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13.03.2013

18:45 Uhr

Was vom Tage bleibt

Martin Blessing, der große Illusionist

VonFlorian Kolf

Die Commerzbank schröpft ihre Aktionäre um den Staat loszuwerden, Ackermann wird der Lüge bezichtigt, die Bahn profitiert vom Monopol und ein Rohstoffkonzern schummelt bei Olympia. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Vorsätzliche Enteignung

Mein Kollege Oliver Stock hat die geplante Kapitalerhöhung der Commerzbank gestern als „Flucht nach vorn“ bezeichnet. Nach den Details, die heute bekannt werden, muss man es wohl eher als vorsätzliche Enteignung der Aktionäre bezeichnen. 2,5 Milliarden Euro will sich die Bank von Investoren holen, was die Aktienbewertung dramatisch verwässern wird. Konsequenterweise hat schon die Ankündigung den Kurs um 14 Prozent abstürzen lassen. Doch jetzt kommt der große Zaubertrick von Bankchef Martin Blessing: Die Aktien sollen im Verhältnis von 1:10 zusammengefasst werden. Der große Illusionist will so verhindern, dass der Aktienkurs unter die magische Grenze von einem Euro fällt. Ob er sich wohl wundert, wenn das Publikum nicht applaudiert?

Schelte vom Richter

Ein fast genau so großen Imageschaden hat sich die Deutsche Bank eingehandelt, und zwar mit ihrer Prozess-Serie in der Causa Kirch. Was ihnen der Richter des Oberlandesgerichts jetzt ins Urteil geschrieben hat, ist mehr als drastisch: Die Bankspitze um Josef Ackermann habe im Prozess bewusst die Unwahrheit gesagt und sich dabei auch noch abgesprochen. Doch die Bank scheut einen Vergleich mit den Kirch-Erben wie der Teufel das Weihwasser und will nun die letzte juristische Karte ziehen: sie legt eine Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe ein. Doch nach dieser Urteilsbegründung fällt es schwer zu glauben, dass die Bank nicht doch noch finanzielle Mitverantwortung für die Pleite des Kirch-Imperiums übernehmen muss.

Lohn für die Reformen

Das Vertrauen der Investoren genießt offenbar Irland wieder. Das Land hat heute erstmals seit der Rettung vor der Staatspleite wieder den Kapitalmarkt angezapft. Der Mut wurde belohnt: Mit einem Risikoaufschlag von nur 2,45 Prozentpunkten im Vergleich zur richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe und einem Volumen von rund sieben Milliarden Euro war die Platzierung ein Erfolg. Den hat sich Irland aber auch hart erarbeitet, mit einer mustergültigen Umsetzung der Reformen – fast ohne politisches Theater. Davon kann Italien nur träumen. Deren heutige Anleiheauktion verlief enttäuschend. Kein Wunder, wenn der italienische Wahlsieger Beppe Grillo sein Programm als „Französische Revolution ohne Guillotine“ bezeichnet.

Staatlich subventionierter Gewinn

Dank eines Passagier-Ansturms auf ICE und IC hat die Deutsche Bahn 2012 einen Rekordgewinn eingefahren. Profitiert hat das Unternehmen damit vom hohen Benzinpreis, der die Passagiere in die Bahn getrieben hat. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn ein großer Teil des hohen Gewinns kam aus einem staatlich subventionierten Monopol, dem Schienennetz. Das relativiert die auf den ersten Blick so tollen Zahlen deutlich. Gut, dass sich die Politik zumindest durchringen konnte, das völlig unsinnige Fernbus-Monopol der Bahn zu beenden. Preisbewusste Passagiere werden es ihr danken.

Was fehlt? Ein Sprichwort lautet: „Es ist nicht alles Gold, was glänzt“. Bei BHP Billiton muss man es umdrehen: „Es glänzt nicht alles, was Gold ist.“ Der Rohstoffkonzern hatte für die Olympischen Spiele in Peking das Material für rund 6000 Medaillen geliefert. Jetzt haben die US-Behörden Ermittlungen aufgenommen, weil der Konzern in dem Zusammenhang offenbar auch mit Schmiergeldzahlungen nicht geizte. Auch eine Form von Doping bei Olympia.

Ich wünsche Ihnen einen dopingfreien Feierabend.

Florian Kolf

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Kommentare (2)

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commerzbankAXTionaer

14.03.2013, 00:43 Uhr

Herrn Blessing sollte man aber lieber im Verhältnis von 10:1 splitten. Ich würde auch gerne dabei behilflich sein, wenn man mir entsprechendes Werkzeug zur Verfügung stellt.

diewahrheit

14.03.2013, 07:28 Uhr

Herr Blessing enteignet wieder mal seine Finanzierer, um sich noch besser persönlich bereichern zu können. We diesen Mann (?) weiterhin stützt, gehört gleich mit eingesperrt.

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