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15.03.2012

19:16 Uhr

Was vom Tage bleibt

Manchmal geht's bergab

VonOliver Stock

Was haben die Lufthansa, Großbritannien, Nordrhein-Westfalen, der AWD und Griechenland gemeinsam? Es geht eher bergab. Das zeigte der heutige Tag.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

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An sich werden Produkte im Laufe ihres Lebens immer besser. Es gibt allerdings ein paar Ausnahmen. Und zu denen gehört das, was die Lufthansa anbietet. Die Wartezeiten werden gefühlt länger, die Abstände zwischen den Sitzen kürzer und das Gepäck, das umsonst mitdarf, überschaubarer. Sparen nennt sich das. Und seit heute wissen wir: Das ist auch nötig. Europas umsatzstärkster Luftfahrtkonzern erwartet nämlich für das laufende Jahr, dass der operative Gewinn um einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag schrumpfen wird. Das wäre bei leicht steigenden Umsätzen erneut eine schlechtere Entwicklung als im Vorjahr, als der Konzern bereits einen Rückgang um ein Fünftel auf 820 Millionen Euro verbucht hatte. Gründe für die Entwicklung seien der Ölpreis und Belastungen durch Steuern, sagt Lufthansa-Chef Christoph Franz . Die höheren Kosten könnten nicht ohne weiteres an die Kunden weitergegeben werden, weil subventionierte arabische Flieger der Lufthansa Konkurrenz machten. „Ohne weiteres“, heißt in der Sprache der Unternehmer, dass sie mit Finessen eben doch weiter gegeben werden. Die Folge: Fliegen wird auf Dauer noch unbequemer.

Sehnsucht nach der eisernen Lady

In Großbritannien steigt der Druck auf die Regierung, unbedingt am drastischen Sparkurs festzuhalten. Nach Moody's droht mit Fitch die zweite Ratingagentur dem hoch verschuldeten Land mit dem Entzug des Top-Ratings „AAA“. Die größte Gefahr für die Kreditwürdigkeit stelle die Politik dar - die Regierungskoalition dürfe auf keinen Fall von den Einschnitten abweichen, warnt die Agentur. Die wachsenden Zweifel der Anleger an der langfristigen Zahlungsfähigkeit schlagen sich bereits am Markt nieder. Britische Staatsanleihen verlieren an Wert. Im Gegenzug kletterte die Rendite. Als die neue Regierungskoalition unter Führung der Konservativen vor zwei Jahren ihre Arbeit aufnahm, stand das Haushaltsdefizit bei elf Prozent des Bruttoinlandsproduktes - fast vier mal so hoch wie die EU-Obergrenze von drei Prozent. Regierungschef David Cameron hat einen rigiden Sparkurs eingeschlagen, doch die Erfolge stellen sich nur langsam ein. Deswegen steht er innenpolitisch unter Druck, die schwächelnde Wirtschaft anzukurbeln. Die Arbeitslosigkeit liegt auf dem höchsten Stand seit 16 Jahren - womit deutlich ist: Der ewige britische Kurs, es auf jeden Fall anders zu machen als der Kontinent, hat derzeit eine schlechte Konjunktur. Und Camaron müsste Thatcher heißen, um diesen Kurs so lange zu verteidigen, bis er doch als Medizin taugt.

Medizin für den griechischen Patienten

Das zweite Hilfspaket für Griechenland ist endgültig unter Dach und Fach. Nach der Freigabe von neuem Geld durch die Eurostaaten hat nun auch der Internationale Währungsfonds offiziell sein Beteiligung erklärt. Die internationalen Finanzfeuerwehr billigte heute einen Kredit über 28 Milliarden Euro, der über vier Jahre laufen soll. Erst gestern hatten die Euro-Partner die Hilfe über insgesamt 130 Milliarden Euro freigegeben, um Griechenland vor einer ungeordneten Staatspleite zu retten. Zuvor hatte Griechenland einen Schuldenschnitt für seine privaten Gläubiger größtenteils abgeschlossen. Das wäre alles zu verschmerzen, wenn nicht dieses Gefühl bliebe, dass es damit noch immer nicht sein Bewenden haben wird.

Ein Mann für Notausgänge

SPD und Grüne in Nordrhein-Westfalen versuchen alles, um die Niederlage in eine Chance zu verwandeln. Ein paar Stunden, nachdem die Grünen den Haushalt der SPD nicht mittragen wollten und damit Neuwahlen provozierten, erklärten beide, dass sie aber selbstverständlich eine Koalition eingehen können. Und das könnte sogar klappen: Nach einer Umfrage kommen SPD und Grüne im bevölkerungsreichsten Bundesland derzeit zusammen auf 52 Prozent. Sie könnten damit eine stabile Koalition und nicht nur - wie bisher - eine Minderheitsregierung bilden. Dass die Bilanz dieser Minderheitsregierung finanziell verheerend ist, stört dabei offenbar nicht. Krafts Herausforderer, CDU-Landeschef Norbert Röttgen, will am liebsten auch mit den Grünen ins Bett, zur Not aber auch mit anderen. „Alle demokratischen Parteien kommen infrage“, sagte er. Allerdings ist Röttgen drauf und dran, den Wahlkampfauftakt zu verstolpern: Er sehe kein Problem darin, während des kurzen Wahlkampfes eine Spitzenkandidatur und sein Amt als Bundesumweltminister zu kombinieren, sagte er, und klingt damit nach einem Mann, der Notausgänge liebt, falls das große Tor verschlossen bleibt. Bis zum 13. Mai - dem voraussichtlichen Wahltermin - haben alle nun Zeit sich zu positionieren.

Unerwünschte Person

Carsten Maschmeyer war einmal Chef des Finanzberaters AWD. Doch wer heute auf der AWD-Seite schaut, findet unterm Begriff Maschmeyer ziemliche Leere. Der Gründer, der den AWD groß und stark gemacht hat, ist in dem Finanzvertrieb zur unerwünschten Person geworden. „Wir haben uns abgenabelt“, sagt AWD-Deutschland-Chef Götz Wenker: „Wir haben nichts gegeneinander, aber die Ära ist vorbei.“  Insider drücken das wesentlich drastischer aus. Schon länger werde intern gegen Maschmeyer „negativ kommuniziert“, heißt es in Branchenkreisen. Der schlägt nun zurück. Am Montag kommt seine Biographie auf den Markt.

Einen friedlichen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

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