raten? Leider gibt es nicht viel, die Situation ist ziemlich vertrackt. Es fehlt das richtige Geschäftsmodell, der Abstieg ist unaufhaltsam. Die Commerzbank braucht einen neuen starken Partner, das ist wahrscheinlich der einzig mögliche Ausweg. Und die noch einigermaßen positive Nachricht: Solange der Staat der wichtigste Aktionär bleibt, gibt es keinerlei Grund zu irgendeiner Kurzschlussreaktion.

Die tägliche Schreckensnachricht

Portugal ist wieder da, leider mit ziemlich negativen Nachrichten. Wieder geht die Sorge vor dem Wieder-Aufflackern der Euro-Krise um, ausgelöst vom Regierungsstreit in Lissabon. Die Gemeinschaftswährung steckt in tiefen Nöten, daran gibt es keinen Zweifel. Umso logischer ist es, dass jede politische Schreckensnachricht wie jetzt aus Portugal wieder die alten Sorgen hochkochen lässt. Es kann also nur die Devise geben, dass unsere Politiker die wirklich wichtigen Fragen der Euro-Zone wie etwa die Schaffung einer Bankenunion endlich in die Hand nehmen. Dann können Meldungen wie aus Portugal niemanden mehr schrecken.

Keine Chance für Snowden

Deutschland hat sich entschieden: Internet-Aufdecker Edward Snowden bekommt hierzulande kein Asyl. Immerhin zeigt die Regierung in Berlin damit endlich einmal Flagge. Die innenpolitische Diskussion ist während der vergangenen Tage recht scheinheilig geführt worden. Führende deutsche Politiker haben zwar die USA und Großbritannien wegen ihrer zweifelhaften Internetspionage attackiert. Aber seien wir doch einmal ehrlich: Deutsche Geheimdienste spielen das Spiel nach Kräften mit. Deshalb würde die Berliner Regierung am Ende immer zugunsten der USA entscheiden. Und genau das hat sie jetzt gemacht.

Einen angenehmen und wenig stressigen Abend wünscht

Stefan Menzel

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