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28.10.2014

18:35 Uhr

Was vom Tage bleibt

Ordnen, was sich einer Ordnung entzieht

VonOliver Stock

Wie Frau Nahles ihre Kritiker provoziert. Wie Deutschlands Bankspitzen rotieren. Wie Hooligans demonstrieren und wie Saturn zurückmarschiert – das lesen Sie in diesem Rückblick auf den Tag.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Gesetz gegen Streikwut

„Es gehört“, so sagte uns heute der ehemalige FDP-Innenminister Gerhart Baum, „zur freien Gesellschaft, dass auch Minderheiten zu respektieren sind – das fällt der Gossen Koalition schwer.“ Baum sprach über den Gesetzentwurf von Arbeitsministerin Nahles, der die Streikwut kleiner Gewerkschaften eindämmen will. Baum wird gegen die geplante Regel Verfassungsbeschwerde einlegen. „Die Große Koalition will ordnen, was sich einer staatlichen Ordnung entzieht“, meint er. Wenn das meine Tochter liest, die ihr Zimmer aufräumen soll, wird sie sagen: „Papa, Du willst ordnen, was sich einer Ordnung entzieht.“ Ich werde das nicht durchgehen lassen.

Herzbuben

Alexander Dibelius gibt seinen Posten als Deutschlandchef der US-Investmentbank Goldman Sachs nach 13 Jahren auf. Er bleibt Investmentbanker, aber er bleibt nicht Chef. Der ehemalige Herzchirurg hat alles überstanden: Eine Finanzkrise, einen privaten Rosenkrieg und die eine oder andere angedichtete Affäre. Zwei neue Chefs sollen ihn ersetzen. Goldman setzt an der Spitze auf die Kraft der zwei Herzen. Die Deutsche Bank macht das schon länger. Zu ihren Herzbuben zählt neben den Chefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain bislang auch Stefan Krause, der Finanzchef. Er könnte vor einem Wechsel in eine weniger bedeutende Position stehen, heißt es heute Abend. Fragt sich, wer deswegen Herzschmerzen bekommt.

Ich glaube an Marc Aurel

Die Gruppierung „Hooligans gegen Salafisten“, die am Wochenende in Köln durch viele Fäuste und wenig Hallelujah aufgefallen ist, hat für ihre nächste Kundgebung „gegen den islamistischen Terror“ Hamburg ausgewählt. „Ergib Dich nicht der Stimmung dessen, der Dich beleidigt. Folge nicht dem Weg, auf den er Dich schleppen möchte“, ist von Marc Aurel überliefert, der übrigens ein mächtiger Kaiser in Rom gewesen ist.

Fortschritt a la Saturn

Selbst ist der Kunde: Wer bei Saturn künftig online bestellen will, muss nicht mehr zu Hause auf den Postboten warten, sondern kann sein Paket selbst in der Filiale abholen. Saturn preist das als Fortschritt. Mir kommt es irgendwie vertraut vor. Dunkel erinnere ich mich, schon als kleiner Junge ins Geschäft gegangen zu sein, um einzukaufen.

Hauptsache dabei

Berlin oder Hamburg – eine von beiden Städten soll sich darum bewerben, die Olympischen Spiele 2024 auszurichten. So will es der Deutsche Olympische Sportbund. Wer sich über die Ankündigung nicht freut, der denke an das olympische Motto: Dabei sein ist alles. Das gilt selbst schon fürs Bewerbungsverfahren.

Bleiben Sie dabei, wünscht sich

Oliver Stock

Kommentare (6)

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Sergio Puntila

28.10.2014, 19:22 Uhr

Nun wissen wir wenigstens wozu die SPD befähigt wirkt: zum Biedermann als Brandstifter.
Und Nahles hats gemacht.
Besser konnte sich die CDU doch nicht aus der Affäre stehlen.

Sergio Puntila

28.10.2014, 19:28 Uhr

Nahles, die tarifpolitische Ausputzerin.

Flankiert von "ein Land lahmlegen" dürfte Frau Nahles in eine saubere gesellschaftspolitische Falle getapert sein.

Dafür muss man ja nicht blöd sein: es reicht, wenn man dafür für hochintelligent gehalten werden sollte.

Herr Thomas Albers

28.10.2014, 19:42 Uhr

"zur freien Gesellschaft, dass auch Minderheiten zu respektieren sind – das fällt der Großen Koalition schwer."

Natürlich ist auch das Streikrecht zu respektieren - es gilt allerdings auch nicht schrankenlos. Rechte dürfen auch in der Tradition der Bundesrepublik im Hinblick auf einen Interessenausgleich beschränkt werden.

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