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18.08.2014

18:50 Uhr

Was vom Tage bleibt

Moskau spielt mit Autos

VonStefan Menzel

Die Sanktionsspirale mit Russland dreht sich weiter, der BND hört in der Türkei mit. Bei der Bahn droht ein Streik, bei Autozulassungen wird getrickst und in den USA leben die Rassengegensätze weiter. Der Tagesrückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Die Spirale dreht sich

Erst die Lebensmittel, dann die Autos? Bislang sind es nur Gerüchte, dass Moskau nach den Agrarprodukten auch westliche Autoimporte verbieten könnte. Allein mit diesem Gerücht macht die russische Führung unmissverständlich deutlich, dass auch sie die Sanktionsspirale noch ein Stückchen weiterdrehen kann. Für die exportorientierte deutsche Autobranche wäre ein Verkaufsstopp in Russland zwar ärgerlich, aber immerhin noch verkraftbar. So groß ist der russische Markt dann doch noch nicht geworden. Trotzdem hofft natürlich jeder, dass es nicht dazu kommen wird und die Kontrahenten im Konflikt um die Ukraine eine Lösung finden werden. Groß sind die Chancen dafür allerdings nicht, zu laut ist derzeit noch das Donnern der Kanonen.

Deutsche Ohren

Nun hat jeder hierzulande die Gewissheit, dass auch die deutschen Geheimdienste keine Kinder von Traurigkeit sind. Nicht nur die Kollegen von der amerikanischen NSA verstehen sich aufs Abhören, auch der BND bedient sich dieser Praxis. Gut zu wissen, dass unsere Spione diese Technik also noch beherrschen. Der BND interessiert sich allerdings weniger für die USA als vielmehr für die Türkei – und das völlig zurecht. Angesichts der Spannungen dort und wegen der massiven politischen Konflikte um Premier Erdogan gibt es hierzulande ein berechtigtes Interesse an Informationen. Die Regierung in Ankara mag darüber irritiert sein, aber ein Grund zur Aufregung ist das noch lange nicht.

Geplagte Pendler

Es ist wieder einmal soweit: Die Bahn-Beschäftigten drohen der deutschen Bevölkerung mit Streik. Lokführer und Zugschaffner verlangen mehr Geld, doch der Bahn gehen die Forderungen zu weit. Wir kennen dieses Ritual natürlich schon aus den Vorjahren. Jetzt wird noch ein wenig hin- und her geredet, Gewerkschaften und Unternehmen schieben sich den Schwarzen Peter gegenseitig in die Schuhe. In zwei bis drei Wochen wird es dann soweit sein und die Züge stehen wieder still. Für die geplagten Bahn-Pendler kann es darauf nur eine Antwort geben: Bereiten Sie sich auf das Schlimmste vor und halten Sie nach einer Alternative Ausschau. Auf Rücksichtnahme können Bahn-Kunden lange warten.

Automobile Tricksereien

Die vergangenen zwei bis drei Jahre sind für die Autohersteller nicht so richtig gut gewesen. Wegen der anhaltenden Krise in der Euro-Zone hat es kräftig gehakt, an allererster Stelle natürlich in Ländern wie Spanien und Griechenland. Auch beim Autokauf geht es immer um viel Psychologie. Da schlechte Nachrichten schaden, nehmen die Hersteller die Marktentwicklung auch gern einmal selbst in die Hand. Und mit den Eigenzulassungen steht ein wunderbares Mittel parat, mit denen sich die Statistik im Sinne der Hersteller nach oben korrigieren lässt. Von einer Fälschung würde die Autobranche natürlich nie sprechen. Von einer echten Erholung des Marktes kann dann natürlich auch nicht die Rede sein.

Kein Vorbild

Im kleinen US-Städtchen Ferguson gärt es gewaltig. Nach dem Tod eines schwarzen Jugendlichen begehrt die Bevölkerung auf und wehrt sich gegen willkürliche Polizeigewalt. Genau das passiert leider nicht zum ersten Mal in den USA. Die Regierung des Bundesstaates Missouri sieht zudem keine andere Möglichkeit mehr und ruft die Nationalgarde zur Hilfe. Die USA mögen uns Europäern in einigen Dingen voraus sein. In der Behandlung von Minderheiten sind sie allerdings garantiert kein Vorbild. Wann rüstet die US-Gesellschaft endlich ab und gibt sich weniger gewalttätig?

Das Beispiel Ferguson stimmt traurig. Trotzdem wünsche ich Ihnen einen angenehmen und erholsamen Abend

Stefan Menzel

Kommentare (3)

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Sergio Puntila

18.08.2014, 19:25 Uhr

Moskau spielt mit Autos.

Charlie Chaplin hatte mit einem Luftballon gespielt:
So war das allerdings damals.

Heute haben wir zum Glück einen Redaktor, der uns das alles ganz neu zu erklären hat.

Sergio Puntila

18.08.2014, 19:25 Uhr

Moskau spielt mit Autos.

Charlie Chaplin hatte mit einem Luftballon gespielt:
So war das allerdings damals.

Heute haben wir zum Glück einen Redaktor, der uns das alles ganz neu zu erklären hat.

Sergio Puntila

18.08.2014, 19:38 Uhr

Man weiss indes bald wirklich nicht mehr, wer mit Luftballons spielen möchte.

Da es sich um blutige Luftballon gehandelt hatte, Charlie Chaplin wusste das sehr wohl, fragt man sich bald garnichts mehr:
Man nimmt es einfach nur noch zur Kenntnis: Kregstreiberei indes dürfte das Sahnehäubchen darstellen.

Und wie fein der Herr das macht...

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