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14.06.2013

18:31 Uhr

Was vom Tage bleibt

Mollath, der Verführer

VonOliver Stock

Der Fall Mollath landet im Bundestag. Boeing und Airbus liefern sich ein Elefantenrennen. Die IWF wird zum Prügelknaben und Obama denkt um. Der Tagesbericht.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Echte Innovationen

Es ist das alte Elefantenrennen: Airbus gegen Boeing, A380 gegen Jumbo, und seit heute auch A350 gegen Dreamliner. Der Airbus-Flieger hat seinen Jungfernflug absolviert. Einer seiner Neuheiten ist ein um ein Viertel verringerter Kraftstoffverbrauch. Das beruhigt immerhin das Gewissen der Vielflieger. Eine Pünktlichkeits-Software, das Verbot, Sitzreihenabstände ausschließlich für Kleinwüchsige zu konstruieren, und die Garantie nur an Flughäfen zu landen, wo der Weg von der Straße zum Flugzeug nicht länger als zehn Minuten dauert, haben aber weder Airbus noch Boeing zu bieten. Dabei wären das echte Innovationen.

Liebe Kritiker

Der Internationale Währungsfonds hatte jüngst gemosert: Die Rettungsstrategie für den Euro im Allgemeinen und für Griechenland im Besonderen sei nicht sonderlich erfolgreich. Ein Schuldenschnitt, wie schon einmal, sei angebracht. Die Euro-Retter seien untereinander zerstritten. Wie immer, wenn einer meckert, wird er nicht gemocht. „Wenn der IWF das nicht versteht, ist das ein großes Problem“, sagt der Leiter des Euro-Krisenfonds, Klaus Regling. In dasselbe Horn stößt EU-Kommissionschef José Manuel Barroso. Es sei an der Zeit, die Zusammensetzung der Troika zu überdenken. So ist das mit Kritikern. Keiner liebt sie, aber wir alle brauchen sie.

Diesseits und jenseits der Linie

Barack Obama hatte eine „rote Linie“ gemalt. Davor war Platz für einen konventionellen Bürgerkrieg in Syrien. Dahinter befand sich das syrische Regime, falls es Chemiewaffen einsetzen sollte. Inzwischen hegt Obama keine Zweifel mehr am Einsatz von Chemiewaffen durch Syriens Staatschef Baschar al-Assad. Er kündigt deswegen „militärische Unterstützung“ der Rebellen an. Die rote Linie ist überschritten. In Moskau stieß das umgehend auf Kritik. Die Machthaber dort bezweifeln Obamas Erkenntnisse. Was ist die Wahrheit? Niemand unter uns Zuschauern weiß es so genau, denn sie gerät im Krieg als erstes unter Beschuss.

Mollaths Vermächtnis

Gustl Mollath ist 2006 in die Psychiatrische Anstalt Bayreuth eingewiesen worden, weil er seine Frau schwer misshandelt und die Reifen Dutzender Autos zerstochen habe. Mollath sagt, er sei Opfer eines Komplotts und der Justiz, weil er millionenschwere Schwarzgeldgeschäfte, die seine Frau mit Hilfe der Hypo-Vereinsbank abgewickelt habe, aufdeckte. Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen die Wiederaufnahme seines Verfahrens beantragt und auch der Menschenrechtsausschuss im Bundestag beschäftigt sich mit ihm. Es gibt viele interessante Lesarten, den Fall zu erzählen. Ein Beziehungsdrama Mann gegen Frau. Oder eine Robin Hood-Geschichte: der Outlaw gegen die Staatsmacht. Oder ein modernes Märchen von einem, der sich von keiner Bank der Welt klein kriegen lässt. Die Verführungskraft dieser Geschichten ist groß. So groß, dass auch hier die Wahrheit auf der Strecke bleiben könnte – auch wenn hierzulande tiefster Frieden herrscht.

Ein friedliches Wochenende wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (30)

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Brasil

14.06.2013, 19:38 Uhr

Schoen zu beobachten, wie die Mainstream Medien, ja auch das HB, durch ihr Einheitsgeschwafel sich selbst abschaffen!
Nein, da nuetzt es auch nicht fruehzeitig aufs Internet gesetzt zu haben, im Gegenteil!
Sie ziehen etwas Interessiertere weiter aufs Internet und damit zwangslaeufig auch zu den alternativen medien, womit der geneigte und interessierte Leser sich selbst ein sub/objektives Bild verschaffen kann und hoffentlich auch wird!

Jetzt aber nicht deshalb die online Aktivitaeten zurueckfahren, es ist dafuer gottseidank schon zu spaet und ihr werdet die Rechnung praesentiert bekommen, mit Sicherheit!
Dann gibts nur noch ein paar wenige Jobs bei den noch verbleibenden Agenturen und SIE koennen sich ihre schoene Aussicht eintauschen gegen ein Kellerbuero und wenn IHNEN ihr sueffisantes Grinsen bis dahin nicht zur Maske erstarrt ist, gibts nichts mehr zu grinsen!

Hofrat

14.06.2013, 20:21 Uhr

Causa Mollath: Es geht doch gar nicht mehr um die Details der Causa. Es geht darum wie unsere Justiz/Judikative und die Politik mit dem Fall umgeht. Und das ist ein Skandal!

Anleihenspezialist

14.06.2013, 20:24 Uhr

Nur noch "Die Zeit und Die Süddeutsche" sind stabil geblieben bei Ihren Abos.

Selbst die Bild hat massive Einbrüche am Markt von 8% und muß dieses Jahr 200 Mitarbeiter entlassen. Druckereien bauen auch Personal ab usw. Deshalb sollte man auch jetzt den Druck verstehen, dass die Medien halt systemkonform berichten. Es geht um Jobs und wer zu kritisch wird oder seinen Standpunkt verteidigt, der fliegt und wird kalt gestellt.

Das Problem für die Medien ist, dank Internet brauch der Leser nicht mehr die systemkonforme Presse.

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