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15.11.2013

18:13 Uhr

Was vom Tage bleibt

Plumps - und er landet in der Grabkammer

VonOliver Stock

Die SPD-Basis ist drauf und dran, ihren Vorsitzenden eine Falle zu stellen. China betreibt Familienpolitik. Max Bahr steht im Regen. Fitch will nicht der Dumme sein. Italien rührt zu Tränen. Der Tagesbericht.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Vorsicht Falle

Martin Schulz ist der SPD-Mann für Europa. Und er ist der, der beim Wahlparteitag der SPD in Leipzig das Traumergebnis von 97,9 Prozent einfuhr. Der Rest der Parteispitze blieb deutlich darunter, das Kraftzentrum aus dem Vorsitzenden Sigmar Gabriel und seinen wichtigsten Stellvertretern Hannelore Kraft und Olaf Scholz kam ziemlich unter die Räder: Scholz, der stolze Bürgermeister von Hamburg, holte gar nur 67,3 Prozent Zustimmung bei den Genossen. Diese Partei hat noch längst nicht Tritt gefasst. Gabriel darf sich fühlen wie ein Archäologe beim Erforschen einer ägyptischen Pyramide: Jederzeit kann eine Falltür aufgehen, und - plumps- er landet in der Grabkammer.

Aus eins mach zwei

China will die bisherige Ein-Kind-Politik lockern. Vorgesehen ist, dass Ehepaare zwei Kinder haben dürfen, wenn ein Elternteil Einzelkind ist. Da seit den späten siebziger Jahren in Städten die Ein-Kind-Politik galt, dürfen ganz viele Einzelkinder jetzt zwei Kinder haben. Jubel? Ab in die Betten? Macht, was Ihr wollt. In einem Land, das seinen Bürgern die Zahl der Nachkommen vorschreibt, möchte ich nicht leben.

Selbst ist der Mann

Die Übernahme der insolventen Baumarktkette Max Bahr mit 3.600 Beschäftigten ist gescheitert. Konkurrent Hellweg hat sich nicht mit der Royal Bank of Scottland, dem Hauptvermieter von 66 Baumärkten, geeinigt. Wenn die Betriebsleiter der Baumärkte ihre Werbeversprechen ernst nehmen, krempeln sie jetzt die Ärmel hoch. Selbermachen heißt die Devise.

Erschießt nicht den Briefträger

Gestern Abend habe ich mit dem Chef der Rating-Agentur Fitch Jens Schmidt-Bürgel diskutiert. „Fragen Sie den guten Mann, warum er erfolgreich die Gründung einer europäischen Ratingagentur verhindert hat?“, hat mich ein Leser aufgefordert. Und: „Warum schieben Investoren die Schuld ihres eigenen Versagens bei Kaufentscheidungen auf Ratingagenturen?“ Aktiv verhindert habe er die Gründung einer europäischen Ratingagentur nicht, lachte Schmidt-Bürgel. Aktiv gefördert sicher auch nicht, wäre hinzuzufügen. Den Schwarzen Peter zu übernehmen - das kennt Schmidt-Bürgel. Seine Antwort: „Don't shoot the messager - erschieß nicht den Briefträger.“ Als Schicksalsgefährte war mir diese Antwort sehr sympathisch.

Bitte keine Tränen

Das herzzerreißende Aus der deutschen Nationalmannschaft während des „Sommermärchens“ von 2006 hat beim damaligen Kapitän Michael Ballack Tränen fließen lassen. Im Halbfinale der Weltmeisterschaft im eigenen Land ging es in die Verlängerung. Schließlich trafen zwei eiskalte Tore der Italiener die Deutschen mitten ins Herz. Der Italienfluch hatte wieder zugeschlagen: Noch nie konnte ein deutsches Team bei einem großen Turnier gegen die Italiener gewinnen. Heute Abend gibt es ein kleines Turnier der beiden: Es geht um nichts als die Ehre. Tränen können wir uns sparen, mitfiebern können wir trotzdem.

Einen spannenden Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

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