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04.07.2013

18:20 Uhr

Was vom Tage bleibt

Macht Schulden!

VonOliver Stock

In Draghis Welt kommen höheren Zinsen so schnell nicht vor. Also nutzen wir seine Laune. In Ägypten haben die Generäle einen neuen Machthaber bestimmt. Die Commerzbank ist ein Übernahmekandidat. Der Tagesbericht.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Macht Schulden!

Die Zinswende kommt nicht heute, und sie kommt nicht morgen. Jedenfalls nicht in Draghis Welt. Der Präsident der Europäischen Zentralbank kündigte heute an, „dass die Schlüsselzinsen in der Euro-Zone noch für eine längere Zeit auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben“. Jetzt können wir uns streiten, was wohl ein längerer Zeitraum ist. Wir können aber auch mit Leonardo da Vinci feststellen: „Die Zeit verweilt lange genug für denjenigen, der sie nutzen will.“ Also: Baut Häuser, leiht Euch Geld, macht Schulden - nie war die Zeit dafür besser als heute.

Generäle als Manager

In Ägypten hat das Militär erst den Präsidenten gestürzt und 18 Stunden später dafür gesorgt, dass ein Nachfolger vereidigt wird. Die rekordverdächtige Geschwindigkeit hängt damit zusammen, dass die Generäle selbst mit dem Führungspersonal der großen Unternehmen des Landes verbandelt sind. Es fehlt ihnen an Einkommen, wenn die Touristen fernbleiben oder sich die Arbeiter lieber der Revolution als dem Broterwerb in ihrer Fabrik hingeben. Vielleicht sollten auch wir überlegen, ob unsere Heeresleiter nicht gleichzeitig gute Manager wären. Wenn Sie nicht gerade bei einem Panzerbauer angestellt wären, würde das den Willen zum dauerhaften Frieden jedenfalls fördern.

Morales empört sich

Neulich saß ich acht Stunden auf einem griechischen Flughafen fest, weil die Maschine kaputt war. Die Maschine von Boliviens Präsident Evo Morales saß jetzt mit ihrem ersten Passagier knapp 14 Stunden im schönen Wien fest, weil einige vermuteten, Morales helfe dem Geheimnisausplauderer Snowden bei der Flucht. In Griechenland war es heiß, es war Nacht und die Kinder schrien. Morales hätte in die Wiener Staatsoper gehen - es gab "La Traviata" - und anschließend einen Tafelspitz im Sacher bestellen können. Stattdessen wurde er sauer und stiftete, kaum dass er wieder heimgeflogen war, eine Gruppe von zwölf südamerikanischen Staaten an, sich über das „Kidnapping“ zu beschweren. „Morales“, kann ich da nur aus Erfahrung sagen, „lass es.“ Ich warte auch noch auf die Entschädigung für die griechische Verspätung.

Bank für Zocker

Die Commerzbank treibt ihre Anleger zur Verzweiflung. In den vergangenen vier Wochen hat sie ein Viertel ihres Wertes verloren. Das ist blöd, denn viel Wert war ohnehin nicht mehr da. In dieser Woche beschleunigte sich die Talfahrt sogar noch. Bis heute. Zunächst ging es erneut um drei Prozent abwärts, am Nachmittag schoss der Kurs dann plötzlich um acht Prozent nach oben. Offenbar zocken einige. Ob sie nur mit dem Papier oder gleich mit der ganzen Bank zocken - wir bleiben dran. Die Bank ist für kleines Geld zu haben und damit auf jeden Fall zum Übernahmekandidaten geworden.

Tapferkeitsmedaille für Schlecker-Nachfolger

Rudolf Haberleitner ist pleite. Der Mann wollte mit seiner Drogeriekette Dayli im Nachbarland Österreich die Nachfolge von Schlecker antreten. Der Plan war verwegen - nun ist er gescheitert. Haberleitner gebührt dennoch Respekt. Nur Feiglinge scheitern niemals.

Scheitern Sie mir heute Abend nicht, wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

04.07.2013, 18:48 Uhr


"Macht Schulden" ....

Mit diesem Banner marschierten "US Tellerwäscher trotz Niedriglohnsektor" in die Fannie-Freddie-Fake-Schuldenkrise 2007.
Hartz IVler Eigenheim für alle ? Auf in die Privatinsolvenz.


HB bleibt von satirischen Schwenkern Dank Chefredakteur Stocki nicht gefeit. Schöne Geste.

Hagbard_Celine

04.07.2013, 18:52 Uhr

"Baut Häuser, leiht Euch Geld, macht Schulden - nie war die Zeit dafür besser als heute."

Richtig, das Geld liegt förmlich auf der Straße.

Anders ausgedrückt müssen die Realzinsen unter dem Real Wirtschaftswachstum liegen wenn sie eine lange Zeit darüber lagen. Nur so und nicht anders kann die Gesamtverschuldung gemessen in % der Wirtschaftsleistung wieder sinken.

Die Alternative zu negativen Realzinsen sind platzenden Kredite so das in Summe wieder negative Realzinsen herauskommen.

Account gelöscht!

04.07.2013, 18:54 Uhr

Ich weiß nicht, ob Herr Stock jemals in der Versuchung war, ein Haus zu bauen oder gar schon eins gebaut hat. Ich würde vermuten: eher nicht. Denn hätte er das, wüßte er, daß man Schulden, gleich welcher Höhe, normalerweise auch zurückzahlen muß - es sei denn, man heißt Griechenland oder Schäuble oder... (hier bitte irgend einen Politiker-Namen einsetzen). Die Zinsen sind ja nicht einfach so so niedrig: Weil die Börse zwar brummt, aber die Wirtschaft mit angezogener Handbremse fährt. Sollte uns - durch einen natürlich völlig utopischen - Crash, eine Rezession ereilen, trifft es die, die sich ein Haus nicht aus der Portokasse leisten können, meist als erstes. Entlassungen etc. Wer dann eine fragile Finanzierung getätigt hat, die darauf baut, daß die Zinsen so bleiben, wie sie sind und daß sich am Umfeld nichts ändert, der kann in einem solchen Fall die Hütte gleich der Bank übereignen - das geht ruck zuck.

Daher bin ich froh, daß ich alles habe, was ich brauche und daß das auch alles bezahlt ist - und zwar ganz. Nur wegen niedrigen Zinsen irgendwas auf Pump zu kaufen, ist so ziemlich der allerdümmste Rat, den man annehmen kann. Das ist doch gerade so, wie wenn ich mir den Keller voll mit rohem Fleisch lade, weil es gerade so billig ist.

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