Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.09.2015

19:13 Uhr

Was vom Tage bleibt

Mit Wut im Bauch

VonStefan Menzel

Anleger haben 400 Milliarden Euro verloren, Bayern will die Grenzen schließen. Die Inflation fällt auf Null, die RWE-Aktie schießt nach oben und das Briefporto wird – wieder einmal – erhöht. Der Tagesrückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Danke nach Wolfsburg

Deutsche Anleger werden sich bei VW bedanken. Seit dem Frühjahr geht es mit dem Dax bergab, doch es kracht eigentlich erst so richtig seit Bekanntwerden des Volkswagen-Skandals. Ein schier unglaublicher Betrag von 400 Milliarden Euro ist in der letzten Zeit von den Börsenzetteln verschwunden. Die Aussichten sind nicht besonders gut: Es dürfte noch mehr werden.

Noch ganz viel Boot

Ist das Boot noch leer oder ist es schon voll? Politiker in Sachsen und in Bayern meinen, dass Deutschland bald keine Flüchtlinge mehr aufnehmen kann. In dieser Frage gibt es keine objektiv richtige Antwort, sondern nur Bauchgefühl, Meinung und Vermutung. Deutschland ist eines der reichsten Länder der Welt. Noch mehr Verantwortung – also weitere Flüchtlinge – sollten wir uns in dieser Situation eigentlich leisten können.

Billigöl

Für die Europäische Zentralbank ist es ein kleiner Rückschlag: Trotz des Anleihekaufprogramms ist die Inflation zuletzt auf glatte null Prozent gefallen. Das heißt nicht, dass die EZB mit ihrem Programm falsch gelegen hätte. Doch das Öl ist wieder so extrem günstig geworden, dass auch eine Zentralbank an das Ende ihrer Möglichkeiten kommt. Und dann fällt die Inflation einfach wieder aus.

Falscher Jubel

Aktionäre von RWE und Eon dürften am Dienstag gejubelt haben. Beschlossen ist zwar noch nichts. Doch in der Politik wird plötzlich über Staatshilfen für die geplagten Energiekonzerne geredet. Die Reaktion war zu erwarten: Die RWE-Aktie legte fast sechs Prozent zu, Eon knapp drei. Die Politik sollte solche Ideen aber ganz schnell ad acta legen. Die Energiebranche hat schon früher genug öffentliche Zuwendung bekommen, bitte nicht noch mehr.

Brief – auf Wiedersehen

Früher hätte es einen großen öffentlichen Aufschrei gegeben, aber heute? Die Post will im nächsten Jahr das Briefporto von 62 auf 70 Cent erhöhen. Ein wahrlich stattlicher Zuwachs. Protestieren wird trotzdem kaum jemand, denn wer schreibt überhaupt noch Briefe? Der Post-Brief ist ein sterbendes Medium. Damit sollte auch klar sein, dass bald die nächste Erhöhung kommt. Und irgendwann schreibt gar niemand mehr.

Elektronisch wird natürlich nach Herzenslust weitergeschrieben – wie hier.  Einen schönen Abend wünscht Ihnen

  

Stefan Menzel

Kommentare (11)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Marc Otto

29.09.2015, 20:00 Uhr

ja, es läuft einfach gut.

RWE / EON, Volkswagen. Alles massive Einschläge, die dafür gesorgt haben, dass man mit Shorts echt gute Gewinne machen kann. Nicht nur in der USA geht es seit Monaten bergab. Nun bekommt auch Deutschland seine Korrektur.

Jeder, der Hirn hat, hat seit Piechs Aussage zu Wiko iwi auf VW Shorts gesetzt. Und was kommen musste, das kam --- runter bei VW --- Alerdingts laufen meine US-Shorts noch besser. Ami Land rauscht den Abhang nach unten. Und bei fast allen US-Aktien (besonders Rohstoffe) kann man voll Geld machen.

Frau Ich Kritisch

29.09.2015, 20:19 Uhr

Sehr geehrter Herr Menzel,

hat VW auch für den Rückgang von 3,6% (nur heute) in Australien gesorgt? Von einer Wirtschaftszeitung erwarte ich einen fundierteren Kommentar.

Zitat: "... dass Deutschland bald keine Flüchtlinge mehr aufnehmen kann. In dieser Frage gibt es keine objektiv richtige Antwort, ..." oh, doch, es gibt eine objektiv richtige Antwort. Wenn alle Betten belegt sind ist das Hotel complet! Aber wenn Sie anderer Ansicht sind, dann steht es Ihnen frei der bayerischen Landesregierung noch freie Betten zu offerieren!

Zitat: " ... ist die Inflation zuletzt auf glatte null Prozent gefallen. Das heißt nicht, dass die EZB mit ihrem Programm falsch gelegen hätte. ..." Doch, die EZB liegt nach wie vor falsch. Nur wenn das Geld in den Wirtschaftskreislauf der Bürger kommt kann es überhaupt für eine Inflation sorgen. Das Geld der EZB kommt aber nicht in den Konsummarkt, es bleibt zu fast 100% im Kapitalmarkt. Selbst dort allerdings schafft es die EZB nicht den Verfall der Preise aufzuhalten, denn Aktien und Rohstoffpreise fallen weiter. Geld allein macht halt weder glücklich noch schafft es Wirtschaftskraft.

Der Post-Brief ist ein sterbendes Medium.
Leider, denn was werden wir mit 80Jahren lesen? Die Mails von vor 40 Jahren hat garantiert keiner mehr. Briefe aber überdauern die Zeit. Das wäre ein Artikel wert - aber sicherlich nicht hier...

Herr Oliver Klima

30.09.2015, 08:01 Uhr

Teil 1:
Atom-Moratorium: EON, RWE, Vattenfall, EnBW

Die Menschen scheinen den Kontext zum Streit mit den KKW-Betreibern nicht zu verstehen. Der Ruf aus der CDU nach staatlichen Hilfen ist überflüssig und rechtlich auch nicht machbar.

Wenn man die Risiken in Energiegeschäft realistisch einschätzen will, dann muss man die EEG-Novelle und das Atom-Moratorium im Blick haben.

Exemplarisch möchte ich nur die Klage vor dem VGH erwähnen (http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/akw-abschaltung-hessen-droht-millionenklage-durch-rwe/7851548.html). Klagen dieser Art gibt es zahlreiche von den KKW-Betreibern. Und derzeit deutet alles darauf hin, dass die Länder für die Abschaltung für drei Monate gegenüber den KKW-Betreibern haften.

Alleine EON hat für drei Monate KKW-Abschaltung einen Schaden von 338 Mio. € geltend gemacht. (http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/atom-moratorium-eon-will-380-millionen-schadenersatz-von-der-regierung/10782678.html)

Auf die Bundes- und die Landesregierungen kommen also hohe Schadensersatzforderungen zu.

Zusätzlich zu diesen Klagen bestehen seitens der KKW-Betreiber auch Verfassungsbeschwerden wegen des Atom-Moratoriums, also den frühzeitigen endgültigen Ausstieg aus der Kernkraft. Auch hier droht Ungemach für die Bundesregierung, denn die Schadensersatzforderungen der KKW-Betreiber dürften sehr hoch sein und die Aussichten auf Erfolg gut.

Das Gutachten, dass über die Höhe der Atomrückstellungen befinden soll, sollten man in diesem Kontext sehen. Es ist im Prinzip wie eine Verhandlungsmasse vor Gericht zu sehen, damit die Bundesregierung gegen die Schadensersatzforderungen der KKW-Betreiber gegensteuern könnte.



Die Investoren im Bereich der erneuerbaren Energien werden in unrentablen Bereichen mit sinkenden Förderleistungen aus der EEG-Umlage viele gewünschte Projekte nicht mehr umsetzen können. Man reagiert im linken politischen Flügel

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×