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08.03.2013

17:51 Uhr

Was vom Tage bleibt

Mehdorn vs. Mehdorn

VonFlorian Kolf

Ein Ex-Rentner soll den Berliner Flughafen retten, Cromme muss endlich die Verantwortung für das Desaster bei Thyssen-Krupp übernehmen und Clowns gibt es nicht nur in Italien. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Der polternde Aufräumer

"Tu, was du nicht lassen kannst", hat Hartmut Mehdorns Frau ausgerufen, als ihr Gatte, statt in Ruhestand zu gehen, noch mal Air-Berlin-Chef wurde. Jetzt tut er wieder, was er offenbar nicht lassen kann. Doch ob er als Berliner Flughafenchef die richtige Besetzung ist, ist sehr fraglich. Bekannt ist er eher als polternder Aufräumer. Gefragt aber ist ein umsichtiger Projektmanager, der alle Beteiligten einbindet und diplomatisch mit den Leidtragenden der Verschiebung der Flughafeneröffnung verhandelt. Der besondere Treppenwitz: Als Flughafenchef sieht sich Mehdorn jetzt der Klage gegenüber, die er als Air-Berlin-Chef angestrengt hat. Die Tragödie "Mehdorn vs. Mehdorn" verspricht amüsant zu werden.

Beitz greift durch

Eine echte Tragödie spielt sich auch bei Thyssen-Krupp ab. Da hat eine ganze Riege von Managern unter der Oberaufsicht von Gerhard Cromme einen Traditionskonzern systematisch ruiniert mit strategischen Fehlentscheidungen wie dem Stahlwerk in Brasilien und offenbar systematischen Kartellverstößen. Da ist es nur überfällig, dass nun auch Aufsichtsratschef Cromme endlich die Konsequenzen ziehen und seinen Job aufgeben muss. Viel zu lange hat der 99-jährige Krupp-Patriarch Berthold Beitz seine schützende Hand über ihn gehalten. Doch spätestens der desolate Auftritt von Cromme auf der Hauptversammlung dürfte Beitz die Augen geöffnet haben. Cromme war nicht Teil der Lösung sondern Teil des Problems.

Weltweit konkurrenzfähig

Etwas Optimismus zu Wochenende verbreiten die Konjunkturnachrichten aus Asien. Chinas Exporte stiegen im Februar um 21 Prozent, während die Importe um sieben Prozent zulegten. Experten werten das schon als Zeichen für eine wieder anziehende Weltkonjunktur. Auch Japans Wirtschaft hat die Rezession hinter sich gelassen und ist erstmals seit drei Quartalen wieder gewachsen. Deutschlands global orientierte Wirtschaft mit ihren weltweit konkurrenzfähigen Produkten und Dienstleistungen dürfte davon profitieren. Deswegen steht sie auch in Europa so viel besser da als viele Nachbarländer.

Krisengewinner

Wenn man die Börsen als Indikator nimmt, dann müssten die Krisenzeiten ohnehin überwunden sein. Der Dax sprang heute über die Marke von 8000 Punkten und wird wohl auch in Kürze das Allzeithoch aus dem Jahr 2007 knacken. Und das ist kein Widerspruch zur weiterhin wütenden Euro-Krise. Denn für das Hoch des Dax ist hauptsächlich der gute Zustand der deutschen Unternehmen verantwortlich, die hohe Gewinne erzielen und attraktive Dividenden zahlen. Und da Anleihen entweder unsicher sind oder keine Rendite bringen, ist die Aktie so etwas wie ein Krisengewinner. Schade nur, dass der deutsche Privatanleger durch das Desaster am neuen Markt so ein gebranntes Kind ist, dass er die Börse meidet. Dabei sind Aktien im Depot ganz nebenbei auch noch ein guter Inflationsschutz.

Was fehlt? Clowns gibt es offenbar nicht nur in Italien. Konstantin Neven DuMont, der bisher hauptsächlich durch eine bizarre Fehde mit seinem Vater im Familienverlag M. DuMont Schauberg aufgefallen ist und durch einige weniger erfolgreiche Projekte im Internet, hat sich jetzt als WDR-Intendant beworben und das gleich über die Bild-Zeitung in die Welt posaunt. Ob das die Expertise von außen ist, die dem WDR gefehlt hat?

Florian Kolf

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