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05.05.2014

19:09 Uhr

Was vom Tage bleibt

Mahnung aus Jugoslawien

VonStefan Menzel

Die Ukraine steht vor dem Bürgerkrieg, der Ikea-Gründer zieht sich zurück. Audi braucht neue Erfolge, Alstom geht auf Siemens zu und die Mietpreisbremse sorgt für immer mehr Ärger. Der Tag im Rückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Der schlimme Verfall

Auch wenn wir alle das Wort Ukraine wahrscheinlich nicht mehr hören können: Es sieht alles danach aus, dass es noch viel schlimmer wird. In der Ostukraine brennt eine Stadt nach der anderen, es gibt keinen Tag ohne Tote mehr. Zugleich greift die Anarchie um sich: Recht und Gesetz sind außer Kraft, die pure Gewalt regiert. Genauso war es vor gut 20 Jahren in Jugoslawien. Die Lage hatte sich dort auch von Tag zu Tag verschlimmert, das große Sterben war nicht mehr zu stoppen. Die rettende Idee für die Ukraine hat jetzt wahrscheinlich niemand in der Schublade, weder Ost noch West. Aber vielleicht hilft noch die gemeinsame Erinnerung an Jugoslawien: Nein, so etwas wollen wir in Europa einfach nicht mehr! Vielleicht können Russland und die USA mit einem Schulterschluss in allerletzter Minute den großen Bürgerkrieg verhindern. Hoffen wir es.

Langes Zögern

Manche brauchen etwas länger: Ikea-Gründer Ingvar Kamprad zählt inzwischen stolze 88 Jahre. Doch erst jetzt entscheidet er sich für den Rückzug aus seinen beiden Stiftungen, die den schwedischen Möbelriesen tragen. Kamprad macht den Weg definitiv viel zu spät frei, eine strategisch angelegte Nachfolgeregelung sieht völlig anders aus. Der Ikea-Gründer hätte seinen Platz viel früher räumen müssen. Aber wahrscheinlich fühlte er sich seinem Unternehmen so sehr verbunden, dass er sich lange Zeit für unersetzlich hielt. Wer zu lange an seinem Sessel klebt, gefährdet ein Unternehmen. Bei Ikea ist das gerade noch einmal gut gegangen.

Unruhe in Ingolstadt

Es ist gerade einmal zwei Jahre her, da wurde Audi noch für seine großen Erfolge gefeiert. Die Bayern hatten Mercedes überholt, der Aufstieg schien nicht mehr zu stoppen. Heute hingegen hat sich das Blatt gewendet, Audi ist plötzlich nicht mehr die ganz große Erfolgsgeschichte. Und tatsächlich: Audi muss reagieren, die Modellpalette ist ein wenig zu langweilig geworden. Der VW-Tochter aus Ingolstadt droht dasselbe Schicksal wie vor ein paar Jahren Mercedes. Der Anschluss an die anderen Autohersteller aus der Premiumklasse schien bei den Stuttgartern damals verloren. Immerhin hat der Wolfsburger Mutterkonzern von Audi reagiert und setzt in Bayern neue Manager ein. Vielleicht reicht es bei Audi doch noch zur rechtzeitigen Wende.

Neue Gemeinsamkeiten

In Paris und München regiert wieder die Vernunft. Siemens-Chef Joe Kaeser und Alstom-Boss Patrick Kron gehen aufeinander zu und begraben das Kriegsbeil. Eine Kooperation oder gar ein Zusammengehen der beiden Industriekonzerne sind jetzt vielleicht doch wieder möglich geworden. Eine europäische Lösung muss nicht das Schlechteste sein, wie das Beispiel Airbus zeigt. Es darf aber auch keine Fusion auf Biegen und Brechen sein. Wenn es am Ende keine gemeinsame Basis gibt und Alstom beim US-Konkurrenten General Electric landen sollte, dann wäre das auch in Ordnung. Gut nur, dass es die deutsch-französische Achse wieder gibt.

Berliner Ideen

Wahlgeschenke gehören leider zum politischen Alltag, auch wenn viel wirtschaftlicher Unsinn dabei herauskommt. Die Mietpreisbremse ist eine dieser verrückten Ideen, die sich die Große Koalition in Berlin ausgedacht hat. Der Wohnungsbau in den Ballungsräumen soll dadurch angekurbelt werden, indem der Anstieg der Mieten per Gesetz begrenzt wird. Schon im ersten Semester lernen angehende Wirtschaftswissenschaftler, dass derartig politisch motivierter Aktionismus nichts bringt und eher für weniger Wohnungsneubau sorgt. Aber so mancher braucht einfach etwas länger, um Wirtschaft zu verstehen.

Einen schönen und angenehmen Abend wünscht Ihnen

Stefan Menzel

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