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15.04.2014

18:41 Uhr

Was vom Tage bleibt

Made outside Germany

VonOliver Stock

Das deutsche Gütesiegel taugt nichts mehr. Die Bankenunion hilft den Steuerzahlern auch nicht. Bei Zalando gibt es Geschrei. Und Carsten Maschmeyer lebt gefährlich. Der Tagesbericht.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Finger in die Wunde

Die Schweiz nimmt's ziemlich genau: Eine Schweizer Uhr darf sich nur dann „Swiss made“ nennen, wenn das Uhrwerk zu mindestens 50 Prozent aus Schweizer Teilen besteht, dort „eingeschalt“ wird und die Endkontrolle in der Schweiz stattfindet. Hierzulande sieht das anders aus. Wann „Made in Germany“ auf Produkte gedruckt werden soll, regelt keine eindeutige Vorgabe. Auch wenn eine Maschine oder ein Kleidungsstück zu mehr als 90 Prozent im Ausland gefertigt wurden, kann es die wertvolle Herkunftsbezeichnung tragen – solange die wenigen letzten Prozent der Fertigung in Deutschland erledigt wurden. Die EU-Parlamentarier wollen das jetzt ändern. Es stimmt: Dieses Parlament steckt manchmal seine Nase in Dinge, die sich auch ohne dieses Gremium regeln ließen. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Parlamentarier oft den sprichwörtlichen Finger in die richtigen Wunden legen.

Über den Segen einer Bankenunion

Wie geht es Ihnen mit Ihrer Bank? Glauben Sie, Ihre Geldangelegenheiten sind dort gut aufgehoben – oder glauben Sie schon längst nicht mehr daran? Ganz gleich, welcher Seite Sie zuneigen: In Straßburg haben die gleichen EU-Parlamentarier, die sich dem „Made in Germany“ annahmen, heute eine Entscheidung gefällt, die alle anderen auch etwas angeht: Europa gründet nämlich seine Bankenunion. Steuerzahler sollen nicht mehr für Bankverluste aufkommen, ist die fröhliche Folge davon nach Brüsseler Lesart. Wirklich? Künftig sollen Aktionäre und Gläubiger für acht Prozent der Schulden einer Pleitebank einstehen. Bei der Antwort auf die Frage, wer für die verbleibenden 92 Prozent einsteht, fühlt sich mein Portemonnaie noch immer ziemlich gebeutelt an.

Balkan in Kiew

Dostojewski kannte nur Krieg oder Frieden. Deutsche Journalisten kennen auch das Wort „Scharmützel“. Damit beschreiben sie heute das, was in der östlichen Ukraine so zu sehen und zu hören ist. Die ukrainische Übergangsregierung hat ihren Einsatz gegen Separatisten im Osten des Landes gestartet. Reporter haben Panzer und Hubschrauber gezählt. Die Gegner der Führung in Kiew melden Schusswechsel und Verletzte. Die einen sticheln, die anderen schießen – der Balkan reicht neuerdings bis hinter Kiew.

Verloren bei Zalando

Von oben gibt es Druck, und die Arbeit ist so anstrengend, dass sie an die Nieren geht - so hat eine 21-jährige RTL-Reporterin ihren Undercover-Job beim Textilversender Zalando erlebt. Wer das Alter der Reporterin, den Sender, bei dem der Film ausgestrahlt wird, und die Spur, die mit Berichten über Amazon und Co. gelegt ist, berücksichtigt, den wird nicht überraschen, dass Zalando in dem Beitrag schlecht wegkommt. Bringt uns so eine Reportage weiter? Nein. Ist Zalando also im Gegenteil ein Vorzeige-Arbeitgeber? Wahrscheinlich nicht. Es handelt sich um eine lose-lose Situation.

Gefährliches Geldanlegen

Im Streit um Verluste aus umstrittenen Fonds-Investments der Bank Sarasin hat sich der ehemalige AWD-Gründer und Multi-Investor Carsten Maschmeyer mit anderen Bankkunden verbündet. Neben Maschmeyer sind darunter auch seine Lebensgefährtin Veronica Ferres und Fußballtrainer Mirko Slomka. Die von der Bank vermittelten Fonds waren so konstruiert, dass sie die Finanzämter austricksten. Als die den Braten rochen, machten sie das Leck dicht. Maschmeyer soll so einen Verlust von 19 Millionen Euro erlitten haben. Fein ist das nicht. Aber im Krieg wie beim Geldanlegen gilt: Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um.

Einen harmlosen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

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